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Bitkom-Umfrage : Sind wir alle süchtig nach dem Smartphone?

Auch Großbritanniens Politiker hängen am Smartphone: Boris Johnson und Rishi Sunak Bild: AFP

In Deutschland gibt es rund 60 Millionen Smartphones. Eine Studie ging jetzt der Frage nach, ob die Bundesbürger aus Klimaschutzgründen auf das Gerät verzichten können.

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          Man muss sich nicht weit umschauen, um den Eindruck zu festigen: Ohne Smartphone läuft nichts mehr in Deutschland. An der Liebe zum Gerät gibt es kaum Zweifel, und doch stellt sich die Frage: Kommen die Deutschen gar nicht mehr ohne aus?

          Thiemo Heeg
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Durchaus nicht: Zwei von drei Bundesbürgern sagen, wochenlang oder gar generell auf das Smartphone verzichten zu können. 28 Prozent könnten nach eigenen Angaben bis zu vier Wochen ohne das Gerät auskommen, weitere 15 Prozent fünf bis zwölf Wochen lang. 22 Prozent könnten sogar generell darauf verzichten. Das aber entspricht in etwa dem Anteil der Deutschen, die ohnehin kein internetfähiges Mobiltelefon besitzen. 32 Prozent halten den mobilen Computer für unverzichtbar.

          84 Prozent der Deutschen sind „Onliner“

          Etwas anders sehen die Quoten aus, wenn es um das Internet generell geht. Hier geben zwei von drei an, grundsätzlich nicht auf die Netznutzung verzichten zu können. Vor allem die 16- bis 29-Jährigen sind überwiegend – zu 86 Prozent – dieser Ansicht. In der Gruppe der 30- bis 49-Jährigen liegt der Anteil noch bei 83 Prozent, die 50- bis 64-Jährigen kommen auf 73 Prozent Nicht-Verzichter. Erst die Senioren ab 65 Jahren sind deutlich weniger online-bedürftig: Hier sagen 31 Prozent, generell nicht einer Internet-Nutzung entsagen zu wollen. Insgesamt sind 84 Prozent der Deutschen „Onliner“, haben also das Internet in den vergangenen drei Monaten genutzt.

          Dies alles geht aus einer repräsentativen Umfrage unter 1003 Personen (ab 16 Jahren) in Deutschland hervor, die der Digitalverband Bitkom im April durchgeführt hat. Dabei ging es um die Frage, worauf die Befragten im Sinne des Klimaschutzes bereit wären zu verzichten und wie lange. Auch die virtuelle Sphäre trägt schließlich ganz real zur Erderwärmung bei. Nach einer im Mai erschienen Studie zu den Klimaauswirkungen der Digitalisierung sind 1,8 bis 3,2 Prozent der globalen Emissionen von Treibhausgasen auf die Herstellung und den Betrieb digitaler Geräte und Infrastrukturen zurückzuführen.

          Auf Streaming könnte jeder Zweite verzichten

          Auch Streaming gehört mit Blick auf den Stromverbrauch zu den klimakritischen Anwendungen. Die Schädlichkeit hängt jedoch maßgeblich davon ab, auf welchem Gerät man Filme anschaut und in welcher Qualität. So benötigt Videostreaming auf dem Smartphone oder dem Tabletcomputer in relativ geringer SD-Auflösung je Stunde 65 beziehungsweise 75 Wattstunden Energie, entsprechend einem Ausstoß von 30 bis 35 Gramm CO2. Das sei weniger, als für das klassische Fernsehen oder das Abspielen einer DVD auf einem 50 Zoll großen Flachbildfernseher anfallen, rechnet der Bitkom vor. Streamt man dagegen ein Video in 8K-Qualität auf einem 65-Zoll-Gerät, schnellt der Energiebedarf auf 1860 Wattstunden (880 Gramm CO2) nach oben.

          Streaming ist inzwischen im Massenmarkt angekommen: Acht von zehn Internetnutzern schauen nach eigenen Angaben hin und wieder Videostreams. Die Corona-Krise hat das Geschäft von Anbietern wie Netflix, Amazon Prime oder Youtube befördert. Trotz der hohen Nutzerquote gibt nur jeder Vierte an, nicht auf Streaming verzichten zu kommen. Mehr als die Hälfte dagegen sagt, auch ohne auskommen zu können.

          Neben virtuellen hat der Bitkom in der Studie auch reale Aktivitäten auf ihre Unentbehrlichkeit hin abgefragt. Für 27 Prozent kommt ein Fleischverzicht aus Klimagründen nicht in Frage, 20 Prozent könnten bis zu einem Monat fleischfrei leben. 24 Prozent würden auf das Auto generell verzichten, 50 Prozent auf Flugreisen. Ob all diese Verzichtsquoten noch ihre Gültigkeit behalten, wenn aus Sagen Handeln werden müsste? Das steht freilich auf einem anderen Blatt.

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