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Jadehandel in Burma : Am grünen Gold klebt Blut

Schöne Steine, schmutzige Vergangenheit: Ein Arbeiter bereitet einen Brocken für den Markt vor. Bild: AFP

Schlimm geht es zu in Burmas Jade-Minen – denn lange schon herrscht dort das Gesetz der Betreiber. Die neue Regierung muss das ändern.

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          Hla Hla trägt eine goldene Dollarmünze um den Hals und einen Goldgürtel um die Hüfte. In Deutschland würde man ihn für einen Gigolo halten. Auf dem Jademarkt in Mandalay ist Hla Hla eine große Nummer. In einer Box unter seinem schäbigen Holztisch steht eine Metallbox. In ihr lagert Jade für Tausende von Dollar. Hla Hla, der Zwischenhändler, thront auf einem Plastikschemel, eine Taschenlampe zum Durchleuchten der Steine liegt vor ihm. „Ich bin zehn Jahre im Geschäft“, sagt er. Seine Zähne sind dunkelbraun vom Kauen der Betelnüsse. „Was hier bei uns 10.000 Dollar kostet, bringt in China 20.000 Dollar.“ So einfach ist die Rechnung von Hla Hla. Jade macht reich. Denn in China macht sie schön. Aus Jade werden königliche Geschmeide gefertigt. Jahrhundertelang war der grüne, blassgrüne, weißliche, rötliche oder gelbe Stein wertvoller als Gold. 2014 wurde eine einfache Kette aus 27 Jadeperlen nach einem Bietergefecht in Hongkong für gut 27 Millionen Dollar verkauft.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Und deshalb gehen in Burma, das sich selbst Myanmar nennt, seit Jahrzehnten viele über Leichen, um an Jade zu kommen. Das große Geschäft aber machen nicht Hla Hla und die anderen auf dem Markt. Das große Rad drehten in den vergangenen Jahrzehnten die Militärs und ihre Kumpane, die die Hände auf den Minen hielten. Und ihre Mittelsmänner, die Jadebrocken im großen Stil verhökern. Aber auch die Kommandeure der Ethnien im Nordosten mischen im Jadegeschäft mit. Denn die großen Vorkommen liegen im Wa-Staat, im Reich der Kokang und ganz oben im Norden des riesigen Landes, im Kachin-Staat. Schon immer waren die Jadevorkommen das Faustpfand in den ethnischen Konflikten Burmas.

          Im Wert von Millionen von Dollar

          Längst aber ist die Jade auch eines der großen Probleme, das die neue Regierung, die formal von dem am Mittwoch vereidigten Präsidenten Htin Kyaw, in Wirklichkeit aber von Friedens-Nobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi geführt wird, lösen muss (Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 18. März). Wohl um ein Zeichen zu setzen, ließ noch die Militärregierung in ihren letzten Wochen einige ranghohe Beamte feuern, weil diese illegal schweres Gerät wie Bagger und Minenlastwagen aus China eingeführt hatten, um Jade in Hpakant im Kachin-Staat abbauen zu lassen. Das Eingreifen ist ein Novum in Burma: Über Jahre konnten die Minenbesitzer im Norden des Landes schalten und walten, wie sie wollten. Sie bereicherten sich in unvorstellbarem Maße, während die Arbeiter litten. Gemeinsam mit den Chinesen bildeten sie eine Mafia, um die seit Jahrhunderten begehrte Jade außer Landes zu schaffen – so wie Teakholz und Opium.

          Auch die Käufer auf dem Markt von Mandalay sind meistens Chinesen oder deren burmesische Mittelsmänner. Es ist wie Zocken: Sie kaufen einen Stein, der von einer Seite das milchige Grün zeigt. Dann kommt er zum Schneider, der ihn öffnet. Nun heißt es gewinnen oder verlieren. Hla Hla hat heute Glück: Er hat einen kieselsteingroßen Klumpen betastet und mit der Taschenlampe durchleuchtet. 5000 Kyat hat er für ihn bezahlt. Dann ist er zu U Kyaw Min, dem Steinschneider, gegangen. „Ich muss sehr sorgfältig arbeiten“, sagt der Steinschneider. „Ich hatte schon mal einen Brocken für 100.000 Dollar hier. Wenn ich den falsch schneide, lande ich im Gefängnis.“ Mit dem Steinklumpen von Hla Hla läuft alles gut. Er öffnet sich und schimmert grün. „Den verkaufe ich jetzt für 30.000 Kyat an einen Chinesen“, sagt Hla Hla. „Ich habe einen so guten Riecher für Jade, dass ich damit im Monat leicht 300.000 Kyat mache“, sagt er in Angeberlaune.

          Über den Grenzort Muse weiter oben in den Bergen transportieren die chinesischen Einkäufer den gekauften Schatz dann in die Heimat, wo Schmuck aus der Jade gefertigt wird. Das sind die kleinen Fische. Die großen mieten Hotelräume im Garden-, dem Nylon- oder dem ET-Hotel in Mandalay. Dort wird dann grünes Gold im Wert von Millionen von Dollar verschoben.

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