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Billigtochter : Post schließt Discounter First Mail

Das Geschäftsmodell von First Mail steht vor dem Aus Bild: dpa

Nach einem Gerichtsurteil gegen die Niedrigpreisstrategie des Düsseldorfer Briefunternehmens bereitet die Deutsche Post die Abwicklung der Tochtergesellschaft vor.

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          Das Schicksal von First Mail, der Billigtochtergesellschaft der Deutschen Post, ist offenbar besiegelt. Nach dem Urteil des Oberverwaltungsgerichts (OVG) Münster gegen die Niedrigpreisstrategie des Düsseldorfer Briefunternehmens bereitet der Konzern die Abwicklung vor. Aus der Branche ist zu hören, dass das Unternehmen, das insgesamt rund 1600 Menschen beschäftigt, zum Jahreswechsel geschlossen werde. Viele Mitarbeiter hätten sich deswegen schon bei anderen Anbietern beworben, und mit der Gewerkschaft seien erste Gespräche über eine sozialverträgliche Lösung für die Beschäftigten aufgenommen worden.

          Helmut Bünder

          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Ein Sprecher der Deutsche Post AG widersprach. Es gebe noch keinen Beschluss, wie es mit First Mail weitergehe. Doch indirekt bestätigte er, dass der Ausstieg geprüft wird. "Wir sehen auch, dass die Bedingungen im Markt nach dem OVG-Urteil deutlich schwieriger werden. Wir werden die Entwicklung im Auge behalten und daraus die notwendigen Schlussfolgerungen ziehen", sagte der Sprecher. Schon in den kommenden Tagen muss die Post die Tarife ihrer Düsseldorfer Tochtergesellschaft auf das Niveau der Konzernmutter anheben. Viele preissensible Kunden dürften sich dann nach einem anderen Anbieter umsehen. Konkurrenten begrüßen die Entwicklung. TNT Post Deutschland, der größte Rivale des Bonner Ex-Monopolisten, sieht nun die Chance, dass sich ein "freier und fairer Wettbewerb" auf dem deutschen Briefmarkt einstellen wird.

          Die Post hatte First Mail im Jahr 2004 eigens gekauft, um im Niedrigpreissegment mithalten zu können. Im Ruhrgebiet, im Raum Düsseldorf und in Berlin konkurriert das Unternehmen mit der privaten Konkurrenz um die Sendungen von Behörden und Unternehmen. Um die Kosten zu drücken, werden die Mitarbeiter von First Mail deutlich schlechter bezahlt als im Mutterkonzern. Trotzdem schreibt das Unternehmen seit Jahren Verluste, die von der Post aufgefangen werden müssen. Die Bundesnetzagentur hatte die Discountstrategie im Juni deshalb als Verdrängungswettbewerb eingestuft und eine Anhebung der Tarife auf die für die Post geltenden Preisuntergrenzen angeordnet. First Mail sei als Teil des Konzernverbundes zu betrachten und unterstehe ebenso wie die marktbeherrschende Muttergesellschaft der Missbrauchsaufsicht.

          Zwei Gerichte haben der Aufsichtsbehörde inzwischen recht gegeben, so dass die Post an der Preiserhöhung nicht mehr vorbeikommt. Damit hat sich das Geschäftsmodell von First Mail erledigt. Lange warten werde man nicht, eine Entscheidung sei sehr kurzfristig zu erwarten, verlautete aus Konzernkreisen. Zumindest die rund 900 Auszubildenden des Unternehmens brauchen sich um ihre Zukunft keine Sorgen zu machen. Schon vor dem OVG-Urteil hatte sich die Post mit der Gewerkschaft Verdi darauf verständigt, die Verträge der Nachwuchskräfte wieder auf den Konzern zu übertragen. Viele andere Mitarbeiter haben nur befristete Anstellungsverhältnisse und dürften kaum bei der Post Unterschlupf finden, wenn sie die Reißleine bei First Mail ziehen sollte.

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