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Billigflieger : Fehlstart nicht ausgeschlossen

  • Aktualisiert am

Der neue Hoffnungsträger von TUI Bild:

Große Ziele hat TUI mit dem neuen Billigflieger. Doch ob Hapag-Lloyd Express wirklich das Zeug zum Himmelsstürmer hat, wird bezweifelt.

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          In Deutschland ist der Billigflieger-Boom ausgebrochen. Recht spät, aber nicht unerwartet steigt nun auch die TUI ins Geschäft ein. Nach der Preisoffensive der Lufthansa am Dienstag schickt TUI jetzt Hapag-Lloyd Express ins Feld gegen Ryanair, Easyjet und Co.

          Kampfpreise ab zehn Euro für einen innerdeutschen Flug sowie ab 25 Euro für einen europäischen sollen die zunächst acht Maschinen mit 1,3 Millionen Passagieren schon im ersten Jahr füllen. TUI-Chef Michale Frenzel verlangt nicht weniger als die Marktführerschaft in Deutschland und kündigt den Break-even für „spätestens 2004“ an.

          Teurer Ausflug

          Analysten bewerten den Einstieg der TUI ins Billigflieger-Geschäft allerdings kritisch. Angesichts der tiefroten Zahlen, die TUI gerade bekannt gegeben hat, stellt sich die Frage, ob der Konzern sich Hapag-Lloyd Express in der momentanen Situation überhaupt leisten kann. Immerhin will TUI 100 Millionen Euro in den Aufbau des Billigfliegers investiren.

          Gegen die alten Hasen durchsetzen

          „Low-Cost klingt immer ganz nett, aber ich bin nicht davon überzeugt“, sagt Klaus Linde, Analyst bei SES-Research. Die TUI sei durch Schulden und die negativen Zahlen stark belastet, dazu komme noch, dass Hapag-Lloyd Express in den ersten beiden Jahren vermutlich eher ergebnisbelastend wirke.

          Skepsis herrscht auch wenn es darum geht, ob die TUI ihr Ziel erreichen kann, Marktführer im Geschäft mit den Low-Cost-Fliegern zu werden. TUI werde es schwer haben, sich gegen so alte Hasen wie die irische Ryanair durchzusetzen, schätzt Analyst Linde. Ob TUI ihre Ziele erreichen kann, hänge maßgeblich von der Kostenstruktur ab.

          TUI ist kein Spezialist

          Auch Volker Stoll, Analyst bei der Baden-Württembergischen Bank steht der neuen Billigairline skeptisch gegenüber: „Der Markt sollte von einem Spezialisten penetriert werden; ob sich die TUI behauptet, muss abgewartet werden“. Klaus Linde hat noch weiter gehende Bedenken in Bezug auf die Entwicklung der TUI: „Der Konzern baut im Moment sehr auf die Zukunft. Die zukünftigen Buchungszahlen sind aber maßgeblich von der weltpolitischen Entwicklung abhängig.“ Bei drohender Kriegsgefahr im Irak könne von jetzt auf gleich die gesamte Kalkulation wieder durcheinander geraten.

          Wachsende Bedeutung von Köln/Bonn

          Zu behaupten scheint sich hingegen der Flughafen Köln/Bonn als Stützpunkt für die Billigflieger. Neben Hapag-Lloyd Express will die Lufthansa-Beteiligung Eurowings im Laufe dieses Jahres ihre Billigtochter Germanwings dort abheben lassen und auch Virgin Express will ab Dezember Köln ansteuern. „Der Kölner Flughafen ist nicht voll ausgelastet, hat niedrige Kosten und liegt in der Nähe mehrerer großer Städte“, sagt Jürgen Pieper, Analyst des Bankhauses Metzler. Im Einzugsbereich des Flughafens wohnen immerhin 16 Millionen Menschen. Dagegen nahm die Passagierzahl im vergangenen Jahr um neun Prozent ab - Platz für weitere Flieger ist also allemal.

          Gehobener Billigflieger

          Wie um den Billigflieger-Boom zu unterstreichen, kündigte am Donnerstag ein weiteres Unternehmen seinen Start an: Mit der Marke „BerlinJet“ will die unabhängige BJ Flugreisen GmbH ab 16. September Billigflüge für Geschäftsreisende zwischen Frankfurt/Main und Brüssel starten. Tickets für den einfachen Flug sollen nach einer Einführungsaktion für 55 Euro zwischen 89 und 280 Euro plus Steuern und Gebühren kosten. Noch in diesem Jahr will die unabhängige Gesellschaft weitere Strecken ansteuern. Zwischen Frankfurt und Brüssel eingesetzt werde ein 30-sitziger Jet. An Bord soll es eine Mahlzeit und kostenlose Getränke geben.

          Bei so vielen Neugründungen äußerte eine andere Interessensgruppe schon mal Bedenken: Die Pilotenvereinigung Cockpit warnte vor einer Aushöhlung sozialer Standards bei Beschäftigten von Billigfliegern.

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