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Branchen (121): Rüstung : Hoflieferanten werden zu Wettbewerbern

Bild: F.A.Z.

Der Kostendruck auf die öffentlichen Haushalte hat bei den Militärs und ihren industriellen Geschäftspartnern einen radikalen Strukturwandel ausgelöst. Inländische Hoflieferanten können nur noch in Form von Konsortien mit anderen Firmen im Wettbewerb bestehen.

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          Geht es nach dem Plan von BAE Systems, dürfte der „Eurofighter“ nach flauem Start doch noch ein internationaler Verkaufsrenner werden. Der britische Rüstungshersteller, der an Entwicklung und Bau des europäischen Kampfjets beteiligt ist, verkündete kürzlich auf der internationalen Luftfahrtmesse in Dubai, dass gegenwärtig mit Einkäufern aus zehn Ländern über Lieferungen verhandelt werde. Dabei ist nach den Angaben des BAE-Projektmanagers Simon Keith das Gros der Interessenten bei den Streitkräften im Nahen Osten zu finden.

          Ulrich Friese

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Den jüngsten Nachfrageschub beim „Eurofighter“ löste BAE Systems zur Jahresmitte aus. Denn Europas größter Rüstungshersteller handelte - mit dem Segen der beteiligten Regierungen - einen langfristigen Liefervertrag für die Luftwaffe Saudi-Arabiens aus, der „Signalwirkung“ bei den verbündeten Nachbarn hat und damit zu ähnlichen Vorhaben in der Region führen dürfte. BAE Systems sagte zu, den Wüstenstaat mit 72 „Eurofightern“ auszurüsten. Inzwischen ist bei den Militärs in Riad sogar von einer Aufstockung um weitere 24 Maschinen die Rede. Einschließlich der üblichen Zusatzleistungen wie Bewaffnung, Wartung oder Schulung von Piloten und Personal dürfte der Auftragswert über die gesamte Vertragsdauer bis zu 20 Milliarden Euro erreichen, schätzen Fachleute.

          Ein strategischer Durchbruch

          Nicht nur vom Volumen her, sondern auch aus strategischer Sicht wird dieser Zuschlag vom Eurofighter-Konsortium als geschäftlicher Durchbruch gefeiert - jener industriellen Partnerschaft, in der neben BAE Systems auch der deutsch-französische EADS-Konzern sowie Italiens Rüstungshersteller Finmeccanica vertreten sind. Zum Kauf des europäischen Prestige-Fliegers, der einst zu Zeiten des „Kalten Krieges“ konzipiert wurde und bis heute wegen seiner Kostensteigerungen in die Schlagzeilen gerät, waren anfangs nur die beteiligten Partnerländer bereit: Die Streitkräfte von Deutschland, Großbritannien, Italien und Spanien wollen bisher insgesamt 620 Maschinen in drei Tranchen abnehmen. Kurz danach folgte die Bestellung von 15 Jets aus Österreich - ein Vorgang, der auch in Wien zu heftigen politischen Kontroversen geführt hat.

          Vor diesem Hintergrund wirkt der Coup der Briten in Saudi-Arabien wie ein Befreiungsschlag. Nachdem der Hersteller aus dem englischen Farnborough seinen Erfolg in Riad verkündete, wurde Rumäniens Interesse an 48 Fliegern publik. Geht der „Eurofighter“ dort bei einem internen Kosten- und Leistungsvergleich mit den Rivalen „F 16“ (Nordamerika) und „Saab Gripen“ (Schweden) als Sieger hervor, ist mit dem Auftrag im Volumen von 4 Milliarden Euro wohl noch 2008 zu rechnen. Ähnliche Anfragen liegen inzwischen auch aus der Türkei, Griechenland, Dänemark und Norwegen vor. Gleichzeitig hoffen die europäischen Hersteller auf einen kräftigen Auftragsschub aus Asien. Während Indien seine Luftwaffe mit 126 „Eurofightern“ bestücken und dazu auch Teile von Montage und Wartung ins eigene Land ziehen will, sollen in Japan binnen fünf Jahren die 50 Jets amerikanischer Bauart vorzugsweise durch europäische Pendants ersetzt werden.

          Amerika zieht nach

          Lange werden die Flugzeughersteller aus Übersee der Konkurrenz in Europa das lukrative Geschäft nicht überlassen. Die künftige Alternative zum „Eurofighter“ heißt „Joint Strike Fighter“ (JSF) und absolviert bereits seit Monaten Testflüge. Der „JSF“ ist mit einem Budget von rund 204 Milliarden Euro das bislang teuerste Rüstungsprojekt der Erde. Aus Kostengründen ist der neuartige Mehrzweckjet auf eine Nutzungsdauer von 40 Jahren ausgelegt und kann - durch den Einbau von Modulen und elektronischen Komponenten - an den spezifischen Bedarf von Heer, Luftwaffe oder Marine angepasst werden.

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