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Flugzeugtyp 737 Max : Nachbesserungen an Boeing werden wohl Monate dauern

  • Aktualisiert am

Eine Boeing 737 Max 8 am Boden Bild: AFP

Nach der Anordnung des Flugverbots für die 737 Max rechnet die amerikanische Luftfahrtbehörde mit einer langwierigen Überarbeitung. Unterdessen ist der Flugschreiber der Unglücksmaschine auf dem Weg nach Frankreich.

          Die nach zwei Flugzeugabstürzen geplanten Nachbesserungen an der Boeing-Modellreihe 737 Max werden nach Angaben der zuständigen amerikanischen Behörde mehrere Monate dauern. Diesen Zeitrahmen nannte der geschäftsführende Leiter der Luftfahrtbehörde FAA, Dan Elwell, in einer Telefonkonferenz mit Journalisten.

          Zuvor hatte die FAA ein Flugverbot für die 737 Max verhängt – und zog damit mit zahlreichen Behörden in Europa und Asien gleich. Die FAA begründete das Verbot mit neuen Erkenntnissen zum Absturz einer Boeing 737 Max 8 in Äthiopien, die auf Ähnlichkeiten zum Absturz eines baugleichen Flugzeugs im vergangenen Oktober in Indonesien hinwiesen. Diese Informationen erforderten weitergehende Untersuchungen, ob es sich möglicherweise um dieselbe Absturzursache gehandelt habe, hieß es in einer Dringlichkeits-Anordnung der FAA.

          Mit dem Verbot in Amerika stehen inzwischen mehr als 310 Maschinen am Boden. Der Luftfahrtkonzern Boeing empfahl am Mittwoch als Vorsichtsmaßnahme ein vorübergehendes Startverbot für alle 371 Flugzeuge der Baureihe 737 Max weltweit.

          In der FAA-Anordnung heißt es, die Untersuchungen am Wrack der Maschine hätten am Mittwoch neue Informationen zutage gefördert. Gekoppelt mit Satellitendaten zur Flugbahn nach dem Start der Ethiopian-Airlines-Maschine in Addis Abeba wiesen sie „einige Ähnlichkeiten“ zum Absturz in Indonesien auf. Der amtierende FAA-Chef Daniel Elwell habe beschlossen, „dass eine Gefahr mit Bezug zur Sicherheit bei der kommerziellen Luftfahrt besteht“.

          Nach dem Absturz der Boeing 737 Max 8 von Ethiopian Airlines sollen die beiden Flugschreiber in Frankreich ausgewertet werden. Das berichtete die französische Nachrichtenagentur AFP am Mittwochabend unter Berufung auf die französische Luftsicherheits-Behörde Bureau d’Enquêtes et d’Analyses (BEA). Die Flugschreiber sollten am Donnerstag zur BEA gelangen. Die äthiopischen Behörden hätten um Unterstützung gebeten. Zuvor hatte am Mittwochabend die deutsche Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung abgelehnt, die Flugschreiber zu untersuchen. Ein Sprecher erklärte, man habe nicht die technischen Möglichkeiten dazu.

          Norwegian Air verlangt Schadenersatz von Boeing

          Einmal mehr könnte nun eine Funktion der 737 Max überprüft werden, die bei einem steilen Steigflug einen Strömungsabriss durch das automatische Absenken der Flugzeugnase verhindert. Es wurde schon beim vorigen Unglück vermutet, falsche Sensordaten hätten den Absturz verursacht, weil der Pilot nicht mehr eingreifen konnte. Klarheit darüber gibt es aber noch nicht. Gleichwohl gingen bei der Nasa weitere Hinweise von Piloten über dieses Problem ein, wie die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf ihr vorliegende Dokumenten berichtet.

          Als erste Airline kündigte die von Flugverboten betroffene Norwegian Air an, von Boeing Schadenersatz zu fordern. Der finanziell angeschlagene Billigflieger gehört zu den größten Abnehmern der Boeing 737 MAX in Europa. Die Airline strich am Mittwoch rund drei Dutzend Abflüge aus Skandinavien, buchte die Passagiere um und setzte andere Flugzeuge ein. Die Kosten dafür will die Airline nicht selbst tragen.

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