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Branchen und Märkte (167) : Innovative Hoffnungsträger

Bild: F.A.Z.

Die Pharmaindustrie hat sich quer durch die Branche der Biotechnologie auf Einkaufstour gemacht. Trotz der Finanzkrise, der seit Monaten über den Märkten schwebenden Gefahr einer Kreditklemme und der sich abzeichnenden Rezession.

          Die Pharmaindustrie hat sich quer durch die Branche der Biotechnologie auf Einkaufstour gemacht. Trotz der Finanzkrise, der seit Monaten über den Märkten schwebenden Gefahr einer Kreditklemme und der sich abzeichnenden Rezession in allen großen Volkswirtschaften greifen die Branchenriesen nach kleinen, besonders aussichtsreichen Firmen. Denn von deren Forschungsprojekten versprechen sie sich wichtige Impulse für die eigene Angebotspalette. Darüber hinaus zielen sie auf kräftige Umsatzzuwächse, satte Gewinne und die Festigung ihrer traditionellen Positionen auf dem Weltmarkt. Das könne in turbulenten Zeiten ein starker Pfeiler der Sicherheit sein, sagt Severin Schwan, Vorstandsvorsitzender von Roche.

          Stephan Finsterbusch

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Eine Milliarde Euro für ein neues Medikament

          Im vergangenen Jahr hatte die globale Biotech-Branche 63 Milliarden Euro erlöst und den Verlust auf 2 Milliarden Euro gegenüber dem Vorjahr halbiert. Ende des Jahrzehnts könnte die Industrie die Gewinnschwelle erreichen. Das lässt viele Anleger hoffen. Während die großen Aktienindizes von New York bis Frankfurt derzeit riesige Verluste verzeichnen, hält die Mehrzahl der börsennotierten Biotech-Firmen Kurs. „Die Branche bekommt von den Folgen der Finanzkrise bislang relativ wenig zu spüren. Die Menschen brauchen ihre Medikamente einfach“, lässt sich Steven Silver vom Analystenhaus Standard & Poor's zitieren. Jan Schmidt-Brand, Vorstand von Heidelberg Pharma, meint, bislang habe die Krise noch keine tieferen Spuren durch die vorwiegend über Eigenkapital finanzierte Branche gezogen.

          Produkte von Biotech-Firmen nehmen auf den Verkaufsregalen der Apotheken bereits viel Platz in Anspruch. Denn jedes zweite neu zugelassene Medikament kommt aus einem Biotech-Labor. Darüber hinaus haben die Firmen noch einiges an aussichtsreichen Produkten in der Hinterhand. Die stecken zwar oft noch in den verschiedenen Phasen der Erprobung. Doch Begehrlichkeiten seitens vieler Pharmaunternehmen sind schon geweckt. Kein Wunder: Kostet doch die Entwicklung eines neuen Medikaments bis zu zehn Jahren und eine Milliarde Euro. Neben Kooperationen, strategischen Allianzen und Lizenzabkommen mit Firmen aus der Biotechnologie ist die Pharmaindustrie daher auch bemüht, Firmen zu übernehmen.

          „Eine Pille für alle“

          Ihr Ziel ist es, auf der Angebotsseite die in den kommenden Jahren ablaufenden Patente für Medikamente wie Pfizers Blockbuster Lipitor durch lukrative Nachfolgeprodukte aus der zukunftsweisenden Sparte Biotech zu ersetzen. In der Regel laufen Patente auf Medikamente nach 20 Jahren aus. Sie sind dann für Billiganbieter wie die Ranbaxy Laboratories aus Indien zur Nachahmung freigegeben. Auf der Nachfrageseite will die Pharmabranche den Trend zu patientenspezifischen Arzneimitteln vorantreiben. Für diesen neuen und aufwendigen Behandlungsansatz braucht sie die Ergebnisse der Biotechnologie.

          Um die Biotechnologen auf ihre Seite zu ziehen, setzen große Arzneimittelhersteller wie Roche, Pfizer, Novartis oder Bayer ihre prallgefüllten Kassen ein. Dem stehen Biotech-Firmen gegenüber, die oft klein sind und aufgrund ihrer weitausholenden Forschung viel Kapital benötigen. Auf der Habenseite weisen sie gut laufende Entwicklungslabors auf, in denen dank der Biochemie die Medikamente der nächsten Generationen entwickelt werden. Mit dem klassisch zugespitzten Motto „Eine Pille für alle“ hat das nichts mehr zu tun. „Wenn wir über die Zukunft sprechen, reden wir über individuelle Diagnostizierung, Behandlung und Verabreichung von Medikamenten“, sagt Schwan von Roche. An diesem Konzept arbeiten Biotechnologen seit Anfang der achtziger Jahre. Über eine Welle von Zukäufen scheint dieser Ansatz auch den Weg zu den großen Marken der Pharmabranche zu finden.

          „Wieder wettbewerbsfähig geworden“

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