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Branchen und Märkte (180): Lichtindustrie : Dämmerlicht

Hersteller arbeiten unter Hochdruck an der „Wohlfühlqualität” von Energiesparlampen Bild: picture-alliance/ dpa

Immer mehr Staaten verbannen die Glühbirne und setzen auf Energiesparleuchten. Das verspricht Geschäft für die Hersteller. Die arbeiten aber schon an der nächsten Lichtgeneration und fokussieren sich auf den breiten Einsatz der LED.

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          Die Diskussion wird emotional. Menschen decken sich mit Glühbirnen ein, bevor deren Aus kommt. Damit wollen sich die Verfechter der traditionsreichen Glaskolben mit eingebautem Glühdraht das warme Licht in der Wohnung bewahren. Kritiker von Energiesparlampen bemängeln nicht nur die hohen Anschaffungskosten, sondern auch die schlechte Lichtausbeute und -qualität. Ein Entsorgungssystem für die mit Elektronik vollgestopften Sparlampen fehle. Und die politische Promotion sei ein gewaltiges Konjunkturprogramm für Philips, Osram, General Electric und Co. „Warum soll ein zweiter Durchlauf meiner Spülmaschine gesetzeskonform, der Betrieb meiner Artemide-Leselampe aber illegal sein“, fragt der Schriftsteller Ulf Erdmann Ziegler.

          Rüdiger Köhn

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in München.

          Nach dem Beschluss der EU-Kommission im Dezember, die Glühbirne stufenweise abzuschaffen, erregen sich immer mehr Gemüter, die von der reinen Regelungswut der Eurokraten sprechen. Dass die EU etwas entschieden hat, was Australien, Neuseeland, Kanada, Irland oder der amerikanische Bundesstaat Kalifornien längst beschlossen haben, spielt keine Rolle. In den Hintergrund treten die Vorteile des Energiesparens, das durch den Einsatz anderer Leuchtkörper als die Glühbirne erzielt werden kann. Wandelt doch der gute alte Leuchtkolben 5 Prozent des von ihm verbrauchten Stroms in Licht, aber 95 Prozent in Wärme um.

          Auf Beleuchtung entfallen in der Welt 19 Prozent des Energieverbrauchs

          Die Antwort auf die in dieser Zeitung veröffentlichte Kritik von Schriftsteller Ziegler hat Farran Tarradellas, energiepolitischer Sprecher der EU-Kommission, geliefert: „Ein EU-Durchschnittshaushalt würde bis zu 50 Euro jährlich bei der Stromrechnung sparen. Das würde hochgerechnet 5 Milliarden Euro einsparen und 15 Millionen Tonnen Kohlendioxidausstoß vermeiden, was einem Ausstoß von zehn Kraftwerken entspricht.“ Und wenn einem das Licht der Energiesparlampe nicht gefalle, sei sie ja nicht die einzige Alternative. Halogenstrahler würden die gleiche Qualität wie weiß leuchtende Glühbirnen haben - und immerhin noch 45 Prozent effizienter sein. Und schließlich ginge es um die Einhaltung der von den EU-Regierungen beschlossenen Klimaschutzziele.

          Natürlich stimmt die Lichtindustrie in das Konzert ein, die den EU-Beschluss begrüßt, der zunächst von September dieses Jahres an den Verkauf der besonders in Deutschland gefragten 100-Watt-Glühbirne verbietet. In den Folgejahren wiederfährt den anderen Birnen je nach Stärke von 75 Watt (2010) über 60 Watt (2011) bis 40 und 25 Watt (2012) das gleiche Schicksal. Auf Beleuchtung entfallen in der Welt 19 Prozent des Energieverbrauchs. Professionelle Lösungen, das heißt der Einsatz von Licht in Büros, öffentlichen Gebäuden, Straßen und Plätzen, machen schätzungsweise 80 Prozent des gesamten Lichtmarktes aus. Der private Konsum deckt nur ein Fünftel ab.

          Privathaushalte könnten jährlich 1,3 Milliarden Euro sparen

          Mit 3,5 Milliarden installierten Glühbirnen in Europa ließe sich der Stromverbrauch langfristig um mehr als 30 Prozent reduzieren. Im Jahr 2007 wurden noch 1,8 Milliarden Glühbirnen in Europa verkauft. Der deutsche Hersteller Osram - Nummer zwei hinter der niederländischen Philips - macht nur noch 5 Prozent seines Umsatzes mit diesem Geschäft, 95 Prozent mit Leuchtstoff-, Halogenlampen und Licht emittierende Dioden (LED). In Deutschland - so die Schätzungen - könnten Privathaushalte jährlich 1,3 Milliarden Euro sparen und die Umwelt um 4,5 Millionen Tonnen Kohlendioxid entlasten. Hierzulande wurden 2007 immer noch 200 Millionen Glühbirnen, aber nur 40 Millionen Energiesparlampen verkauft; ein kräftiger Anstieg gegenüber den 13 Millionen Stück im Vorjahr. Im vergangenen Jahr stagnierte der Absatz.

          „Das hängt mit den Akzeptanzproblemen zusammen“, findet Jürgen Waldorf, Geschäftsführer des Fachverbandes Elektrische Lampen und Elektroleuchten im Zentralverband der Elektro- und Elektronikindustrie (ZVEI). Ihn stört, dass so getan werde, als würde es ab September nur noch Energiesparlampen geben. Und die mangelnde Akzeptanz hängt für ihn auch schlicht mit Gewohnheiten zusammen. „Da müssen Aufklärungskampagnen her.“

          Den Vorwurf der fehlenden Rücknahmesysteme lässt er nicht gelten: „Es gibt längst etablierte Systeme für Elektroschrott.“ Nur sei das offenbar noch nicht angekommen. „Für Energiesparlampen gilt das, was für Fernseher oder Staubsauger seit vielen Jahren vorgeschrieben ist.“ Für Waldorf ist die Diskussion ohnehin zu stark fokussiert auf die Energiesparlampe, die es bereits seit 1985 gibt. Langfristig wird es für ihn eine Dreierbeziehung geben, nämlich zusammen mit der Halogenlampe und den LED.

          Forschung und Entwicklung fokussieren sich auf den Einsatz der LED

          Mit Hochdruck arbeiten die Hersteller nicht nur daran, die Energiesparlampen in ihrer „Wohlfühlqualität“ zu verbessern und die Lichtleistung insgesamt zu erhöhen. Forschung und Entwicklung (F & E) fokussieren zudem auf den breiten Einsatz der LED. Zunehmend richtet sich das Augenmerk aber auf die organischen LED, die im Gegensatz zur bisherigen Leuchtdiode die Beleuchtung von Flächen ermöglicht. Doch befindet sich diese Technik noch in den Kinderschuhen, werden solche sogenannten Oleds allenfalls in Handys oder MP3-Playern, Autoradios und Kameras eingesetzt.

          Das Vordringen dieser Technologien aber ist nicht aufzuhalten. Der Absatz von Halogenlampen wird nach Schätzungen von Osram in den nächsten Jahren voraussichtlich um jeweils 6 Prozent, der von Energiesparlampen um 16 Prozent wachsen. Und wer von den Herstellern nicht mitmacht, bekommt Schwierigkeiten. Osram etwa investiert nicht zuletzt deswegen fast 6 Prozent des Umsatzes in F & E.

          „Ich investiere lieber in die Zukunft, nicht in die Vergangenheit“

          Schlechte Karten hat hingegen der amerikanische Konkurrent General Electric. Die Nummer drei der Branche hat schwerwiegende Probleme im Lichtgeschäft und will die Aktivitäten abstoßen. GE sucht einen Käufer, findet aber keinen. Die Amerikaner haben in den vergangenen Jahren zu wenig in neue Lichttechnologien investiert und in etlichen Bereichen den Anschluss verloren. Unternehmensbeobachter sprechen sogar davon, dass Geld aus der Lichtsparte zugunsten anderer Geschäftsbereiche abgezogen wurde. Das rächt sich.

          Ein Interessent aus Asien, über den lange Zeit spekuliert wurde, hätte durch die Übernahme des Lichtgeschäftes zwar Zugang zu den Vereinigten Staaten erhalten, mit einem Viertel Anteil am Weltumsatzvolumen von rund 60 Milliarden Euro der größte Einzelmarkt. Doch der Reiz hält sich so in Grenzen, dass GE die Verkaufspläne zurückgestellt hat. Gefragt nach einem Kaufinter- esse, sagt Rudy Provoost, für das Lichtgeschäft zuständiges Vorstandsmitglied des niederländischen Weltmarktführers Philips, nur lächelnd: „Ich investiere lieber in die Zukunft, nicht in die Vergangenheit.“

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