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Biotechnologie : Amgen flirtet mit Immunex

  • Aktualisiert am

Gute Stimmung bei den Biotechs Bild: AP

Eine neue Fusion zeichnet sich ab. Amgen soll noch in dieser Woche eine Offerte für Immunex abgeben.

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          Es ist wie in der Tanzstunde. Zunächst mustern sich die potenziellen Partner nur und geben sich gelangweilt. Aber sobald sich das erste Paar auf die Tanzfläche wagt, kommt Hektik auf. Denn nichts ist schlimmer als am Ende übrig zu bleiben oder nur noch die zweite Wahl abzubekommen. Ähnlich sieht es derzeit in der Biotechnogiebranche aus, denn hier wird der Konsolidierungstakt immer heißer (Siehe Link: Fusionswelle beflügelt Biotechbranche).

          Mehr als zehn Prozent haben die Aktien von Immunex am Donnerstag an der Nasdaq zugelegt. Gerüchten zufolge soll Amgen an einer Offerte für das Biotechnologie-Unternehmen arbeiten.
          Angeblich soll die Übernahme noch in dieser Woche bekannt gegeben werden. Amgen soll mindestens 18 Milliarden Dollar in Aktien und Cash für Immunex zahlen. Kreisen zufolge soll das Angebot zwischen 31 und 36 Dollar je Immunex-Aktie betragen. Am Donnerstag schlossen die Immunex-Titel mit 26,98 Dollar. "Ein Aufschlag von 30 Prozent scheint realistisch", meint Jim Lyon von Oakwood Capital Management.

          Amgen will Kassenschlager von Immunex

          Eine Schlüsselrolle in der mögliche Übernahme spielt American Home Products, die 41 Prozent an Immunex halten. Laut CNBC soll America Home Products zu einem Verkauf seiner Anteile bereit sein, zumal man mit Amgen eine weitaus liquidere Währung erhalte. Die Aktien von American Home Products gewannen fünf Cents auf 58,25 Dollar, während die Aktien von Amgen 6,5 Prozent auf 60,19 Dollar nachgaben. Auch wenn die großen Biotechnologieunternehmen wie Amgen gefüllte Kassen haben, so dürfte die Übernahme die Ergebnisse mindestens bis ins Jahr 2003 verwässern, meinen Beobachter.

          Das weltweit größte Biotechnologieunternehmen Amgen würde mit Immunex vor allem das Medikament Enbrel, das derzeit der Kassenschlager gegen rheumatische Arthritis ist, erhalten. Amgen selbst arbeitet an einem Konkurrenzprodukt zu Enbrel. Das Medikament ist so erfolgreich, dass Immunex derzeit die Nachfrage nicht befrieden kann und gerade eine neue Produktionsstätte baut. „Enbrel hat noch sehr viel Marktpotenzial“, meint Jordan Schreiber, Fondsmanager bei Merrill Lynch, der Aktien von Amgen und Immunex hält. „Enbrel wäre ein weiteres wichtiges Medikament für Amgen und das fusionierte Unternehmen hätte sehr viel mehr Marketingkraft.“

          Gutes Sentiment für die Branche

          In der vergangenen Woche erst hatte Millennium Pharmaceuticals für 1,7 Milliarden Dollar Cor Therapeutics übernommen und MedImmune für 1,5 Milliarden Dollar Aviron. Mit den Übernahmespekulationen bleibt die Biotechnologiebranche in den Schlagzeilen, was das Sentiment für den Sektor weiter stützen dürfte. Inwieweit die einzelnene Fusionen tatsächlich Sinn machen, lässt sich erst viel später beurteilen.

          Bei dem vorgelegten Tempo der Konsolidierungen bleibt jedoch ein flaues Gefühl oder zumindest die Erinnerungen an den Hype in der Telekommunikationsbranche vor zwei Jahren. Auch dort kam nach der Euphorie die Ernüchterung. Vielleicht sollten die Investoren dies bei einem Engagement im Biotechnologiebereich im Hinterkopf haben. Noch können sie ruhig weiter tanzen, das Sentiment lädt geradezu dazu ein. Aber vielleicht sollte man sich von der Tanzfläche verabschieden, solange die Musik noch spielt. Denn wenn erst einmal das Licht angeht, dann sind die schönsten Stunden vorbei.

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