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Nach dem Botschafter-Streit : Betriebe sehen Türkei-Geschäft mit Sorge

Sorgt für Unruhe in der deutschen Wirtschaft: Der türkische Staatspräsident Tayyip Erdogan. Bild: Reuters

Noch brummt das Geschäft deutscher Unternehmer mit der Türkei. Doch zwei Themen machen den Managern besonders große Sorgen.

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          Offiziell ist der Botschafterstreit zwischen der Türkei und westlichen Ländern um die Kritik an der Inhaftierung des Philan­thropen Osman Kavala beigelegt. Von der Ausweisung von zehn Botschaftern, unter anderem Deutschlands und Amerikas, ist keine Rede mehr, seit diese getwittert hatten, sie hielten sich an diplomatische Regeln. Daraufhin stabilisierte sich als Erstes der zu Wochenbeginn eingebrochene Wert der türkischen Lira. Mit Kursen um 9,46 Lira je Dollar und 10,99 Lira je Euro wurde wieder das Niveau vor Ausbruch der jüngsten diplomatischen Krise erreicht.

          Andreas Mihm
          Wirtschaftskorrespondent für Österreich, Ostmittel-, Südosteuropa und die Türkei mit Sitz in Wien.

          An den grundlegenden Problemen hat sich allerdings nicht geändert, sie wurden durch die jüngsten, wohl innenpolitisch begründeten Interventionen von Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan nur noch einmal besonders stark ausgeleuchtet. Ein Beleg dafür findet sich in bisher unveröffentlichten Ergebnissen einer aktuellen Befragung deutscher Unternehmen in der Türkei. Nach Zahlen aus dem „World Business Outlook Herbst 2021“ des Deutschen Industrie- und Handelskammertags sehen 73 Prozent der deutschen Unternehmen in der Türkei den Wechselkurs als eines der größten Geschäftsrisiken für die kommenden zwölf Monate. An zweiter Stelle kommen mit 62 Prozent der Nennungen die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen bei dem mit der EU wirtschaftlich eng verflochtenen Handelspartner.

          Wichtigster Exportmarkt

          Für Deutschland stand die Türkei 2020 auf Rang 17 bei den Importen und auf Rang 16 bei den Exporten. Aus Sicht der Türkei ist Deutschland der wichtigste Adressat für Exporte und der drittgrößte Lieferant. In der Türkei beschäftigen etwa 7500 deutsche Unternehmen 150.000 Mitarbeiter. Ungeachtet aller Beschwernisse zog das Geschäft im vergangenen Jahr wie auch in diesem Jahr an: Von Januar bis August 2021 nahmen die deutschen Exporte in die Türkei um 9,0 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum zu.

          Die Importe verzeichneten sogar ein Wachstum von 20,3 Prozent – worin sich auch der Preisvorteil der türkischen Exporteure durch die starke Abwertung der Lira von 20 Prozent allein in diesem Jahr widerspiegeln dürfte. Allerdings verteuert die Abwertung auch die Einfuhrrechnung der von Energierohstoffen abhängigen Türkei.

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