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BP-Energiebericht : Erneuerbare Energien wachsen wie nie

  • -Aktualisiert am

Ein Windrad im Sonnenuntergang Bild: dpa

2014 war ein turbulentes Jahr auf dem Energiemarkt. Die Vereinigten Staaten sind zum größten Ölproduzent der Welt geworden. Wie geht es weiter? Drei Trends in der Energiewirtschaft.

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          Die Nutzung erneuerbarer Energien ist im vergangenen Jahr nach Angaben des Rohstoffriesen BP so stark wie noch nie gestiegen. Obwohl die Erneuerbaren inzwischen für ein Drittel des Gesamtzuwachses am weltweiten Energiemix zuständig seien, betrage ihr Anteil aber weiter nur drei Prozent an der Primärenergie, heißt es im neuesten Welt-Energiebericht des britischen Öl- und Gaskonzerns, der am Mittwoch in London vorgestellt wurde.

          Unter Primärenergie versteht man in der Natur vorkommende Energiequellen wie Kohle oder Erdöl, davon unterschieden wird die Endenergie in Form von Strom oder Benzin für den Verbraucher. Für die Energiegewinnung selbst werden laut der BP-Analyse immerhin schon sechs Prozent Erneuerbare eingesetzt. Die Bedeutung der klimaschädlichen Kohle sei hingegen zurückgegangen, betrage aber immer noch 30 Prozent am Energiemix, hieß es. Die Kohleproduktion sei weltweit um 0,7 Prozent zurückgegangen, in China sogar um fast drei Prozent. Damit sei die Kohle weltweit der einzige Energieträger, der schrumpfe.

          Die G-7-Länder hatten sich bei ihrem Gipfel am vergangenen Wochenende im bayerischen Elmau im Kampf gegen den Klimawandel zum langfristigen Ausstieg aus fossilen Energieträgern verpflichtet. Schon 2050 soll demnach eine deutliche Verringerung geschafft sein.

          Turbulentes Jahr 2014

          Insgesamt sei 2014 für den Energiemarkt ein turbulentes Jahr gewesen, sagte BP-Chefvolkswirt Spencer Dale bei der Präsentation der Zahlen. Nicht nur der stark gefallene Ölpreis sei dafür ein Zeichen gewesen. Insgesamt hätten drei große Entwicklungen das Jahr geprägt.

          Zunächst sei da die fortschreitende Fracking-Revolution in den Vereinigten Staaten. Die Ölproduktion habe 2014 dort erstmals den bisherigen Spitzenwert aus den Siebziger Jahren übertroffen. Insgesamt hätten die Vereinigten Staaten das erste Mal seit 1975 Saudi-Arabien beziehungsweise Russland als größter Ölproduzent überholt. „Wir sind Zeuge einer dramatischen Machtverschiebung unter den Energielieferanten der Welt“, sagte Dale. Durch das Fracking seien die Vereinigten Staaten zudem nicht mehr der größte Ölimporteur der Welt. „Diese dubiose Auszeichnung geht nun an China“.

          Chinas Wirtschaft ist auch für die zweite Veränderung auf dem Energiemarkt 2014 verantwortlich. Wegen des geringeren Wachstums des Landes habe sich auch die Nachfrage der Industrie nach Energie verringert. „Das Wachstum in einigen der energieintensiven Branchen wie Stahl, Eisen oder Zement - Branche, die geboomt haben während Chinas rapider Industrialisierung - sind 2014 buchstäblich kollabiert“, sagte Dale. Allerdings bedeute diese Veränderung nicht zwingend eine grundsätzliche Trendwende in Chinas Entwicklung.

          Klima- und Umweltschutz bleibt wichtig

          Als dritten Trend nannte Dale den weiterhin bestehenden Fokus auf den Klima- und Umweltschutz. Nicht nur der G-7-Gipfel habe gezeigt, wie wichtig das Thema Energiewende mittlerweile auf der politischen Agenda sei. Dies habe auch Folgen für die Reserven der fossilen Brennstoffe. Die Öl- und Gasreserven etwa hätten sich seit 1980, dem Beginn der Aufzeichnung dieser Daten, verdoppelt. „Die Sache ist mittlerweile die, dass nicht mehr die Frage ist, ob uns die fossilen Brennstoffe ausgehen, sondern vielmehr wie wir sie effizient und nachhaltig einsetzen können“. In diesem Zusammenhang sei es wichtig zu bedenken, dass immer noch mehr als eine Milliarde Menschen keinen Zugang zu Elektrizität hätten.

          Diese drei Entwicklungen führten laut Dale dazu, dass 2014 das Wachstum der Energienachfrage insgesamt überraschend schwach gewesen sei, so schwach wie zuletzt Ende der Neunziger Jahre. Die Produktion hingegen sei deutlich gestiegen, was die fallenden Energiepreise erkläre. „Das Gute an dieser Entwicklung ist, dass sie uns zeigt, dass auf dem Energiemarkt die Preise noch funktionieren“, sagte BP-Vorstandsvorsitzender Bob Dudley. Mit diesem Marktmechanismus erklärte er sich auch die Reaktionen der Opec auf den fallenden Ölpreis. „Warum sollte jemand, der die billigsten Produktionsbedingungen hat, die teurer produzierende Konkurrenz subventionieren, indem er die Preise künstlich hoch hält?“

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