https://www.faz.net/-gqe-36wn

Biometrie : Der unverwechselbare Bürger

  • -Aktualisiert am

Mit biometrischen Daten im Personalausweis will Bundesinnenminister Otto Schily künftig verhindern, dass Straftäter mit gefälschten Papieren verschiedene Identitäten annehmen.

          Im Dezember stimmte der Bundestag dem zweiten Sicherheitspaket von Otto Schily zu. Der Personalausweis mit biometrischen Daten ist damit beschlossene Sache. Der Bundesinnenminister verspricht sich davon wirksamen Schutz gegen den beinahe schon sprichwörtlichen Terror.

          Sind die unverwechselbaren Merkmale der Bundesbürger im Ausweis erfasst, könnten Straftäter ihre Identität nicht mehr mit gestohlenen Papieren wechseln, glaubt Schily. Bei Ausländern, die für ihre Einreise nach Deutschland ein Visum benötigen, sollen künftig ebenfalls biometrische Merkmale erfasst werden.

          Mehrere Verfahren denkbar

          Schlugen die Datenschützer anfangs Alarm, so scheinen die Wogen vorerst geglättet. Joachim Jacob, Bundesbeauftragter für Datenschutz, hat „keine Bedenken.“ Grund: Der Entwurf sieht vor, dass es keine zentrale Datenbank geben wird, in der die biometrischen Daten gespeichert werden. Die Merkmale sollen statt dessen verschlüsselt auf dem Ausweis abgelegt werden - und damit im Besitz des Bürgers bleiben.

          In welcher Form die Daten gespeichert werden, Strichcode oder Smartcard, ist noch ungeklärt. Ebenso wie die entscheidende Frage, welche unverwechselbaren Merkmale des Menschen registriert werden sollen. Voraussichtlich der Fingerabdruck, alternativ oder zusätzlich kommen aber auch Iris, Stimme, Gesichtsform oder die Geometrie der Hand in Frage.

          Iris-Erkennung sehr teuer

          Die einzelnen Verfahren unterscheiden sich in Benutzerfreundlichkeit, Kosten, Genauigkeit und Erkennungsgeschwindigkeit. Als äußerst präzise, zugleich aber auch sehr teure Methode gilt die Iris-Erkennung. Günstiger und praktikabler ist die zur Verbrechensaufklärung seit langem eingesetzte Überprüfung des Fingerabdrucks. Entscheiden wird der Bundestag. Wann, auch das sei noch unklar, so ein Sprecher des Bundesinnenministeriums.

          Die Erkennung folgt bei allen Verfahren demselben Prinzip: Bei der einmaligen Registrierung des biometrischen Merkmals werden die Daten zu einem so genannten Template reduziert. Es beschreibt die charakteristischen Punkte des Merkmals und ihre Lage zueinander - beim Fingerabdruck die Linien, Kreuzungen und Bögen der Hautrillen („Minutien“). Bei der Überprüfung einer Person werden die aktuellen Messwerte mit den Referenzdaten verglichen.

          Einstellige Fehlerquote

          Das Problem: Kein Template stimmt exakt mit einem anderen Template derselben Person überein. Ausschlaggebend können Druck und Winkel sein, mit dem der Finger auf den Sensor gelegt wird. Auch kleinere Wunden oder Krankheiten verändern das Fingerbild. Letztlich entscheidet ein mathematischer Algorithmus darüber, ob die Ähnlichkeit zwischen aktuellem und abgelegtem Fingerbild zur Bestimmung einer Person ausreicht.

          Die Quote, mit der rechtmäßige Personen per Fingerabdruck nicht erkannt oder unrechtmäßige akzeptiert werden, bewegt sich Experten zufolge im einstelligen Prozentbereich. Bei Anwendungen für einen kleinen Personenkreis mag das angehen. Bei Millionen von Grenzübertritten pro Jahr bedeutet das allerdings mehrere Hunderttausend Fehlermeldungen. Unbescholtene Bürger müssten sich mit dieser Unannehmlichkeit abfinden. Die Alternative: Der mathematische Toleranzwert wird - auf Kosten der Sicherheit - gesenkt.

          Keine hundertprozentige Sicherheit

          „Kein biometrisches Verfahren für sich kann eine hundertprozentige Erkennung leisten“, weiß Henning Arendt, Leiter des vom Wissenschaftsministerium geförderten Biometrie-Projekts BioTrusT. So gebe es Menschen, die keine Minutien besitzen - und damit keinen charakteristischen Fingerabdruck. Massentaugliche Anwendungen müssten daher verschiedene biometrische Verfahren kombinieren, sagt Arendt. Das wiederum erhöht freilich die Kosten.

          Wie sicher biometrische Systeme vor Angriffen von außen sind, lässt sich derzeit nicht abschätzten. Schließlich wurde ihr Einsatz bisher nur unter idealen Laborbedingungen oder in kleineren Personengruppen getestet. Eines aber ist gewiss: Vor „Schläfern“ schützt auch der biometrische Personalausweis nicht. Schließlich verraten weder Fingerabdruck noch Gesicht etwas über die Absichten einer Person.

          Weitere Themen

          Hardware-Nachrüstung für Diesel funktioniert Video-Seite öffnen

          Geprüft vom ADAC : Hardware-Nachrüstung für Diesel funktioniert

          Der ADAC Württemberg hat die letzten sechs Monate untersucht, wie sich die Nachrüstung von Hardware auf die Funktions- und Leistungsfähigkeit auswirkt. Die Ergebnisse zeigen: Nachrüstungen funktionieren.

          Hat jeder einen Doppelgänger?

          Tatort-Sicherung : Hat jeder einen Doppelgänger?

          Im aktuellen „Tatort“ aus Münster müssen Boerne und Thiel den Mörder von Staatsanwältin Klemm finden – zumindest den ihres Doubles. Doch wie wahrscheinlich sind Doppelgänger eigentlich?

          Topmeldungen

          Drängt er sich auf? James muss beim FC Bayern noch Überzeugungsarbeit leisten.

          Bayern München : Das seltsame Casting des James Rodriguez

          In München fragt man sich immer noch, ob aus James ein richtiger Bayer wird. Der Kolumbianer spielt als Leihspieler weiter zur Bewährung. Ein Weg zurück nach Madrid scheint freilich ausgeschlossen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.