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Branchen und Märkte (170): Einzelhandel : Warten auf den Weihnachtsmann

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Der Aufschwung ist im deutschen Einzelhandel gar nicht erst angekommen. Nun kippt die Konjunktur. Nach Untersuchungen der Marktforscher der GfK hat sich die Stimmung der Verbraucher zwar kaum verschlechtert, sie erwarten aber, dass sie sich vor allem bei größeren Anschaffungen zurückhalten werden.

          Die nächsten Wochen werden spannend, und in ihnen wird über das Schicksal so mancher Wackelkandidaten entschieden. Denn in den meisten Branchen des Einzelhandels, seien es die Warenhäuser, die Schmuckgeschäfte, die Buch- und Spielzeugwarenläden oder die Anbieter von Unterhaltungselektronik, ist das Weihnachtsgeschäft wichtig für den Jahreserfolg.

          Deshalb treibt Deutschlands Einzelhändler derzeit die Frage um, welche Folgen die Finanzmarktkrise und die dunkleren Wolken am Konjunkturhimmel für das Verbraucherverhalten haben. Sind die Kunden nun vollends verunsichert und treten in den für die Handelsbranche wichtigsten Wochen eines Jahres in den Konsumstreik? Oder lassen sie sich in der Vorweihnachtszeit doch noch in die nötige Stimmung bringen, Geschenke einzukaufen?

          Zurückhaltung bei größeren Anschaffungen

          Die Prognosen der Unternehmen sind vieldeutig. Geht beispielsweise der Inhaber der Mülheimer Tengelmann-Gruppe, Karl-Erivan Haub, von dem schlechtesten Weihnachtsgeschäft seit Jahren aus, möchten sich die Vorstände der beiden großen Wettbewerber Edeka und Rewe das Geschäft nicht schlechtreden lassen. Eckhard Cordes, der Vorstandsvorsitzende von Deutschlands größtem Handelskonzern, der Metro, erwartet weder ein phantastisches noch ein katastrophales Weihnachtsgeschäft. Er stellt sich auf ein mittleres Niveau ein. Der auf Geschenkartikel konzentrierte Douglas-Konzern sieht ebenfalls keinen Grund, pessimistisch zu sein.

          Auch der Einzelhandelsverband HDE hat sich bisher unaufgeregt gezeigt und rechnet nicht mit einem Einbruch gegenüber dem ohnehin schon schwachen Vorjahr. „Die Stimmung der Verbraucher deutet darauf hin, dass wir noch auf demselben Konsumniveau sind wie vor der Finanzkrise“, sagte der HDE-Präsident Josef Sanktjohanser. In seiner Einschätzung wird er vom Münchener Ifo-Institut bestätigt, das zumindest noch Ende Oktober von einer nur minimalen Abkühlung des Geschäftsklimas im Einzelhandel berichtete. Nach Untersuchungen der Nürnberger Marktforscher GfK hat sich die Stimmung der Verbraucher bisher kaum verschlechtert. Sie erwarten dennoch, dass sie sich jetzt vor allem bei größeren Anschaffungen zurückhalten werden.

          Recht hohe Tarifabschlüsse

          Schon vor Ausbruch der Finanzkrise fanden Deutschlands Händler die Spendierlaune ihrer Kunden nicht gerade zum Jubeln. Vielmehr haben die Verbraucher in diesem Jahr mit etwa 11 Prozent der verfügbaren Einkommen so viel gespart wie seit 1994 nicht. Von dem Aufschwung, von dem die meisten anderen Wirtschaftszweige profitieren konnten, ist in der Einzelhandelsbranche bisher so gut wie nichts angekommen. Und nun kippt die Konjunktur, bevor der Handel als Spätstarter im Konjunkturzyklus seinen Nutzen aus dem Aufschwung ziehen könnte.

          Dabei verbesserten sich einige Rahmenbedingungen für eine günstigere Entwicklung der Einzelhandelsumsätze. Dazu gehört die gestärkte Verfassung des Arbeitsmarktes, die zumindest noch bis zum Sommer einen Aufbau der Beschäftigung ermöglicht und die niedrigste Zahl an Arbeitslosen seit sechzehn Jahren mit sich gebracht hat. Dazu gehören auch die im Vergleich zu den Vorjahren recht hohen Tarifabschlüsse, die in mancher Branche für mehr verfügbares Einkommen und damit mehr Kaufkraft gesorgt haben.

          Schlechtes Weihnachtsgeschäft 2007

          Jedoch gab es über das Jahr gesehen einige starke Konsumbremsen. Erinnert sei vor allem an die kräftig gestiegenen Energie- und Benzinpreise, oder die zum Teil stark erhöhten Preise für Lebensmittel. Inzwischen belasten sie die Haushaltsbudgets zwar weit weniger stark als noch in den Sommermonaten angenommen. Ob die so zurückgewonnenen Spielräume für Einkäufe im Handel genutzt werden, muss sich noch zeigen.

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