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Branchen (132): Zeitarbeit : Drohender Rückfall

Zahl der Zeitarbeiter steigt weiter rasant an

Seit 2003 hat sich die Zahl der Zeitarbeiter verdoppelt. Zuletzt registrierte die Bundesagentur für Arbeit im Juni vergangenen Jahres 730.000 Arbeitnehmer. Deren Anteil an allen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten betrug damit 2,4 Prozent, was eine Verdopplung innerhalb von drei Jahren bedeutet. Doch sehen Beobachter noch Potential für weiteres Wachstum. Schließlich erreicht der Anteil in Großbritannien mehr als 5 Prozent. Lünendonk erwartet für dieses Jahr wieder ein Plus im zweistelligen Prozentbereich. Überdurchschnittlich hoch ist die Zahl der Anbieter.

Sie nahm seit 1997 um 138 Prozent auf 21.000 zu. Darunter sind viele kleine, lokale Anbieter, die Zeitarbeit mitunter nur im Nebengeschäft ausüben. Doch ist auch die Gruppe der hauptgewerblichen Unternehmen noch wesentlich größer als in vergleichbaren europäischen Ländern, wie aus Daten des europäischen Dachverbandes Ciett hervorgeht. In Frankreich ist die Zahl der Marktteilnehmer zum Beispiel nur ein Drittel so groß. Nur in Großbritannien sind es noch mehr. Das heißt, der deutsche Markt ist trotz der Konsolidierung an der Spitze noch stark fragmentiert.

Berlin redet ein Wort mit

Das Schicksal des Zeitarbeitsmarktes mit seinen eigentlich guten Perspektiven wird aber auch ein gutes Stück weit durch die Politik bestimmt. Denn die rasante Entwicklung hat auch Kritiker auf den Plan gerufen, allen voran den Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) und seine Mitgliedsorganisationen. Die Arbeitnehmervertreter haben einst den Plänen des ehemaligen Bundeswirtschafts- und -arbeitsministers Wolfgang Clement (SPD), der heute in Diensten von Adecco steht, zur Deregulierung zugestimmt, was sie heute bereuen. Clement überzeugte die Gewerkschafter wegen hoher Arbeitslosenzahlen von der Bedeutung der Zeitarbeit als Einstiegschance für Geringqualifizierte und erreichte, dass diese einer Aufweichung der Prinzipien von Gleichbezahlung und Gleichbehandlung zustimmten.

Ersteres besagt, dass ein Zeitarbeitsunternehmen dem Mitarbeiter denselben Lohn zahlen muss wie dem Personal des Unternehmens, an das er verliehen wird. Die Gleichbehandlung sichert dem Leiharbeiter dieselben Arbeitsbedingungen zu. Die Novelle des Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes im Jahr 2004 ermöglichte es, von diesen Grundsätzen abweichende Regelungen in Tarifverträgen zu treffen. Die Unternehmen machten von dieser Ausstiegsklausel begeistert Gebrauch, was zu einer Tarifbindung der Branche von 95 Prozent geführt hat.

„Den Jobmotor bloß nicht abwürgen“

Doch nicht für alle gilt das von den DGB-Gewerkschaften mit zwei Arbeitgeberverbänden ausgehandelte Tarifwerk. Durch den Vertrag der Christlichen Gewerkschaften und eines dritten Arbeitgeberverbands kommt es in der Zeitarbeit zu einer Tarifkonkurrenz. Während der DGB-Vertrag Einstiegslöhne von 7,15 Euro in West- und 6,22 Euro in Ostdeutschland vorsieht, sind es im anderen Fall 7 Euro beziehungsweise 5,77 Euro. Dies bezeichnet der DGB als „Dumpinglöhne“ und fordert daher, den von ihm mit seinen Tarifpartnern abgeschlossenen Mindestlohntarifvertrag für allgemeinverbindlich zu erklären, der Lohnuntergrenzen von 7,31 Euro und 6,36 Euro vorsieht.

Ein entsprechender Antrag liegt dem Bundesarbeitsministerium seit 2006 vor. In den kommenden Wochen will der DGB den Druck erhöhen. Am liebsten wäre dem Dachverband jedoch die Wiedereinführung der alternativlosen Gleichbezahlungsregelung. Eine Idee, die auch auf Zustimmung des europäischen Sozialkommissars Vladimír Spidla stößt. Doch dagegen laufen die Arbeitgeber geschlossen Sturm. „Man darf den Jobmotor jetzt nicht abwürgen“, warnt stellvertretend Thomas Reitz, Geschäftsführer von Manpower Deutschland, den Gesetzgeber vor einem Rückfall in Zeiten der Überregulierung.

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