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Sigrid Nikutta : Bisherige BVG-Chefin in Bahn-Vorstand berufen

  • Aktualisiert am

Kommt zum 1. Januar zur Deutschen Bahn: Sigrid Nikutta. Bild: dpa

Machtkampf, Schulden und unzufriedene Kunden – die Bahn hat mit vielen Problemen zu kämpfen. Nun hat der Aufsichtsrat eine neue Vorstandsstruktur und Investitionen für neue Züge beschlossen.

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          Die Berliner Managerin Sigrid Nikutta soll die verlustreiche Gütersparte der Deutschen Bahn sanieren. Der Aufsichtsrat berief die bisherige Chefin der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) am Donnerstag in den Vorstand des Bundesunternehmens, wie der Konzern am Abend mitteilte. Die 50-Jährige fängt demnach zum 1. Januar bei der Bahn an und übernimmt bei der Gütersparte DB Cargo auch operativ Verantwortung.

          Aufsichtsratsvorsitzender Michael Odenwald sagte: „Im Güterverkehr gibt es sehr viel zu tun, um die ehrgeizigen Ziele des Unternehmens zu erreichen. Frau Nikutta hat durch die organisatorische Neuordnung den notwendigen Entscheidungsspielraum.“

          Nikutta war 2010 von DB Cargo zur BVG gegangen, wo sie für die Busse und Bahnen der Hauptstadt verantwortlich ist. Ihre Nachfolge bei dem Landesunternehmen ist noch offen. Das neue Bahn-Vorstandsmitglied soll die Wende bringen. Aktuell ist mit der Sparte ist momentan kaum ein Blumentopf zu gewinnen. DB Cargo fährt seit Jahren Verluste ein, der Marktanteil ist unter 50 Prozent gesunken.

          Milliardendeal auf Eis

          Eigentlicher Anlass für die Sondersitzung war der geplante Verkauf der Bahn-Tochtergesellschaft Arriva. Nun ist der Verkauf offenbar gescheitert. Auch um mehr Pünktlichkeit und Qualität für Bahnkunden auf dem Heimatmarkt zu finanzieren, sollte Arriva verkauft werden - und mit ihr manch ungewöhnliche Beteiligung, etwa die Krankentransporte in Großbritannien und das Autohaus in den Bergen Sloweniens. Mit ihren Bussen und Bahnen in 14 europäischen Ländern ist Arriva profitabel, der Verkaufserlös hätte der Bahn kurzfristig geholfen. Die Rede war von bis zu 4 Milliarden Euro Erlös für die Tochter, die 2010 für 2,8 Milliarden Euro geholt worden war.

          Doch die Erwartungen waren zu hoch. Nach unbestätigten Medienberichten war zuletzt noch ein Bieter interessiert, der umgerechnet 2,5 Milliarden Euro geboten haben soll - der Investor wollte sich Donnerstag nicht dazu äußern. Im Konzernumfeld hieß es am Donnerstag lediglich, die zu erwartenden Erlöse lägen erheblich unter dem Buchwert. Doch auch das Brexit-Chaos machte den Verkauf von Arriva mit seinem Unternehmenssitz in England schwierig.

          Finanzvorstand unter Druck

          Der zuständige Bahn-Finanzvorstand Alexander Doll ist angeschlagen. Vor der Aufsichtsratsitzung wurde über einen Rauswurf spekuliert, am Mittwoch hatte er bei Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) vorsprechen müssen.Doch vorerst bleibt Doll im Amt, wie aus Aufsichtskreisen am Donnerstagabend zu hören war. Eine weitere Sondersitzung soll anberaumt werden, um den Vorstand um Konzernchef Richard Lutz zu befrieden, vermutlich in zehn Tagen. Der Streit unter den Topmanagern soll daher rühren, dass Doll sich Lutz’ Wunsch widersetzt habe, sich auf das Ressort Güterverkehr zu konzentrieren.

          Dann wird die Frage noch immer im Raum stehen, woher die Bahn noch Geld bekommen kann. Der Bund hatte zuletzt mit dem Klimapaket die Geldbörse geöffnet, das allein bringt bis 2030 rund 20 Milliarden Euro zusätzlich, wie Bahnchef Richard Lutz ausgerechnet hat. Auch die Bundesmittel für Erhalt und Instandsetzung der Schienenwege werden deutlich aufgestockt. Beim Eigentümer Bund die Hand aufzuhalten, dürfte deshalb schwierig werden.

          Der Bundesrechnungshof hatte empfohlen, neben dem Arriva-Verkauf auch zu prüfen, ob sich DB Schenker versilbern lässt. Die internationale Spedition mit 76 000 Mitarbeitern betreibt Lastwagen, Frachtschiffe und Flugzeuge, Logistikzentren und Lagerhäuser. Sie stand schon einmal zur Disposition, derzeit will der Konzernvorstand die profitable Tochter jedoch behalten.

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