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Biotechnologie : Wachstumsbranche auf Konsolidierungskurs

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Biotech: Eine Branche vor der Konsolidierung Bild:

Für die Biotechnologie-Branche war das Jahr 2001 durchaus lohnend. Doch machen sich auch hier erste Anzeichen einer Konsolidierung breit.

          2 Min.

          Die Biotechnologie bleibt in Deutschland weiter auf dem Vormarsch. Das ergibt der „Biotechnologie-Report 2002“ der Beratungsgesellschaft Ernst & Young Deutschland.

          Der am Dienstag veröffentlichte Bericht belegt, dass auch 2001 ein Wachstumsjahr für die Biotechnologie-Branche in Deutschland war. Im Rahmen dieser Studie untersuchte die Beratungsgesellschaft so genannte „Core-Biotech-Unternehmen“, die ausschließlich moderne Methoden der Biotechnologie entwickeln oder anwenden.

          Branche bleibt auf Wachstumskurs

          Insgesamt, so die Studie, arbeiteten in der Core-Biotech Branche im vergangenen Jahr über 14.000 Beschäftigte. Damit stieg die Anzahl der Mitarbeiter im Vergleich zum Vorjahr um rund 30 Prozent. Ein ähnlich starkes Wachstum weist die Umsatzentwicklung auf. Im Jahr 2001 erlösten die untersuchten Unternehmen 1,04 Milliarden Euro und durchbrachen somit zum ersten Mal die Milliarden-Umsatzgrenze. Verglichen mit dem Jahr 2000 konnten die Konzerne somit 33 Prozent mehr umsetzen. „Allerdings fällt über die Hälfte des Gesamtumsatzes der Branche auf die wenigen börsennotierten Core-Biotech-Unternehmen“, so Ernst & Young-Vorstand Alfred Müller.

          Auf der Kostenseite der Unternehmen schlugen vor allem Investitionen in Forschung und Entwicklung (FuE) zu Buche. Rund 1,2 Milliarden Euro investierte die Branche in die FuE - ein Zuwachs von 71 Prozent gegenüber dem Vorjahr und mehr als die gesamte Industrie in 2001 insgesamt erlöste. Die Mitarbeiterzahl allein in diesem Bereich stieg um beachtliche 37 Prozent auf gut 7.800.

          Insgesamt, so die Studie, bilanziert sich der Gesamtverlust der Branche im vergangenem Jahr auf 411 Millionen Euro und somit 66 Prozent mehr als noch im Jahr 2000.

          „Rote“ Biotech als Hauptgeschäftsfeld

          Doch die noch recht junge deutsche Biotech-Branche weist bereits erste Konsolidierungstendenzen auf. Die Gesamtzahl der Core-Unternehmen stieg im vergangenen Jahr um „lediglich“ zehn Prozent auf insgesamt 365 Konzerne. In den Jahren zuvor konnte die Branche noch doppelt so hohe Wachstumsraten verzeichnen - für Ernst & Young erste Anzeichen einer Konsolidierung. Zugleich ist der geringere Anstieg auch auf die allmählich „beginnende Zunahme von Insolvenzfällen zurückzuführen“.

          Als Hauptgeschäftsfeld der Core-Biotech-Konzerne kristallisiert sich immer mehr die so genannte „rote“ Biotechnologie heraus. Rote Biotech umschreibt den Bereich der medizinisch orientierten Biotechnologie mit Therapeutika, Molekulardiagnostik und Drug-Delivery-Systemen. Insgesamt 83 Prozent der untersuchten Unternehmen arbeiten in der „roten“ Biotechnologie. Das zweitstärkstes Segment bildet die so genannte grüne Biotechnologie (Landwirtschaft und Lebensmittel) mit elf Prozent. Mit sechs Prozent folgt das Segment der grauen Biotech, die sich mit Feinchemikalien und der Umwelt beschäftigt.

          Positiv stimmt auch die Anzahl der Therapeutika in der Entwicklungs-Pipeline. 183 Produkte befinden sich derzeit in der Entwicklungsphase. Fast doppelt soviele wie noch 1999. Doch bisher ist es noch keinem deutschen Biotech-Konzern gelungen, ein Produkt bis zur Marktreife zu bringen. Laut Ernst & Young befinden sich derzeit drei Produkte im Zulassungsverfahren.

          Die Politik hat nicht geschlafen

          Hauptkapitalgeber sind und bleiben wohl auch noch auf absehbare Zeit die Venture-Capital-Geber sowie Beteiligungsgesellschaften. Flossen im Jahr 1999 lediglich 175 Millionen Euro als Risikokapital in die Unternehmen, so stieg dieser Betrag im Jahr 2000 auf 565 Millionen Euro an. In 2001 mussten die Konzerne jedoch wieder mit etwas weniger auskommen. 525 Millionen Euro investierten die Gesellschaften in Core-Biotech-Unternehmen.

          Lobende Worte hatte Ernst & Young auch für die rot-grüne Bundesregierung übrig. So habe es die Bundesregierung geschafft, lange bestehende Schwächen des Biotech-Standortes Deutschland zu beseitigen. Darüber hinaus konnten hemmende gesetzliche Rahmenbedingungen mittlerweile verbessert und die Akzeptanz der „roten“ Biotechnologie gefördert werden.

          Und für die Zukunft sei noch einiges von den Branche zu erwarten. „Die deutsche Biotechnologie-Branche, die einen Spitzenplatz in Europa einnimmt, wird sich in den kommenden Jahren noch stark weiterentwickeln“, sagte Bundesforschungsministerin Edelgard Bulmahn bei der Präsentation der Studie.

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