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Billigflieger : Blitzschlag für Ryanair

Die Anweisungen für einen Notfall haben die Passagiere immer im Blick: Im August mussten an einem Wochenende drei Ryanair-Flugzeuge notlanden Bild: dpa

76 Millionen Passagiere haben 2011 die Billigfluggesellschaft Ryanair genutzt. Berichte über Kerosinmangel und Notlandungen nagen nun am Ruf. Dabei steht der entscheidende Kampf um Marktanteile in Deutschland sogar noch aus.

          Dunkle Gewitterwolken türmen sich über Madrid, auf Mallorca ist es trocken. Der Pilot plant seinen vierter Flug an diesem Donnerstag im Juli. In Madrid ist er an Bord gegangen, war im belgischen Charleroi, wieder in Madrid, steht nun auf Mallorca, es soll zurück nach Madrid gehen. Alltag für einen Ryanair-Kapitän. Er lässt die Tanks auf 6500 Kilogramm Kerosin füllen, das soll genug sein für den Flug in die spanische Hauptstadt - und auch für ein mögliches Ausweichen nach Valencia. 5887 Kilogramm dürften unter normalen Umständen reichen, aber es türmen sich ja dunkle Wolken. Dass es am Ende verdammt knapp wird für Flug FR 2054 ahnt er wohl noch nicht.

          Timo Kotowski

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Nach dem Start fliegt die Boeing 737-800 geradezu auf Madrid. Das Wetter wird schlechter. Der Kapitän nimmt seinem ersten Offizier die Steuerung ab. Windwarnung. Der Pilot kehrt um. Ein Blitz trifft das Flugzeug, Warnmeldung im Cockpit. Das Kerosin ist zu fast 60 Prozent aufgebraucht, als das Flugzeug Kurs auf Valencia nimmt. So steht es im Bericht der irischen Luftfahrtaufsicht IAA, die die Crew von Ryanair-Flug FR 2054 befragte, warum sie am 26. Juli letztlich wegen Treibstoffmangels Alarm schlagen musste.

          Listen in Reihe des Treibstoffverbrauchs

          Die Piloten sagten den Ermittlern, dass beim ersten Funkkontakt mit Valencia „der Fluglotse überlastet schien und auf mehrere Anfragen nicht antwortete“. In der Öffentlichkeit herrscht hinterher der Eindruck, Ryanair tanke immer besonders sparsam. Der Sprecher der Pilotenvereinigung Cockpit Jörg Handwerg berichtet von „psychologischem Druck“ auf Piloten des Billigfliegers, nicht zu viel Treibstoff mitzunehmen. Denn jedes Kilogramm mehr an Bord erhöht auch den Verbrauch. Bei Ryanair sei es „Praxis, Listen auszuhängen, auf denen Piloten in der Reihenfolge ihres Treibstoffverbrauchs aufgelistet werden.“

          Als Flug FR 2054 am Abend des 26. Juli in die Warteschleife geschickt wird, funkt der Kapitän „Mayday“. Nach der Landung hat er noch 1029 Kilogramm Kerosin an Bord, die Mindestreserve für 30 weitere Flugminuten hätte 1104 Kilogramm betragen. Die irischen Ermittler kommen aber zu dem Schluss, dass zum Start ausreichend Treibstoff im Tank war - kein Fehlverhalten von Ryanair. Dennoch ist FR 2054 vom 26. Juli einer von drei Flügen, die Europas größte Billigfluggesellschaft und ihren exzentrischen Vorstandsvorsitzenden Michael O’Leary aus der Rolle des Angreifers in Verteidigungsposition gebracht haben.

          Das Arbeitstier von Ryanair. Die Flugzeuge vom Typ Boeing 737-800 fliegen mehrmals am Tag

          Dass in einem Flugzeug der Kraftstoff knapp wird, ist selten. Dass es gleich drei Flugzeuge einer Gesellschaft an einem Tag trifft, ist mehr als außergewöhnlich. Drei außerplanmäßige Landungen an einem August-Wochenende - wegen Wetterkapriolen, „möglichen Triebwerksproblemen“ und „leichten technischen Problemen“, wie Ryanair mitteilt - fördern den Eindruck, dass der Billigflieger doch eher eine Pannen-Fluggesellschaft ist.

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