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Billigflieger : Den Preiskampf gewinnen die Kunden

Klein, aber viel genutzt: Flughafen Hahn im Hunsrück Bild: airport hahn

Um die lukrativen Flugverbindungen von Frankfurt und Köln/Bonn nach Berlin ist ein Preiskampf ausgebrochen. Gewinner ist der Kunde.

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          Der Neueinsteiger Germania macht Lufthansa auf besonders interessanten Strecken Konkurrenz. Die in Berlin beheimatete Fluggesellschaft fliegt seit Anfang November mit ihren Shuttle-Flügen von Frankfurt nach Berlin und neuerdings auch vom Flughafen Köln/Bonn in die Hauptstadt auf dem Erfolgskurs. Zu haben ist die einfache Strecke schon für 55 Euro.

          Monika Ganster

          Redakteurin vom Dienst bei FAZ.NET.

          Ein Preis, der üblicherweise strengste Auflagen beinhaltet, die sich im Fall von Germania aber auch mit Geschäftsreisen vertragen: Die Tickets sind für 22 Euro pro Strecke umbuchbar, drei Monate gültig und ein Mindestaufenthalt ist auch nicht vorgeschrieben. Nur ein komplettes Storno schließen die Berliner aus. Das Angebot Richtung Hauptstadt ist derart günstig, dass sogar die Bahn missmutig auf die Konkurrenz schaut. Mehr noch: Sie prüft ein zivilrechtliches Verfahren wegen Wettbewerbsverzerrung , da mit 55 Euro Germania keine Kostendeckung auf der Strecke erreichen könne. Eine Bahnfahrt 2. Klasse mit Bahncard-Ermäßigung kostet ja bereits mehr.

          LH ist günstig nur übers Wochenende

          Lufthansa, die schon in München mit Preissenkungen erfolgreich den Low Cost Carrier Go vertrieben hat, hält nun auch in Richtung Berlin mit erstaunlichen Preissenkungen gegen den neuen Wettbewerber. Allerdings mag sich die Kranich-Airline nicht von den guten Einnahmen der Geschäftskunden trennen - unter der Woche sind kaum nennenswerte Ermäßigungen zu erhalten, Mindestaufenthalt und eine Woche Vorausbuchungsfrist können sich nur Urlauber leisten. Übers Wochenende kommt man derzeit jedoch schon für 138 Euro mit der Lufthansa in die Hauptstadt - von Frankfurt und Köln aus.

          Doch ist ungewiss, wie lange diese Sonderangebote halten: Germania fühlt sich von der LH unter Druck gesetzt und klagt beim Bundeskartellamt gegen deren Verdrängungswettbewerb. Nach eigenen Angaben würden sie lieber heute als morgen zu einem Preis von 99 Euro pro Strecke zurückkehren. Vorläufig gilt der Sonderpreis von 55 Euro nur bis Jahresende.

          Neu bei Ryanair: Umbuchungen sind möglich

          Die irische Fluggesellschaft Ryanair, der Platzhirsch unter den Low Cost Carriern, hat seine Offensive mit dem Ausbau vom Flughafen Hahn im Hunsrück zum zweiten Drehkreuz auf dem europäischen Festland begonnen. Zehn Ziele werden derzeit von dort angeboten, alle einfachen Strecken kosten 39 Euro ohne Gebühren: London, Glasgow und Bournemouth in Großbritannien, Shannon in Irland, Montpellier und Perpignan in Frankreich, Oslo in Norwegen, Mailand und Pescara in Italien. Auch Ryanair kommt Geschäftsreisenden entgegen: seit einer Woche können Tickets für 25 Euro pro Strecke umgebucht werden.

          Die Ausweitung von Ryanair kommt nicht von ungefähr: Chef Michael O´Leary kaufte eine Reihe jener Flugzeuge günstig ein, die die etablierten Fluggesellschaften nach dem 11. September stillgelegt hatten. Ihr Erfolg ruht unter anderem auf der personalsparenden Internetbuchung, am Vertrieb wird gespart. Heute buchen 80 Prozent der Kunden übers Internet (www.ryanair.com), der Rest mit dem Telefonhörer in der Hand, bestätigt Michael O´Leary, CEO von Ryanair. Die Anreise dauert mit anderthalb Stunden ab Frankfurt deutlich länger als zum Flughafen in der Bankenmetropole, aber kostenlose Parkplätze und äußerst verlockende Sonderangebote überzeugen immer mehr Controller, dass auch Geschäftsreisenden ein Umweg zugemutet werden kann.

          Sabena-Nachfolger DAT mit Sonderangeboten

          Kämpfen müssen auch die neuen Fluggesellschaften am europäischen Himmel. Ganz neu sind DAT und Crossair natürlich nicht, doch die bislang weniger bekannten regionalen Airlines beerben ihre bankrotten Mütter. Der Zusammenbruch der Sabena in Belgien brachte DAT den Aufwind, und Crossair muss sich in der Schweiz an einem so gestandenen Namen wie der Swissair messen lassen. Eine unglückselige Pannenserie macht das Vorhaben der Eidgenossen allerdings nicht einfacher.

          Um ihre leeren Plätze zu füllen fliegt DAT bis Ende März ihre Gäste für 100 Euro in der Economy-Class zu all ihren europäischen Zielen (in Deutschland: Berlin, München, Hannover und Hamburg, buchbar unter www.dat-airlines.com). Und Crossair bietet im Internet Sonderpreise (Web Specials) und sogar Last-Minute-Preise ab Deutschland, buchbar jeweils ab Freitag 12 Uhr, unter www.crossair.ch

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