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Mögliche Nebenwirkungen : Dämpfer für Biontech

Pfizer verringert kurzfristig die Lieferungen von Impfstoff seines deutschen Kooperationspartners Biontech an Deutschland und weitere europäische Staaten. Bild: AFP

Tote nach Impfungen: Norwegens Gesundheitsbehörde stuft die Zahl der Vorfälle als „nicht alarmierend“ ein. Währenddessen verringert Pfizer kurzfristig die Lieferungen des Impfstoffs an Deutschland.

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          Nach dem Corona-Impfstart richtet sich das Augenmerk der Welt auf mögliche Nebenwirkungen. Tatsächlich kursieren immer wieder Nachrichten von Toten „nach“ einer Impfung, obwohl ein Zusammenhang nicht erwiesen ist. In Norwegen haben nun die Gesundheitsbehörden vor Risiken für kranke Patienten über 80 Jahren gewarnt. Den Informationen zufolge sind bislang 23 Menschen im Land kurze Zeit nach ihrer ersten Impfdosis gestorben. 13 dieser Toten wurden untersucht – die Ergebnisse legen nahe, dass sie unter den üblichen Nebeneffekten einer Impfung litten. Diese Nebeneffekte sollen bei ihnen zu sehr schwerwiegenden körperlichen Reaktionen geführt haben. Die Rede ist von gebrechlichen älteren Personen.

          Christian Geinitz
          Wirtschaftskorrespondent in Berlin
          Thiemo Heeg
          Redakteur in der Wirtschaft.
          Roland Lindner
          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Schon eigentlich relativ milde Nebenwirkungen könnten bei dieser Gruppe zu ernsten Konsequenzen führen, betonte das norwegische Institute of Public Health. Für Menschen mit einer ohnehin noch kurzen Lebenszeit könne der Vorteil einer Impfung dann marginal oder irrelevant sein, hieß es. Die Empfehlung bedeutet nicht, dass junge und gesunde Menschen auf die Impfung verzichten sollten. Beobachter sehen sie aber als Indiz, worauf künftig die Verantwortlichen verstärkt zu achten haben.

          Die Impfstoffanbieter Pfizer und Biontech sagten in einer gemeinsamen Stellungnahme, sie seien über die gemeldeten Todesfälle in Kenntnis gesetzt worden und arbeiteten mit der norwegischen Gesundheitsbehörde zusammen. Die Unternehmen wiesen darauf hin, dass in Norwegen derzeit in erster Linie Menschen geimpft würden, die sehr alt und teilweise unheilbar krank seien. Die Gesundheitsbehörde stufe die Zahl der Vorfälle bislang als „nicht alarmierend“ und „im Rahmen der Erwartungen“ ein; es werde geprüft, ob ein Zusammenhang zu den Impfungen bestehe. Die Regierung erwäge derweil, ihre Impfanweisungen anzupassen und dabei den Gesundheitszustand von Patienten stärker zu berücksichtigen.

          Todesfälle auch in Deutschland

          Auch in Deutschland gibt es Personen, die nach Covid-19-Impfungen gestorben sind. Eine Sprecherin des zuständigen Paul-Ehrlich-Instituts macht aber darauf aufmerksam, dass aus dem „zeitlichen Zusammenhang“ noch kein ursächlicher abzuleiten sei. Die Wissenschaftler des Instituts weisen auf die ohnehin erhöhte Sterbewahrscheinlichkeit in einem gewissen Alter hin und stellen mit Blick auf die deutschen „Impftoten“ fest: „Das bedeutet, dass die beobachtete Fallzahl die erwartete nicht signifikant übersteigt.“

          Das Paul-Ehrlich-Institut hat zwischen dem Beginn der Kampagne am 27. Dezember und dem 10. Januar rund 614.000 Impfungen gezählt. In dieser Zeit wurden in 325 Einzelfallmeldungen 913 „unerwünschte Reaktionen“ geschildert. In 51 Fällen galten sie als „schwerwiegend“, das entspricht einer Quote von 0,08 je 1000 Impfungen. Eine der geimpften Personen erlitt einen bleibenden Schaden, sieben Menschen verstarben.

          Diese Personen, vier Frauen und drei Männer, waren zwischen 79 bis 93 Jahren alt und verstarben im zeitlichen Abstand von 2,5 Stunden bis zu vier Tagen nach der Impfung. Eine Patientin mit Bluthochdruck und Diabetes verstarb an einer Lungenembolie und Herzkreislaufstillstand. Bei den anderen Patienten ist die Todesursache noch unklar, aber alle hatten schwerwiegende Vorerkrankungen wie Karzinome, Niereninsuffizienz oder Alzheimer. Diese Leiden seien „vermutlich todesursächlich“ gewesen, teilt das Institut mit, weitere Informationen stünden aber noch aus.

          Schon die Genehmigung für den Impfstoff hatte die Europäische Arzneimittel-Agentur mit einer Reihe von Einschränkungen versehen. Aufgelistet wurde eine Reihe eigens benannter Risiken einer Impfung für bestimmte Personengruppen. Dazu gehören unter anderem Menschen mit Vorerkrankungen und weiteren gesundheitlichen Problemen. Zu den aufgeführten Gefahren gehören demnach mögliche anaphylaktische Reaktionen wie ein allergischer Schock, der nach der Einnahme von Medikamenten auftreten kann. Auch gebrechliche und immungeschwächte Patienten oder solche mit Autoimmunerkrankungen werden als Risikogruppen benannt.

          Produktion hinkt noch hinterher

          Unterdessen werden in Europa vorübergehend weniger Dosen des Impfstoffs ausgeliefert als zunächst geplant. Allerdings liegt der Grund dafür nach Darstellung von Pfizer darin, dass nun insgesamt in diesem Jahr mehr Impfdosen bereitgestellt werden sollen. Vor wenigen Tagen haben Pfizer und Biontech ihre Prognose von 1,3 Milliarden auf zwei Milliarden Impfdosen aufgestockt.

          Wie Pfizer nun mitteilte, sind dazu aber Anpassungen in der Produktionsstätte im belgischen Puurs nötig, in dem die Impfstoffe für den europäischen Markt und auch einige andere Regionen gefertigt werden. Dazu brauche das Unternehmen noch zusätzliche Genehmigungen von Regulierungsbehörden, und dies werde dazu führen, dass Ende Januar und Anfang Februar weniger Impfstoffe ausgeliefert werden könnten. Von Ende Februar an könnten dann aber die Auslieferungen erheblich aufgestockt werden.

          Am Freitag haben die hessischen Behörden die angestrebte Produktion von zusätzlichem Biontech-Impfstoff in Marburg genehmigt. Wie die Staatskanzlei in Wiesbaden mitteilte, gab das zuständige Regierungspräsidium in Gießen am Freitag die dafür nötige Erlaubnis für den Betrieb der Anlage. Das Mainzer Unternehmen Biontech hatte Anfang Dezember die Anträge für Umbau und Betrieb eines zuvor gekauften Werks in Marburg gestellt.

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