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Branchen und Märkte (149): Mobilfunk : Eine Million Neukunden in 60 Stunden

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Der Preisverfall im Sprachgeschäft setzt der Mobilfunkbranche zu. Jetzt hoffen die Unternehmen auf viele Neukunden in den Schwellenländern - und auf mobile Datendienste. Insgesamt hat die Branche bereits die Hälfte der Menschheit mit Handys versorgt.

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          Die Gegensätze könnten kaum größer sein: Auf der einen Seite gehen in Indien und China wie selbstverständlich jeden Tag Hunderttausende von Mobiltelefonen über die Ladentheke; eine Tatsache, an die man sich inzwischen gewöhnt hat. Auf der anderen Seite schafft es Apple mit dem iPhone - das nicht mal Bruchteile dieses Absatzes erzielt -, die ganze Branche in Aufruhr zu versetzen. Zusammengenommen dauert es in Indien und China derzeit knapp 60 Stunden, bis eine Million neue Kunden bei den Mobilfunkanbietern unterschrieben haben. Vom iPhone hingegen sind im ersten Quartal des Jahres gerade einmal 1,7 Millionen Stück verkauft worden - und es wird dennoch als Erfolg und Hoffnungsträger für die Branche gefeiert.

          Der internationale Mobilfunkmarkt ist im Umbruch. Er sortiert sich neu. Die Plätze in der Wertschöpfungskette werden neu verteilt. Zudem ist das Fusionsfieber wieder ausgebrochen. Die gebotenen Beträge gehen in die Dimension zweistelliger Milliarden-Summen, und der Markt für diese Zusammenschlüsse ist international geworden. Die indische Bharti Airtel versuchte die Mehrheit an der MNT aus Südafrika zu übernehmen. Kosten für den Anteil: mehr als 20 Milliarden Dollar. Vodafone ist mit 67 Prozent bei der indischen Hutchison Essar eingestiegen. Die Kosten hier: 11 Milliarden Dollar. Die jüngste Transaktion gab es in den Vereinigten Staaten: Verizon Wireless will Alltel für gut 28 Milliarden Dollar kaufen. Geradezu klein ist die Akquisition der japanischen NTT Docomo, die sich vor wenigen Tagen für 350 Millionen Dollar 30 Prozent an der TM International in Bangladesch sicherte. Das Geld sitzt wieder lockerer, und die Hoffnung auf Mengeneffekte treibt die Unternehmen.

          Lust auf Fusionen und Übernahmen

          So hat auch die Deutsche Telekom in den vergangenen Jahren mit der OTE in Griechenland, Telering in Österreich und Ben in den Niederlanden Milliarden von Euro in Zukäufe investiert - und muss jetzt angesichts der Spitzelaffäre dennoch zusehen, wie France Télécom für die schwedisch-finnische Telia Sonera bietet: Mindestens 32 Milliarden Euro werden für diese Übernahme schon geboten. Am Ende wird es in diesem und vielen anderen Fällen wahrscheinlich zu einem Bieterkampf kommen - und dadurch entsprechend teurer.

          Der Grund für die wieder erwachte Lust auf Fusionen und Übernahmen erklärt sich aus der Struktur der jeweiligen Märkte. Für France Télécom ist Telia Sonera vor allem wegen der Mobilfunkbeteiligungen in Osteuropa interessant. Auch in Afghanistan und in benachbarten Ländern ist das skandinavische Unternehmen mit Mobilfunkbeteiligungen vertreten. Diese Märkte gelten als einer der künftigen Wachstumstreiber. Die Länder werden sich - so hoffen die Bieter für Telia Sonera - ähnlich entwickeln wie China oder Indien.

          Festnetzaufbau zu teuer

          Mobilfunk ist gerade in diesen Regionen so stark, da es kein funktionierendes Festnetz gibt und eine Infrastruktur nur sehr teuer errichtet werden kann. Daher wird die Kommunikation allein über die Mobilfunknetze abgewickelt. Das gilt nicht nur für die Sprachübertragung. Auch der breitbandige Zugang zum Internet wird über die drahtlosen Netze geregelt werden. Das gilt zum Beispiel für viele Länder auf dem afrikanischen Kontinent. Mit der Expansion in diese Märkte wollen die Mobilfunkanbieter an dem Wachstumspotential in diesen Ländern, das derzeit in erster Linie durch das Neukundengeschäft getrieben wird, teilhaben. Auf den Ersatz des Festnetzes durch den Mobilfunk spekulieren auch die Ausrüster und wollen attraktive Übertragungsgeschwindigkeiten bereitstellen. Entsprechend experimentieren sie schon mit Datenraten jenseits der 100 Megabit je Sekunde. Solche Raten könnten auch mit den künftigen Geschwindigkeiten im Festnetz mithalten. Dort kommt der DSL-Standardanschluss auf etwa 2 Megabit in der Sekunde - Tendenz steigend.

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