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Branchen und Märkte (180): Lichtindustrie : Dämmerlicht

„Das hängt mit den Akzeptanzproblemen zusammen“, findet Jürgen Waldorf, Geschäftsführer des Fachverbandes Elektrische Lampen und Elektroleuchten im Zentralverband der Elektro- und Elektronikindustrie (ZVEI). Ihn stört, dass so getan werde, als würde es ab September nur noch Energiesparlampen geben. Und die mangelnde Akzeptanz hängt für ihn auch schlicht mit Gewohnheiten zusammen. „Da müssen Aufklärungskampagnen her.“

Den Vorwurf der fehlenden Rücknahmesysteme lässt er nicht gelten: „Es gibt längst etablierte Systeme für Elektroschrott.“ Nur sei das offenbar noch nicht angekommen. „Für Energiesparlampen gilt das, was für Fernseher oder Staubsauger seit vielen Jahren vorgeschrieben ist.“ Für Waldorf ist die Diskussion ohnehin zu stark fokussiert auf die Energiesparlampe, die es bereits seit 1985 gibt. Langfristig wird es für ihn eine Dreierbeziehung geben, nämlich zusammen mit der Halogenlampe und den LED.

Forschung und Entwicklung fokussieren sich auf den Einsatz der LED

Mit Hochdruck arbeiten die Hersteller nicht nur daran, die Energiesparlampen in ihrer „Wohlfühlqualität“ zu verbessern und die Lichtleistung insgesamt zu erhöhen. Forschung und Entwicklung (F & E) fokussieren zudem auf den breiten Einsatz der LED. Zunehmend richtet sich das Augenmerk aber auf die organischen LED, die im Gegensatz zur bisherigen Leuchtdiode die Beleuchtung von Flächen ermöglicht. Doch befindet sich diese Technik noch in den Kinderschuhen, werden solche sogenannten Oleds allenfalls in Handys oder MP3-Playern, Autoradios und Kameras eingesetzt.

Das Vordringen dieser Technologien aber ist nicht aufzuhalten. Der Absatz von Halogenlampen wird nach Schätzungen von Osram in den nächsten Jahren voraussichtlich um jeweils 6 Prozent, der von Energiesparlampen um 16 Prozent wachsen. Und wer von den Herstellern nicht mitmacht, bekommt Schwierigkeiten. Osram etwa investiert nicht zuletzt deswegen fast 6 Prozent des Umsatzes in F & E.

„Ich investiere lieber in die Zukunft, nicht in die Vergangenheit“

Schlechte Karten hat hingegen der amerikanische Konkurrent General Electric. Die Nummer drei der Branche hat schwerwiegende Probleme im Lichtgeschäft und will die Aktivitäten abstoßen. GE sucht einen Käufer, findet aber keinen. Die Amerikaner haben in den vergangenen Jahren zu wenig in neue Lichttechnologien investiert und in etlichen Bereichen den Anschluss verloren. Unternehmensbeobachter sprechen sogar davon, dass Geld aus der Lichtsparte zugunsten anderer Geschäftsbereiche abgezogen wurde. Das rächt sich.

Ein Interessent aus Asien, über den lange Zeit spekuliert wurde, hätte durch die Übernahme des Lichtgeschäftes zwar Zugang zu den Vereinigten Staaten erhalten, mit einem Viertel Anteil am Weltumsatzvolumen von rund 60 Milliarden Euro der größte Einzelmarkt. Doch der Reiz hält sich so in Grenzen, dass GE die Verkaufspläne zurückgestellt hat. Gefragt nach einem Kaufinter- esse, sagt Rudy Provoost, für das Lichtgeschäft zuständiges Vorstandsmitglied des niederländischen Weltmarktführers Philips, nur lächelnd: „Ich investiere lieber in die Zukunft, nicht in die Vergangenheit.“

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