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Blohm + Voss-Geschäftsführer Aly : „Jeder Milliardär sollte eine Luxusyacht bestellen“

  • Aktualisiert am

Die Yacht „Eclipse“ im Hamburger Hafen kurz nach der Fertigstellung durch Blohm + Voss. Der russische Industrielle Roman Abramowitsch soll für die Yacht 600 Millionen Dollar bezahlt haben Bild: ddp

Thyssen-Krupp hat die Hamburger Traditionswerft Blohm + Voss an den britischen Finanzinvestor Star Capital verkauft. Im Interview mit der F.A.Z. verteidigt Werftenchef Herbert Aly die Transaktion als „Idealfall“ - obwohl die Käufer vom Schiffbau keine Ahnung haben.

          Herr Aly, die von Blohm + Voss gebaute "Bismarck" wurde einst von den Engländern versenkt. Ist das ein schlechtes Omen für die Werft, die jetzt der Londoner Star Capital Partners gehört?

          (lacht) Wie Sie sehen, weht vor unserer Werft nicht der "Union Jack". Diese Übernahme ist für die Engländer eine reine Finanzinvestition, die allerdings Spuren der Leidenschaft trägt. In den Verhandlungen ging es zum Teil hoch her.

          Star Capital hat vom Schiffbau keine Ahnung. Ist das wirklich der richtige Eigentümer?

          Star Capital Partners folgt einem klaren Grundprinzip, nämlich durch Wertsteigerungen Geschäfte zu machen. Die Engländer haben erkannt, dass hier drei Unternehmenseinheiten zu kaufen sind, die von einer starken Marke getragen werden, aus der man noch mehr machen kann. Das gilt insbesondere für den Schiffsneubau.

          Genau dort kennt sich die Bremer Werft Lürssen doch viel besser aus. Wäre dieser Wettbewerber, der ebenfalls an einer Übernahme interessiert war, nicht doch der bessere Partner gewesen?

          Nein, keinesfalls. Unter der Ägide von Lürssen wäre vom Yachtbau in Hamburg nicht mehr viel übrig geblieben. Dabei ist der Yachtbau das Rückgrat unserer Strategie. Wir haben genügend Potential, um in diesem Markt erfolgreich zu sein. Das haben die abgelieferten Schiffe gezeigt - trotz der wirtschaftlichen Schwierigkeiten, in die sie uns gebracht haben. Wer ein speziell auf seine Bedürfnisse zugeschnittenes Schiff haben möchte, kommt am Ende zu Blohm + Voss. Alle anderen Anbieter verkaufen eher Standard.

          Finanzinvestoren bleiben nie auf Dauer an Bord...

          Der Verkauf an Star Capital Partners ist in dieser Phase der Idealfall für Blohm + Voss. Mit diesem Investor im Rücken können wir unser Geschäft stabilisieren und weiterentwickeln. Es handelt sich um eine Art Brückenfinanzierung, die unseren Weg absichert. Was dann am Ende daraus wird, ein Weiterverkauf an strategische Investoren oder ein Börsengang, das ist heute kein Thema für uns. Es gilt unser Geschäftsmodell am Markt erfolgreich umzusetzen.

          Wer könnte Blohm + Voss später übernehmen?

          In vier, fünf Jahren, also wenn wir unsere Hausaufgaben gemacht haben und sich unser Geschäftsmodell im Markt bewährt hat, spricht nichts mehr gegen die Hereinnahme strategischer Investoren, aber auch ein Börsengang wäre denkbar. Allerdings glaube ich nicht, dass jemand für den Erwerb des heutigen Gesamtgebildes in Frage kommt. Strategische Investoren werden wohl eher auf die Einzelteile blicken, den Schiffbau, das Reparaturgeschäft, den Maschinenbau.

          Wie sicher sind die 1500 Arbeitsplätze bei Blohm + Voss unter der Flagge von Star Capital Partners?

          Die Antwort darauf liegt nicht in der Sphäre des Gesellschafters, sondern des Unternehmens selbst. Wenn wir erfolgreich sind, sind die Arbeitsplätze sicher. Das haben unsere Leute auch begriffen.

          Star Capital hat "erhebliche Investitionen" angekündigt. Um wie viel dreht es sich denn?

          AIch nenne keine Zahlen. Aber mit dem Kapital, das Star Capital uns zur Verfügung gestellt hat, können wir sicher durch die nächsten Jahre marschieren.

          Im Moment haben Sie keinen einzigen Neubauauftrag in den Büchern. Aber ein potentieller Kunde, angeblich ein Russe, steht vor der Tür. Wann unterschreibt er den Vertrag?

          Wir sind nah dran. Eine Absichtserklärung liegt uns schon vor. Mit dem endgültigen Auftrag rechne ich noch in diesem Jahr. Wir verhandeln aber auch noch über andere Projekte. Mit zwei bis drei Aufträgen für Luxusyachten wäre die Werft für fünf Jahre ausgelastet.

          Herbert Aly ist Geschäftsführer der Hamburger Werft Blohm + Voss

          Blohm + Voss hat zuletzt horrende Verluste gemacht mit dem Bau von Luxusyachten. Die "Eclipse" des russischen Milliardärs Roman Abramowitsch soll doppelt so teuer geworden sein wie geplant. Wie konnte das passieren?

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