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Börsennotierte Schatzsucher : Fund im Atlantik

So suchen Profis Bild: AFP

Das Unternehmen Odyssey ist auf die Suche nach Schätzen im Meer spezialisiert. Jetzt haben die Schatzsucher in einem Wrack Silbermünzen gefunden. Es könnte der größte Fund sein, der jemals in den Weltmeeren entdeckt wurde. Die Aktie der börsennotierten Abenteurer erlebt einen Höhenflug.

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          Es war wahrscheinlich das ungewöhnlichste Kursfeuerwerk, das die Wall Street in jüngster Zeit gesehen hat: Die Aktie des Unternehmens Odyssey Marine Exploration aus Florida legte am vergangenen Freitag mehr als 80 Prozent an Wert zu, am Montag ging es noch einmal um 6 Prozent auf rund 8,80 Dollar nach oben. Was war passiert? Odyssey ist darauf spezialisiert, Schätze in untergegangenen Schiffswracks zu finden, die auf dem Meeresgrund liegen, und am Freitag meldete das Unternehmen den größten Fund in seiner Geschichte.

          Roland Lindner
          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          In einem alten Wrack im Atlantik seien eine halbe Million Silbermünzen gefunden worden, teilte Odyssey mit. Auf Basis von Schätzungen eines vom Unternehmen bestellten Experten könnte der Wert des Schatzes bei rund 500 Millionen Dollar liegen. Damit könnte Odyssey der wertvollste Schatzfund geglückt sein, den es jemals in den Weltmeeren gegeben hat. Als solcher galt bisher ein Fund aus dem Jahr 1985. Damals wurden in einem Wrack in der Nähe von Florida Silbermünzen mit einem geschätzten Wert von 400 Millionen Dollar gehoben.

          Weltmeere sind voll mit gesunkenen Schiffen

          Odyssey ist das einzige börsennotierte Unternehmen seiner Art, die Aktien werden an der American Stock Exchange gehandelt. Odyssey war aber bisher alles andere als ein Börsenliebling, im Jahr 2000 kostete das Papier zwischenzeitlich einmal weniger als 10 Cent. Das Geschäft von Odyssey steht und fällt mit der erfolgreichen Schatzsuche. Nun sind die Weltmeere zwar voll mit gesunkenen Schiffen, aber nach Ansicht von Experten gibt es nur in einem kleinen Teil davon nennenswerte Schätze zu holen.

          Vom Meeresgrund in den Plastikeimer: der Münzfund aus der „Black Swan”
          Vom Meeresgrund in den Plastikeimer: der Münzfund aus der „Black Swan” : Bild: AP

          Entsprechend schwer hat sich auch Odyssey mit seiner Arbeit getan: Erst im Jahr 2003 und damit fast zehn Jahre nach seiner Gründung landete das Unternehmen seinen ersten großen Treffer. In einem Schiff, das im neunzehnten Jahrhundert vor der amerikanischen Ostküste gesunken war, fand Odyssey 50 000 Münzen mit einem geschätzten Wert von 75 Millionen Dollar. Der Coup führte für die Schatzsucher zum ersten Mal zu nennenswerten Umsätzen, und nach Jahren der Verluste gab es erstmals einen Gewinn.

          Rechtliche Grauzone

          Schon im Jahr 2005 rutschte das Unternehmen aber wieder in die Verlustzone, und im vergangenen Jahr gab es bei einem Umsatz von 5,1 Millionen Dollar einen Nettoverlust von 19,1 Millionen Dollar. Odyssey ist darauf angewiesen, immer neue Schätze zu finden, denn die Suche nach den Wracks ist technisch äußerst aufwendig und mit immensen Kosten verbunden. Odyssey selbst gibt zu, in einem "extrem spekulativen und außergewöhnlich risikoreichen" Geschäft tätig zu sein.

          Unabhängig von den hohen Kosten gehört zu den Unsicherheitsfaktoren auch die Frage, wem die gehobenen Schätze gehören. Im Falle des nun gefundenen Schatzes weist Odyssey darauf hin, das Wrack habe sich in internationalen Gewässern befunden und erhebt damit den vollen Anspruch auf den Schatz. Es gilt allerdings als nicht ausgeschlossen, dass andere Parteien Begehrlichkeiten anmelden. Die spanische Regierung äußerte am Montag ihr Misstrauen gegenüber Odyssey, zumal das Unternehmen zunächst im Dunkeln ließ, wo genau sich das Wrack befindet. Es war lediglich von einem Ort im Atlantik die Rede. Odyssey stellte am Montag noch einmal klar, der Schatzfund falle in keinerlei Hinsicht in spanische Zuständigkeit, blieb aber wiederum Details schuldig. Bei einem anderen Projekt - einem Wrack vor Gibraltar - hat Odyssey mit der britischen Regierung eine Vereinbarung geschlossen, sich etwaige Erlöse aus Schatzfunden zu teilen.

          Archäologe: „Diebstahl an der Weltgeschichte“

          Das Geschäft von Odyssey ist nicht nur riskant, sondern auch umstritten. Kritiker werfen dem Unternehmen moderne Piraterie vor. Der amerikanische Archäologie-Professor Kevin Crisman sagte der "New York Times", die kommerzielle Schatzsuche von Odyssey sei "Diebstahl an der Weltgeschichte".

          Der nun gefundene Schatz dürfte in jedem Fall das Zeug dazu haben, Odyssey wieder in die Gewinnzone zu bringen. Und auch andere Unternehmen dürften sich freuen. Für den Unterhaltungskonzern Walt Disney kommt der Schatzfund wie gerufen. An diesem Freitag läuft in den amerikanischen Kinos der dritte Teil der erfolgreichen Piratenfilmreihe "Fluch der Karibik" mit Johnny Depp in der Hauptrolle an. Disney und Odyssey haben das zeitliche Zusammenfallen als Zufall bezeichnet. Gleichwohl haben die beiden Unternehmen eine Marketing-Allianz für den Film geschlossen.

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