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Branchen und Märkte (148): Halbleiterindustrie : Das Innovationsrennen

Bild: F.A.Z.

Die großen Hersteller müssen immer schneller in neue Produkte investieren. Das verschlingt Milliarden und zwingt zu Bündnissen. Dennoch sind die Zukunftsaussichten nicht schlecht, denn die Digitalisierung und Elektronisierung von Daten sorgt für Nachfrage.

          Intel verbucht Rekordgewinne, AMD steckt tief im Minus. Samsung investiert Milliarden von Euro, Qimonda tritt in seinen Werken auf die Kostenbremse. Hewlett-Packard arbeitet mit Millionenaufwand an neuartigen Chips, Infineon taumelt von einer Krise in die nächste. Die Halbleiterindustrie steht unter Hochspannung - und die dürfte angesichts gedämpfter Prognosen, harter Preiskämpfe und eines unveränderten Konsolidierungsbedarfs noch zunehmen.

          Stephan Finsterbusch

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Gerade hat die World Semiconductor Trade Statistics (WSTS) ihre ursprünglich überaus optimistische Wachstumsprognose für die Industrie halbiert. Auch die Semiconductor Industry Association (SIA) schraubte die Erwartungen zurück. Richhard Gordner vom Analystenhaus Gartner war mit seinen Vorhersagen hingegen noch zu Beginn des Jahres sehr vorsichtig. Nun zeigt er sich etwas zuversichtlicher als die Kollegen und korrigierte seine Prognose leicht nach oben. Er rechnet damit, dass der Branchenumsatz in diesem Jahr um 5 Prozent auf 286 Milliarden Dollar steigt.

          Nachfrage bleibt hoch

          Allein im April betrug der Gesamterlös der Halbleiterhersteller 21,1 Milliarden Dollar. Das waren 6 Prozent mehr als zur gleichen Zeit des Vorjahres. Nach Angaben der Consumer Electronics Association laufe der Verkauf von Produkten der Konsumelektronik gut. In diesem Jahr wird mit dem Absatz von mehr als 100 Millionen flachen TV-Geräten, knapp 300 Millionen Heim-Computern und mehr als einer Milliarde Mobiltelefone gerechnet. Die Digitalisierung und Elektronisierung von Daten werde die Nachfrage nach Chips hochhalten, erklärte George Scalise, Präsident der SIA.

          So haben nach Einschätzung der Marktbeobachter von Gartner die derzeitigen Schwierigkeiten vieler Halbleiterhersteller nichts mit den gern und oft propagierten Schwächen auf der Nachfrageseite zu tun. Vielmehr seien sie oft hausgemachter Natur. „Auf den Massenmärkten werden nur die Großen überleben“, schreibt Christoph Partisch in seiner Branchenanalyse für die Dresdner Bank. Für Oshiharu Izumi von JP Morgan steht die Industrie vor tiefgreifenden Veränderungen.

          Fusionen und Übernahmen

          Philips hat das Chipgeschäft an Finanzinvestoren verkauft und hält nur noch einen kleinen Anteil an der neugegründeten NXP. Auch Motorola lagerte seine Sparte in Freescale Semicon aus und forcierte den Einstieg privater Kapitalgeber. Nun ist die Branche vor allem durch neue Kooperationen wie der zwischen Toshiba und Sony, Intel und Micron, Qimonda und Elpida geprägt. AMD und Fujitsu schlossen wichtige Teile ihrer Geschäfte in der Spansion Inc. zusammen. Mitsubishi und Hitachi setzen im Chipgeschäft seit Jahren auf ihr Gemeinschaftsunternehmen Renesa Technology.

          Die Unternehmen könnten nun einen Schritt weitergehen, indem sie Zukäufe, Übernahmen und Fusionen ansteuern und sich in der kapitalintensiven Branche wettbewerbsentscheidende Größenvorteile verschaffen. Nach einer gemeinsamen Erhebung der Wirtschaftsprüfer von KPMG und des Verbandes SIA gehen heute mehr als zwei Drittel der Manager in der Chipindustrie davon aus, dass in den kommenden fünf Jahren die Zahl der Fusionen und Übernahmen zulegen wird.

          Hohe Kundenansprüche

          Zwar halten sich die Firmen noch zurück. Doch die Bündelung der Kräfte scheint geboten. Denn der Bau einer Chipfabrik kostet mindestens 2 Milliarden Euro. Vor zehn Jahren lag der Preis nur halb so hoch. Gründe für die Steigerung sind die höheren Ansprüche der Kunden. Sie wollen immer kleinere, leistungsfähigere und billigere Steuerbausteine in ihren Geräten haben. Das Vordringen der Hersteller von Halbleitern in Größenordnungen, die tausendmal feiner sind als ein menschliches Haar, wird immer aufwendiger.

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