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Branchen und Märkte (165): Banken : Am Abgrund

Dass viele Landesbanken eine Finanzkrise nicht überstehen würden, ist keine Überraschung. Die meisten hätten über ihre Aufgabe als regionale Zentralinstitute der Sparkassen hinaus kein Geschäftsmodell, warnen Fachleute schließlich seit Jahren. Vor dem Wegfall der staatlichen Haftungsgarantien im Juni 2005 hatten sich die Landesbanken noch günstig mit staatlich garantiertem Fremdkapital eingedeckt; da die meisten jedoch nur vergleichsweise wenig dauerhafte Kundenbeziehungen haben, in die sie das Geld hätten stecken können, landete es zum großen Teil am Kapitalmarkt.

Dieses vielerorts völlig überdimensionierte „Kreditersatzgeschäft“, wie die Banker die Finanzanlagen nennen, ist einigen nun zum Verhängnis geworden. Andere, wie die Landesbank Hessen-Thüringen, stehen dagegen gut da, auch weil sie durch die 2005 übernommene Frankfurter Sparkasse über Privatkundengeschäft verfügt.

Deutsche Bank 150

Das Privatkundengeschäft erfährt in der Finanzkrise eine Renaissance. Dies liegt vor allem an den Spargroschen der Privatkundschaft. Wer als Bank keine Einlagen hat und seinen Refinanzierungsbedarf ausschließlich am Kapitalmarkt aufnehmen muss, ist derzeit kaum überlebensfähig. Das ist der Grund, warum die reinen amerikanischen Investmentbanken am Ende sind.

Und das ist auch der Grund, warum die Deutsche Bank ihr Einlagengeschäft stärkt, indem sie sich mit der Postbank zusammentut. 2,8 Milliarden Euro zahlte die Deutsche Bank Anfang September für knapp 30 Prozent an der größten eigenständigen Privatkundenbank in Deutschland, die 14,7 Millionen Kunden hat, davon knapp 5 Millionen „aktive“. Nach der Übernahme der Postbank durch die Deutsche Bank entsteht ein Institut, das mit der heutigen Deutschen Bank stark im Kapitalmarktgeschäft ist und diese Position aufgrund der Schwäche der anderen in den nächsten Jahren wohl noch ausbauen kann. Darüber hinaus sollen künftig gehobenen Privatkunden (Deutsche Bank) und einfachen Privatkunden (Postbank) dieselben Fonds, Versicherungen und Immobilienfinanzierungen verkauft werden.

Während die Deutsche Bank ihr Privatkundengeschäft um eine neue Absatzklientel erweitert, ist die Übernahme der Dresdner Bank durch die Commerzbank vor allem darauf angelegt, Kosten einzusparen. Das kann gar nicht anders sein, schließlich sind sich beide Banken sehr ähnlich. Aber auch hier zeigt sich, dass Kostenvorteile im Privatkundengeschäft durch Filialschließungen und Entlassungen weniger stark gehoben werden sollen, als es zum Beispiel der Plan der schließlich im Jahr 2001 gescheiterten Fusion von Deutscher Bank und Dresdner Bank vorsah. Damals stand das Investmentbanking viel höher im Kurs. Jetzt will die Commerzbank trotz Übernahme erstmals sei den 60er Jahren 100 neue Filialen eröffnen, die Deutsche Bank 150.

Ausdruck des harten Tagesgeschäfts

Die Margen im Privatkunden- und mittleren Firmenkundengeschäft sind indes niedrig, nicht zuletzt auch, weil die Refinanzierungskosten im kurzfristigen Laufzeitenbereich hoch sind. Davon können 450 Sparkassen und 1100 Volks-und Raiffeisenbanken ein Lied singen, die als selbständige Banken vor Ort diese Felder seit Jahrzehnten unermüdlich beackern und auf Marktanteile von bis zu 60 Prozent (Sparkassen) und 25 Prozent (Volksbanken) kommen. Die niedrigen Margen werden in diesen kleinen Banken oft noch aufgefressen durch hohe Kosten für Informationstechnik und Aufsicht.

Deshalb ist der Fusionsdruck in beiden Bankengruppen auf Ortsebene groß. Bei den Volksbanken ist auffällig, dass sich oft mittelgroße Banken zu Instituten mit Bilanzsummen von mehr als 1 Milliarde Euro zusammenschließen, aber 75 Prozent aller Banken sehr klein bleiben mit Bilanzsummen deutlich unter 500 Millionen Euro. Der Fusionsdruck entsteht jedoch nicht durch die aktuelle Finanzkrise, sondern ist Ausdruck des harten Tagesgeschäfts.

Die großen Risiken der Verbünde liegen in den Zentralinstituten. Hier sind die Sparkassen mit den Landesbanken, allen voran mit der West LB, deutlich stärker betroffen als die Genossenschaftsbanken. Diese dürfen sogar auf eine Kostenlinderung im Tagesgeschäft hoffen, wenn im Jahr 2009 tatsächlich die Fusion von DZ und WGZ zum einzigen Zentralinstitut der Volks- und Raiffeisenbanken und zur drittgrößten deutschen Bank gelingt.

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