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Geldpolitik : BIZ fürchtet politische Folgen des Niedrigzinses

Das Zweitgebäude der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich in Basel Bild: Hauri, Michael

Der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich bereitet die Niedrigzinspolitik Sorgen. Derzeit erzeuge eine geldpolitische Lockerung die nächste. Die verbreitete Furcht vor einer Deflation hält sie für übertrieben

          Sehr niedrige und womöglich negative Zinsen können auf die Dauer nicht nur unliebsame wirtschaftliche und juristische, sondern womöglich auch unliebsame politische Folgen haben. Davor warnt die in Basel ansässige Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), die als Bank der Zentralbanken sowie als eine wichtige Denkfabrik fungiert. „Die Grenzen des Undenkbaren sind derzeit außergewöhnlich dehnbar“, sagt BIZ-Ökonom Claudio Borio.

          Ende Februar wiesen rund um den Erdball Staatspapiere im Wert von rund 2,4 Billionen Dollar negative Renditen aus; davon entfielen alleine Papiere über 1,9 Billionen Dollar auf Wertpapiere aus dem Euroraum. Und die Entwicklung muss damit nicht am Ende sein, denn seit Anfang Dezember vergangenen Jahres haben mehr als 20 Zentralbanken ihre Geldpolitik gelockert – neben der Europäischen Zentralbank unter anderem die Zentralbanken in China, Indien, der Schweiz, Schweden, Dänemark, der Türkei Australiens und Kanadas.

          Es handelt sich um eine weltumspannende Bewegung, die noch nicht an ihrem Ende angekommen sein muss. „Die Konsequenz dieser Entwicklung sollte genau beobachtet werden, da die Auswirkungen auf das Finanzsystem und darüber hinaus zweifellos bedeutsam sein werden“, sagt Borio.

          Eine Deflation bedeutet nicht zwingend Einbruch der Wirtschaft

          Im aktuellen Umfeld erzeuge eine geldpolitische Lockerung die nächste. Ohne das Wort zu nennen, spielt Borio damit auf das Szenario eines „Währungskrieges“ an, bei dem Länder nacheinander durch Lockerungen ihrer Geldpolitik eine exportfördernde Abwertung ihrer Währung erzeugen wollen. Demgegenüber steht seit Mitte 2014 eine Aufwertung des Dollar um rund 20 Prozent gegenüber den wichtigsten Handelswährungen der Amerikaner – „eine der grössten je über einen ähnlichen Zeitraum verzeichneten Aufwertungen“ (Borio).

          In zweierlei Hinsichten geben die Ökonomen der BIZ in ihrem neuen Quartalsbericht allerdings eine leichte Entwarnung. Sie hatten seit einiger Zeit davor gewarnt, dass sich in Schwellenländern Staaten und Unternehmen sehr stark durch die Ausgabe von Dollaranleihen verschulden, was im Zuge einer Aufwertung des Dollar diese Schuldner in Schwierigkeiten bringen könnte. Die Aufwertung des Dollar scheint die Neigung zur Verschuldung jetzt zu bremsen: „Bemerkenswerterweise deuten die jüngsten Zahlen darauf hin, dass die Finanzbooms in einigen aufstrebenden Volkswirtschaften ins Stocken geraten sind“, heißt es bei der BIZ: Dieser Befund gilt unter anderem für China.

          Zweitens halten Ökonomen der BIZ die im Westen verbreitete Furcht vor negativen wirtschaftlichen Folgen einer Deflation für übertrieben. In einer finanzhistorischen Untersuchung gelangen sie zu dem Schluss, dass die viel zitierte Weltwirtschaftskrise der dreißiger Jahre, in der Deflation mit einem Einbruch der Wirtschaft einher ging, eher eine Ausnahme gewesen sei. Es gebe auch Fälle, in denen die Preise für Güter gesunken und gleichzeitig die Wirtschaft gewachsen sei. Für viel gefährlicher für das Wirtschaftswachstum halten sie deutliche Rückgänge der Preise für Immobilien und andere Finanzanlagen..

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