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Tiefer Fall einer Tennislegende : Wie Boris Becker 41,8 Millionen Franken Schulden anhäufte

Fast 42 Millionen Franken an Schulden: Wie konnte es so weit kommen? Bild: dpa

Boris Becker droht in seinen Schulden zu versinken. Ein Unternehmer fordert über 40 Millionen Franken zurück. Nun zeigt ein Schweizer Urteil, wie der Tennisstar innerhalb von 13 Jahren immer tiefer in die Krise rutschte.

          Im Fall um die hohen Schulden des ehemaligen Tennisstars Boris Becker und das für ihn in London bevorstehende Insolvenzverfahren rückt sein möglicherweise größter Gläubiger in den Mittelpunkt. Der Schweizer Geschäftsmann Hans-Dieter Cleven, einst Beckers Mentor, hatte den einstigen Sportstar verklagt. In dem jüngsten Entscheid des Schweizer Kantonsgerichtes in Zug, das dieser Zeitung vorliegt, beziffert der Richter die enorme Schuld von mehr als 40 Millionen Franken bis auf den letzten Rappen. „Es ist unbestritten, dass der Kläger dem Beklagten ab 2001 diverse Darlehen gewährte und sich die Darlehensschuld des Beklagten auf CHF 41’774’236.65 per 31. Dezember 2014 beläuft (...).“

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Summe hat sich laut den Ausführungen des Kantonsgerichts über viele Jahre nach und nach angehäuft. Ein erster Darlehnsvertrag zwischen Cleven und Becker stammt vom 13. Dezember 2001 – über 2,5 Millionen Mark. Festgelegt wurde ein Zinssatz von 5 Prozent im Jahr. So geht es immer weiter. Im Juni 2002 wird der Kreditrahmen inklusive Zinsen auf rund 6,1 Millionen Euro, Ende 2004 auf knapp 9 Millionen und dann auf rund 13 Millionen (2005), 16 Millionen (2006) und dann mehr als 18 Millionen Euro erweitert. Ende 2008 betrug der Kreditrahmen fast 21 Millionen Euro. Für die Schulden in unterschiedlicher Währung wurden verschiedene Zinssätze vereinbart: 3,5 Prozent für Schweizer Franken, 5 Prozent auf Euro und 4 Prozent für Dollar.

          Von beiden Parteien existieren unterzeichnete Übersichten der Schulden. Am 31. Dezember 2008 kam es laut Urteil zu folgender Abmachung: „Die Tilgung erfolgt einerseits aus der Veräußerung von Vermögenswerten und dem Eingang von Forderungen, jeweils in voller Höhe, und andererseits durch den Überschuss zwischen Einnahmen und Dividenden von BB bei der BBGmbH.“ In der in Genf eingetragenen Boris Becker GmbH sind der ehemalige Sportstar und Cleven immer noch als Gesellschafter verbunden. Es ging um die Vermarktung von Lizenzen und Werbeleistungen bezüglich Becker. Weshalb Cleven immer wieder den Kreditrahmen trotz offensichtlich vager Tilgungsabsichten und sich abzeichnender Finanzierungsprobleme Beckers erweiterte, wird nicht klar. Offenbar spielte die persönliche Verbundenheit eine Rolle. Cleven sagt dazu nichts. Der gebürtige Würzburger gehört zu den sehr vermögenden Menschen in der Schweiz und war einst enger Vertrauter des verstorbenen Metro-Konzerngründers Otto Beisheim.

          Der Kreditrahmen wuchs immer weiter an

          Nach mehreren weiteren Schritten wuchs der Kreditrahmen Ende 2013 auf fast 40 Millionen Franken an. Auf einen neuen Tilgungsvorschlag antwortet Becker erst nicht. Dann verständigen sich beide Parteien Anfang Dezember 2014 auf eine ratenweise Rückzahlung, doch schon im Januar 2015 stellt Cleven laut Urteil fest, dass die erste Rate über 750.000 Franken nicht bezahlt worden ist. Die letzte von Becker mit Unterschrift genehmigte Schuldenübersicht beträgt da laut Richter fast 41,8 Millionen Franken. Im September 2015 reicht Cleven Klage ein. Diese wurde nun allerdings aus formellen Gründen abgewiesen. Aber nicht, weil die Schuldenhöhe strittig ist. Es geht um die Zuständigkeit des Gerichts, die Fälligkeit der Rückzahlungspflicht und die geschuldete Währung. Die Summe hat Cleven im bevorstehenden Insolvenzverfahren in London reklamiert.

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          Im Gegensatz zu Deutschland mit Fristen von drei bis sechs Jahren könnte Becker hier innerhalb von zwölf Monaten einen Schlussstrich unters Verfahren ziehen. Laut englischem Recht gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder 75 Prozent der Gläubiger stimmen einem Verzicht der Forderungen zu, dann wird ein kleiner Rest unter ihnen verteilt. Wenn nicht, kommt es zum Regelverfahren. Besitz und Vermögen Beckers werden veräußert, das erzielte Geld geht an die Gläubiger. Dass sich der ehemalige Wimbledonsieger noch schneller vom Druck befreit, seine Schulden alle tilgt oder mit allen Gläubigern einen Zahlungsplan vereinbart, um das Insolvenzverfahren abzuwenden, erscheint dagegen unwahrscheinlich.

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