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Branchen (125): Unterhaltungselektronik : Schluss mit geizig

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Unterhaltungselektronik ist gefragt wie nie. Flache Fernseher oder Navigationsgeräte verkaufen sich bestens. Die Branche leidet aber unter dem Preisverfall. Dennoch blickt sie optimistisch in die Zukunft und setzte auf das Qualitätsbewusstsein der Verbraucher.

          Während in Las Vegas im Rahmen der Consumer Electronic Show in den kommenden Tagen die Neuheiten der Unterhaltungselektronik für das Jahr 2008 gezeigt werden, blickt die Branche in Deutschland zurück auf ein durchaus gelungenes Weihnachtsgeschäft und ein gutes Jahr 2007. Der Slogan „Geiz ist geil“ hat für die Anbieter hierzulande ausgedient. Nicht umsonst hat der Elektronik-Discounter Saturn die Kampagne vom Markt genommen.

          Die Verbraucher gönnen sich wieder etwas. Die Kauflaune steigt. Das jedenfalls bekommen die Hersteller der klassischen Unterhaltungselektronik zu spüren. Vor allem im Weihnachtsgeschäft waren deren Produkte sehr gefragt. Allen voran die flachen Fernseher, deren Absatz trotz des erreichten hohen Niveaus immer weiter zulegen können. Aber auch MP3-Spieler oder Navigationssysteme sind der Renner der Saison. Entsprechend optimistisch zeigt sich die Branche, die in Deutschland in der Gesellschaft für Unterhaltungselektronik (GfU) organisiert ist.

          Umsatzplus im vergangenen Jahr

          Ein Umsatzplus von 4,3 Prozent auf etwa 14 Milliarden Euro soll im vergangenen Jahr erreicht worden sein, so die jüngsten Schätzungen der GfU. Allein in den ersten neun Monaten des Jahres hatte der Branchenverband gemeinsam mit den Marktforschern der GFK in Nürnberg ein Umsatzplus von 4,7 Prozent auf 9,3 Milliarden Euro ermittelt. Da Rabattaktionen im entscheidenden Weihnachtsgeschäft aber an der Tagesordnung standen, verringerte sich der Zuwachs insgesamt etwas bis zum Jahresende.

          Aber schon an den Zahlen für die ersten neun Monate lässt sich ablesen, wie sich die Branche entwickelt. So zeigt sich bei den Fernsehern deutlich, dass noch kein Ende der starken Nachfrage in Sicht ist. Obwohl das Jahr 2006 auf Grund der Vorzieheffekte durch die Mehrwertsteuererhöhung und einer Sonderkonjunktur zur Fußball-Weltmeisterschaft schon Rekordmarken aufgestellt hatte, legte der Verkauf von Fernsehern in den gerade abgelaufenen 12 Monaten abermals zu. Das soll noch eine Weile so weitergehen. Der Grund für diesen Optimismus: Bisher sind erst 20 Prozent der ehemals rund 40 Millionen Röhrenfernseher in den deutschen Haushalten durch flache Bildschirme ersetzt worden. „Wir haben rund 80 Prozent des Marktes noch vor uns“, sagt Frank Bolten, der das Deutschland-Geschäft des japanischen Herstellers Sharp leitet. So dürften allein schon die Fußball-Europameisterschaft und die Olympischen Spiele im Sommer für einen abermaligen Absatzschub sorgen.

          Höhere Qualität, gleicher Preis

          Dabei macht den Anbietern Freude, dass der Durchschnittspreis der Geräte mit rund 760 Euro weiter auf einem hohen Niveau verharrt. Dies sei ein Indiz dafür, dass viele Kunden die Preissenkungen nicht für eine Verringerung ihrer Ausgaben nutzten. Vielmehr kauften sie höhere Qualität für den gleichen Preis.

          Für Rainer Hecker, den Aufsichtsratsvorsitzenden der GfU und Vorstandsvorsitzenden von Loewe, teilt sich die Kundschaft derzeit in zwei Lager. „Die Leute kaufen auf der einen Seite eher teurere Geräte, da sie erkannt haben, dass ihnen Marke und Qualität auch eine gewisse Wertbeständigkeit sichern“, sagt er. „Auf der anderen Seite entscheiden sich die Kunden für einfache Geräte, bei denen nur der niedrigste Preis zählt.“ Fast verschwunden sei hingegen das mittlere Preissegment, in dem die Hersteller früher einen guten Teil ihres Umsatzes machen konnten. Hecker sieht in diesem Trend zu höherwertigen Produkten eine neue Chance für den seit Jahren gebeutelten Fachhandel. Denn die Kundengruppe, die sich für die teureren Geräte entscheide, stelle bei Beratung und Service höhere Ansprüche - und sei bereit, dafür etwas mehr zu zahlen.

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