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Billigflieger : Lieber billig statt in letzter Minute

  • -Aktualisiert am

Ryanair-Passagiere können künftig auch am neuen italienischen Drehkreuz in Bergamo umsteigen Bild: dpa

Die Ära der Last-Minute-Angebote könnte bald zu Ende gehen. Die Billigflieger drängen auf den Markt. Auch große Airlines schauen bei Ryanair einiges ab.

          „Wie rechnet sich das überhaupt?“, wird Ryanair-Chef Michael O'Leary gefragt, als er am spanischen Flughafen Gerona verkündet, dass der Billigflieger den spanischen Markt mit ins Streckennetz integriert. Betritt die irische Fluggesellschaft einen neuen Markt, wundern sich stets die Kunden. Doch für O'Leary ist alles eine Frage der Kalkulation und der Beschränkung auf das Wesentliche.

          Indem sich Ryanair auf einen Flugzeugtyp, die Boeing 737 beschränke, sinken die Instandhaltungskosten, hebt O'Leary hervor. Die Buchung übers Internet und Call Center machen Provisionen an Reisebüros überflüssig. Ausgewählt werden nur Flughäfen mit niedrigeren Start- und Landegebühren, Getränke und Verpflegung an Bord gibt es nur gegen Bezahlung.

          Gestaffeltes Preissystem der Billigflieger

          Dass die niedrigen Preise häufig nur Lockangebote sind, weist der Ryanair-Chef zurück. „Für 70 Prozent eines Fluges garantieren wir die zwei niedrigsten Tarife“, sagt O'Leary. Für einen Flug von Hahn nach Mailand-Bergamo beginnt dies bei 9,99 Euro, nach London-Stansted bei 19,99 Euro. Nach Einschätzung von Branchenkennern reservieren die Billigflieger meist zehn Prozent des Kontingents für die beworbenen Angebote und geben das Gros zu höheren Preisen weg. Ungefähr drei Wochen vor dem Flugtermin steigen auch bei Ryanair die Preise.

          Die Tendenz ist klar. Immer mehr Kunden sichern sich durch rechtzeitiges Buchen günstige Flüge. Das Billigflieger wachsen mit Raten von 20 bis 30 Prozent, während die Nachfrage bei kurzfristigen Urlauben stagniert. „Das ganze Last-Minute-System ist in Frage gestellt“, sagt Jörg Schumacher, Geschäftsführer der Flughafengesellschaft Frankfurt-Hahn. Mit 2,5 Millionen Passagieren rechnet der Flughafen im Hunsrück bereits im kommenden Jahr. Bevor Ryanair den Hunsrück anflog, flogen im Jahr etwa 20.000 Passagiere ab Hahn. Die Terminals in Hahn und die Werbeflächenvermietung werfen bereits Gewinn ab. Die Konkurrenz des zweiten großen Billigflughafens in Köln-Bonn fürchtet Schumacher nicht. Mit einem neuen Pendelbus, der ab Mitte November ab dem Kölner Hauptbahnhof verkehren soll, will sich Hahn auch in Rhein-Ruhr stärker positionieren.

          Auch große Airlines schauen sich einiges bei Ryanair ab

          Dass der Billigfliegermarkt weiter wächst, ist der Ire überzeugt: „Die Reisebranche hat seit Jahren hohe Zuwachsraten. So lange wir neue Ziele anbieten, wird auch die Nachfrage nach billigen Flüge weiter steigen“. Obwohl der europäische Markt kleiner sei als der amerikanische, seien die Wachstumsraten höher. „In Europa fliegt man eher mal übers Wochenende weg für einen Kurzurlaub, zum Shopping oder macht Geschäfte“, prognostiziert der Ryanair-Chef.

          Die Luftverkehrsbranche mit zahlreichen Billigflugkonkurrenten - seit September Germanwings, ab Dezember Hapag-Lloyd-Express - steht im kommenden Jahr vor weiteren Veränderungen. Traditionelle Gesellschaften wie der Lufthansa überdenken ihre Geschäftsmodelle und schauen sich einiges bei den Billigfliegern ab. So hat die Lufthansa jetzt beschlossen, mehr Sitze in innerdeutsche Flugzeuge zu packen, um die Auslastung zu erhöhen. Auch am Boden geht der Trend zu niedrigeren Tarifen bei frühzeitiger Buchung. Ab Dezember wird auch bei der Deutschen Bahn derjenige belohnt, der sich früh für ein Ticket entscheidet und nicht in letzter Minute auf den Zug aufspringt.

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