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Nach BER-Blockade : Flughäfen in Alarmbereitschaft

Reisende informieren sich am Donnerstag auf dem Berliner Flughafen BER, wie es weitergeht. Bild: Reuters

Nachdem Umweltaktivisten der „Letzten Generation“ den Berliner Flughafen lahmgelegt haben, diskutiert die Branche über zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen. Ganz verhindern lassen sich solche Aktionen wohl nicht.

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          Einen Tag, nachdem Mitglieder der Aktivistengruppe „Letzte Generation“ den Betrieb des Flughafens Berlin-Brandenburg (BER) lahmgelegt haben, stehen Flughäfen in ganz Deutschland vor der Frage, ob sie die ohnehin schon hohen Sicherheitsanforderungen weiter erhöhen müssen. Am BER werde der Einsatz nun ausgewertet und dann entschieden, ob sich die Prozesse verbessern ließen, sagte ein Sprecher.

          Corinna Budras
          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.
          Timo Kotowski
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Am Donnerstagnachmittag hatten zwei Gruppen von jeweils mehreren Aktivisten den Sicherheitszaun um das Flughafengelände durchschnitten und sich Zugang zum Flughafengelände verschafft. Einige klebten sich am Boden fest, andere fuhren mit Fahrrädern über das Gelände. Daraufhin musste der Berliner Flughafen den Betrieb auf beiden Start- und Landebahnen stoppen. Fünf Flüge mussten gestrichen, 15 Flüge umgeleitet werden.

          Das Eindringen der Aktivisten sei über das Sicherheitssystem schnell gemeldet worden, dazu gehören eine Videoüberwachung sowie Sensor- und Radaranlagen. Zusätzlich werde der rund 30 Kilometer lange Zaun durch eine gemeinsame Streife von Bundespolizei und Flughafenmitarbeitern gesichert. Eineinhalb Stunden dauerte es, bis sichergestellt werden konnte, dass sich niemand mehr unbefugt auf dem Flughafengelände aufhielt. Zu keinem Zeitpunkt seien Personen auf den Start- und Landebahnen gewesen, stellte ein Sprecher klar.

          Hundertprozentigen Schutz gebe es nicht

          Die gezielte Betriebsstörung soll nun genau untersucht werden. In Luftfahrtkreisen herrscht bisher der Eindruck, dass das Schutzsystem am BER „gut funktioniert“ habe. Die Alarmketten hätten nach dem unbefugten Durchtrennen des Zauns bei Polizei, Flugsicherung und Flughafenbetreiber angeschlagen. Dass Sicherheitskräfte nicht noch zwei Minuten eher vor Ort waren, dürfte daran gelegen haben, dass sie aus Sicherheitsgründen mit ihren Fahrzeugen nicht die Startbahnen kreuzen konnten, sondern um diese herumfahren mussten.

          Dennoch wirft das Eindringen der Aktivisten in Berlin die Frage auf, ob es sich anderswo wiederholen könnte. Der Flughafenverband ADV erklärte: „Für die Protestaktionen der ‚Letzten Generation‘ am Flughafen BER fehlt der ADV jedes Verständnis. Es ist nicht hinnehmbar, wenn die Sicherheit des Luftverkehrs gefährdet wird.“ An den deutschen Flughäfen verweist man auf bestehende Maßnahmen, die zum Schutz gegen Terroranschläge stetig verschärft worden sind. „Wir sind zur Sicherung des Flughafengeländes seit jeher mit Behörden, der Bundespolizei und der Landespolizei im Austausch“, sagte ein Sprecher von Deutschlands größtem Flughafen in Frankfurt.

          Einen hundertprozentigen Schutz gegen das Durchdringen der Absperrungen gebe es aber nicht, wird auch in Flughafenkreisen eingestanden. Dies liegt auch an der schieren Größe des zu überwachenden Geländes. Schon der verhältnismäßig kleine BER hat die Größe von 2000 Fußballfeldern. Hinzu kommt: Verglichen mit den bisherigen Terrorgefahren sind die Aktionen der radikalen Umweltschützer bisher eher ungewöhnlich. Während Terroristen gemeinhin darauf aus sind, unerkannt zu bleiben, suchen die Aktivisten die Öffentlichkeit. Nach dem Durchschneiden des Zauns entrollten sie ein Transparent, ihre Tat filmten sie und übertrugen sie im Internet.

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