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Deutsche Impfstoffentwickler : Biontech mit Liefervereinbarung, Curevac mit Partner

Biontech entwickelt einen Impfstoff gegen das Coronavirus. Bild: Biontech

Biontech will mit einem Partner möglicherweise schon von diesem Jahr an 30 Millionen Dosen des Corona-Impfstoffkandidaten BNT162 an Großbritannien liefern. Derweil steigt Pharmakonzern GSK bei Curevac ein.

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          Das Mainzer Biotechunternehmen Biontech und Partner Pfizer haben eine erste Liefervereinbarung mit Großbritannien für 30 Millionen Dosen des Impfstoffkandidaten BNT162 gegen das Coronavirus geschlossen. Das teilten die Unternehmen am Montagmorgen mit.Voraussetzung sei, dass die klinischen Studien weiterhin erfolgreich verliefen und die behördliche Zulassung erteilte werde, hieß es weiter. Demnach sei die Lieferung für 2020 und 2021 geplant. Finanzielle Details wurden nicht genannt.

          Ilka Kopplin

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          „Wir befinden uns in fortgeschrittenen Gesprächen mit verschiedenen anderen Regierungen und hoffen, bald weitere Liefervereinbarungen bekanntgeben zu können. Unser Ziel ist es, Menschen auf der ganzen Welt so schnell wie möglich einen sicheren und wirksamen COVID-19-Impfstoff zur Verfügung zu stellen“, sagte Ugur Sahin, Biontech-Gründer und Vorstandschef des Biotechunternehmens, das seit vergangenem Jahr an der amerikanischen Technologiebörse Nasdaq notiert ist.

          Im Juli soll groß angelegte Wirksamkeitsstudie starten

          Biontechs Impfstoffprogramm BNT162 umfasst vier Kandidaten. Im April war das Unternehmen hierzulande mit der ersten klinischen Studie gestartet. Kurze Zeit später folgte eine Studie in Amerika. Aus der dortigen Erprobung wurden kürzlich erste Ergebnisse veröffentlicht. Es wurde der Kandidat BNT162b1 in einer Studie der Phase I/II an 45 Probanden in verschiedenen Dosierungen getestet.

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          Insgesamt zeigten die vorläufigen Daten, dass die verabreichten Dosen gut vertragen wurden und eine dosisabhängige Wirksamkeit anhand der Antikörperkonzentration erreicht wurde. Auch zeigten die Daten, dass die Antikörpermengen vergleichbar oder sogar höher waren als die Mengen, die im Blutplasma von genesenen COVID-19-Patienten gemessen wurden. Am Montag folgten zudem erste positive Daten aus der Studie, die hierzulande durchgeführt wird.

          Noch im Juli, so hatten die beiden Unternehmen schon kürzlich mitgeteilt, könnte eine große angelegte Wirksamkeitsstudie der Phase IIb/III mit dem vielversprechendsten der vier Kandidaten mit etwa 30.000 Probanden beginnen. Vor kurzem erst hatte die amerikanische Zulassungsbehörde FDA zudem für zwei der vier in der klinischen Entwicklung befindlichen Impfstoffkandidaten den sogenannten Fast-Track-Status erteilt, also ein beschleunigtes Zulassungsverfahren.

          Sofern die klinischen Studien erfolgreich verlaufen, gehen die beiden Unternehmen davon aus, schon im Oktober 2020 eine Zulassung beantragen zu können. Abhängig von der Dosishöhe planen Biontech und Pfizer global bis Ende des Jahres bis zu 100 Millionen Dosen und bis Ende 2021 möglicherweise mehr als 1,3 Milliarden Dosen herstellen zu können.

          Auf der Welt arbeiten zig Unternehmen, Konzerne, Universitäten und Institute an einem Impfstoff gegen das Coronavirus. Die Weltgesundheitsbehörde WHO zählt rund 160 Projekte, von denen mehr als 20 schon in der Erprobung sind.

          Curevac findet neuen Kooperationspartner

          Auch das Tübinger Biotechunternehmen Curevac, in dem sich der deutsche Staat mit rund 300 Millionen Euro beteiligt hat, arbeitet an einer Corona-Impfung basierend auf den Botenstoffen mRNA. MRNA gilt als relativ schnell zu produzieren, allerdings ist bislang noch nie eine solche Impfung mit dieser genbasierten Technologie zugelassen worden.Auch Curevac testet seinen Impfstoffkandidaten schon in einer klinischen Studie und erwartet abhängig von dem Erfolg der Erprobungen, dass der Impfstoff Mitte 2021 auf den Markt kommen könnte.

          Am Montag teilte Curevac mit, nun mit dem britischen Pharmakonzern Glaxo-Smith-Kline (GSK) eine Kooperation geschlossen zu haben. Gemäß der Vereinbarung werde GSK sich mit umgerechnet rund 150 Millionen Euro in Curevac beteiligen, was einem knapp zehnprozentigen Anteil entspreche. Ziel der Kooperation seien bis zu fünf mRNA-basierte Impfstoffe und monoklonale Antikörper gegen Infektionskrankheiten.

          Corona-Impfstoff nicht Teil der Vereinbarung

          Es gehe demnach nicht um die bestehenden Entwicklungen gegen Corona und Tollwut. Beide Unternehmen bündelten viel mehr ihre mRNA-Expertise zur Bekämpfung einer Vielzahl von Erregern von Infektionskrankheiten, hieß es in der Mitteilung der Tübinger weiter.

          Die Briten werden demnach zusätzlich eine Einmalzahlung in Höhe von 120 Millionen Euro leisten. Weitere 30 Millionen Euro kommen außerdem hinzu, sobald Curevacs industrielle Produktionsanlage in Tübingen, die derzeit gebaut wird, die Zulassung durch die Behörden erhalten hat. Darüber hinaus winken Curevac mögliche Zahlungen für Entwicklungsmeilensteine von insgesamt bis zu 700 Millionen Euro sowie gestaffelte Lizenzgebühren für mögliche Produktverkäufe.

          „Wir freuen uns sehr über die Zusammenarbeit mit GSK. Auf Grundlage dieser Kooperation gewinnen wir einen Partner von Weltrang, dessen Expertise und globale Ausrichtung es uns ermöglicht, unsere Plattform auszubauen und auf dieser Basis mögliche Produkte für die ganze Welt zu entwickeln“, sagte Curevac-Vorstandschef Franz-Werner Haas.

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