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In den 1990er Jahren : Die brotlosen Jahre der Sahra Wagenknecht

  • -Aktualisiert am

Sahra Wagenknecht, Jahrgang 1969, Mitte der neunziger Jahre: Nach der Wende hatte sie mehr Appetit auf Bücher als auf Nahrung. Bild: OSTKREUZ - Agentur der Fotografen

Mit 30 hat Sahra Wagenknecht einen Abschluss als Philosophin, aber keinen Plan; weder persönlich noch politisch. Ihre Rettung ist ein Studium der Ökonomie, schreibt Christian Schneider in seiner neuen Biographie. Ein Vorabdruck.

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          Die Frage, wofür man lebt, lässt sich manchmal von der, wovon man lebt, nur schwer trennen. Frühzeitig schon hatte sich die junge Sahra Wagenknecht an ein spartanisches Leben gewöhnt - und profitiert davon auch noch Mitte der 1990er Jahre. Rund um die Wende hatte sie, abgekapselt von der Welt, mehr Appetit auf Bücher als auf Nahrung. Ein Rückzug vom Leben, das aus dem Ruder zu laufen schien.

          Der Zusammenbruch der DDR, das Ende des sozialistischen Experiments, die begeisterte Zustimmung vieler zum "kapitalistischen Westen", der unverkennbare Opportunismus alter Kader - das alles wollte Sahra Wagenknecht nicht wahrhaben und nicht wahrnehmen. Der tiefe Blick in die Bücher war zugleich ein Augenverschließen vor der Realität. Heute kann sie sich eingestehen, dass sie damals an "Zukunftsangst" litt. Und nicht nur, was die politische Weltlage anging. Sondern auch ihre persönliche Situation betreffend: Sollte sie mit 30 immer noch von Nachhilfestunden leben?

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