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Branchen und Märkte (154): Solarindustrie : Vorbei die goldenen Zeiten

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Die Solarindustrie steht vor einer Wende: Sinkende Fördersätze und billigeres Silizium werden Preise und Margen drücken. Die Anbieter müssen richtig kämpfen. Doch sie werden immer noch Margen erzielen, von denen andere Branchen nur träumen können.

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          Die deutschen Solarunternehmen haben im Paradies gelebt. Die Einspeisevergütungen sind üppig, die Gewinne hoch. Und es hat Käufer gegeben, die ihnen einfach alles aus den Händen rissen. Stetig steigende Preise für Öl, Gas oder Kohle und eine Klimaschutzpolitik, die den Ausbau erneuerbarer Energien vorantreibt, haben für ideale Rahmenbedingungen gesorgt.

          Doch das Jahr 2008 wird zumindest für den Teil der Branche, der Sonnenenergie in Strom umwandelt, die Wende einläuten. Zwar wird der Markt weiterhin schnell wachsen. Aber der Wettbewerb wird wesentlich härter. Ein wichtiges Datum ist der 1. Januar 2009, wenn die Einspeisevergütungen für den Solarstrom in Deutschland gesenkt werden. „Dann wird nicht mehr jedes Solarmodell automatisch einen Käufer finden. Entsprechend werden die Preise fallen“, sagt Matthias Fawer, Solarfachmann der Schweizer Bank Sarasin. 10 Prozent Preisverfall als Folge der Angebotsausweitung erwartet auch Frank Asbeck, Vorstandschef des Bonner Solarunternehmens Solarworld. Die will er aber intern mit einer Senkung der Kosten ausgleichen.

          Produktionsbremse und Preistreiber zugleich

          Im kommenden Jahr werden sich die Geschäftsbedingungen für die Solarbranche dann weiter verschärfen. Der Basisrohstoff Silizium, dessen Knappheit bislang Produktionsbremse und Preistreiber zugleich war, wird voraussichtlich in ausreichender Menge zur Verfügung stehen. Viele Zellhersteller haben ihre Kapazitäten bisher nicht voll auslasten können, weil Silizium fehlte. Die Folge waren hohe Siliziumpreise und traumhafte Margen für die Siliziumhersteller von etwa 50 Prozent, die natürlich Neueinsteiger in den Markt gelockt haben.

          Inzwischen sind aber rund 100 neue Siliziumproduktionsanlagen in Planung oder in Betrieb gegangen. Damit wird der Mangel vom kommenden Jahr an spürbar sinken. Niedrigere Preise für den Basisrohstoff werden zwar allen Zellherstellern zugute kommen, aber den aufstrebenden asiatischen Herstellern wohl mehr helfen als etwa dem deutschen Branchenprimus Q-Cells. Das Unternehmen hat seine Siliziumlieferungen mit Hilfe langfristiger Verträge abgesichert, während sich die Asiaten zur Zeit auf dem Spot-Markt teuer mit Silizium versorgen müssen. „Diese Verbesserung der Rohstoffbezugspreise versetzt die Q-Cells-Wettbewerber in die Lage, auf einen möglichen Angebotsüberhang an Solarzellen mit entsprechend kräftigen Preisnachlässen zu reagieren, ohne dass ihre Profitabilität darunter (stark) leiden müsste“, erwartet BHF-Bank-Analyst Götz Fischbeck.

          Der Angebotsüberhang kommt zustande, weil Deutschland als weltgrößter Nachfrager nach Solarzellen die Förderung gekürzt hat. Große Solarparks werden wohl nicht mehr gebaut werden. Stattdessen verlagert sich der Schwerpunkt in die sonnenreichen Länder wie Spanien, Italien, Griechenland oder Kalifornien. Jedoch steht in vielen Ländern ein Fragezeichen hinter den Förderbedingungen. „In Spanien wird über eine Deckelung für Solaranlagen diskutiert; auch in den Vereinigten Staaten wird erst nach der Präsidentenwahl Klarheit über die künftige Energiepolitik herrschen“, sagt Fawer. Vor allem auf Spanien hatten deutsche Unternehmen als Abnehmerland gesetzt.

          Förderdiskussion macht nervös

          Wie stark einige Unternehmen der Solarbranche von den Förderbedingungen in einem Land abhängen, zeigt das Beispiel Solon. Schon die Diskussion über die Subventionskürzung in Spanien hat gereicht, dass die Investmentbanken Lehman Brothers und UBS das Kursziel des Berliner Unternehmens, das Solarmodule und Photovoltaik-Komplettsysteme baut, um etwa 20 Euro gesenkt haben. Solon sei in hohem Maße vom spanischen Markt abhängig und erziele dort schätzungsweise 40 bis 45 Prozent seines Umsatzes und 60 Prozent des Ergebnisses vor Zinsen und Steuern. Es werde damit gerechnet, dass Solons Spanien-Geschäft im kommenden Jahr vermutlich um mindestens 50 Prozent zurückgehen werde, urteilt Analyst Patrick Hummel von der UBS. Das Wachstum in Italien und Griechenland könne diesen Ausfall nicht ausgleichen. Einen Verfall der Margen hat auch Rupesh Madlani von Lehman Brothers zur Herabstufung der Aktie veranlasst. Solon bemühe sich zwar um eine vertikale Integration, also mehr Nähe zum Endkunden. Langfristige Entscheidungen könnten aber die Margen kurzfristig nicht schützen, urteilt der Analyst.

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