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Billig-Langstrecken : Wie Lufthansa Urlauber-Fernflüge aufpolieren will

Flugzeuge der Lufthansa-Tochtergesellschaft Eurowings in Düsseldorf Bild: dpa

Ferienflüge zu anderen Kontinenten gelten als Wachstumsfeld, doch nur wenige Airlines verdienen damit Geld. Lufthansa hat nun einen neuen Plan – dazu soll auch ein neuer Markenname gehören.

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          In der Luftfahrt gilt ein ungeschriebenes Gesetz: Je länger die Strecke, desto höher das Prestige. Für Piloten gilt das im Besonderen. Auf Fernflügen ist für sie ein Rest Luftfahrtromantik erhalten geblieben, während innerhalb Europas im Taktplan zwischen Städten gependelt wird. Doch was einerseits als Königsklasse des Fliegens gilt, kann andererseits teuer werden. Wenn man nicht vorsichtig arbeite, sei mit Langstreckenflügen ein Minus in zweistelliger Millionenhöhe je Flugzeug und Jahr möglich, heißt es in Branchenkreisen. „Mancher schafft das auch“, wird frotzelnd nachgeschoben.

          Timo Kotowski

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Umso beachtlicher ist, dass die Debatte um Chancen im Billig-Langstreckenflug auflebt. Die Deutsche Lufthansa steht offenbar vor einem neuen Anlauf, dieses Segment vom Zuschussgeschäft zum Gewinnbringer zu wandeln. Der vorherige Anlauf mit Urlauber-Fernstrecken unter der Marke Eurowings war verlustreich. Nun soll offenbar ein neuer Name her, berichtet die „Wirtschaftswoche“ über einen möglichen Plan für 2020. Der Name Eurowings bliebe dann nur für kurze und mittelere Distanzen erhalten.

          Offiziell äußert sich der Konzern nur vage. Man sei schon „einer der größten Anbieter für Urlaubsreisen in ganz Europa.“ Die Nachfrage in diesem Bereich steige stark. „Daher ist es nur konsequent, eine zusätzliche Produktlinie in Frankfurt und München anzubieten“, sagt ein Lufthansa-Sprecher. „Darüber hinaus kommentieren oder bestätigen wir keine Medienspekulationen zu Namen oder Zeitpunkten.“

          „Purple Moon“ und „Project Ocean“

          Intern sollen Pläne für Langstreckenflüge, die mit günstigen Ticketpreisen und dennoch Profiten verbunden sind, unter dem Projektnamen „Purple Moon“ reifen. Bislang sind die unter dem Namen Eurowings angebotenen Flüge in die Karibik und nach Thailand ein weniger ruhmreiches Geschäft. Deshalb hatte man sich gerade daran gemacht, unter dem Codenamen „Project Ocean“ die Eurowings-Langstreckenflüge neu zu ordnen. Lange wurde die Billigmarke  von den Drehkreuzen Frankfurt und München fern gehalten, die sollten Domäne der Kernmarke Lufthansa bleiben. Diese Grundsatz wurde aufgegeben.

          Seit Beginn des Winterflugplans heben sieben der elf Eurowings-A330-Flugzeuge von Frankfurt und München aus ab. „Der Start der Langstrecken in Frankfurt und München, die Lufthansa in Kooperation mit Eurowings anbietet, verlief erfolgreich. Wir werden diese Aktivitäten weiter ausbauen“, sagt der Sprecher. Damit wächst die Konkurrenz zum Ferienflieger Condor. Dabei sieht sich dessen Chef Ralf Teckentrup aktuell als einzigen hiesigen Anbieter, der mit günstigen Tickets für Karibikstrecken Geld verdient.

          Auch TUI Fly fliegt wieder weit

          Doch die Zukunft von Condor ist noch ungeklärt. Die Gesellschaft aus dem insolventen Thomas-Cook-Konzern will bis Ende März mit Investoren handelseinig sein. Vorerst fliegt Condor mit der Hilfe eines staatlichen Überbrückungskredits, der im Frühjahr zurückgezahlt werden muss. In der Zwischenphase wachsen Begehrlichkeiten. Denn auch TUI Fly hat angekündigt, nach knapp 20 Jahren Pause wieder Langstreckenflüge aufzunehmen. 

          Im Herbst 2020 soll es bei TUI mit zunächst zwei Boeing-787-Dreamlinern losgehen, danach soll die Langstreckenflotte auf fünf Jets wachsen. Das ist zu wenig, um Condor zu ersetzen. Doch das will der Reisekonzern aus Hannover auch nicht. Vornehmlich sollen TUI-Urlaubskunden zu Hotels und Kreuzfahrtschiffen in die Ferne gebracht werden. Das macht keinen Condor-Flug überflüssig, kann dort aber die wenigen entscheidenden Prozentpunkte in der Auslastung nehmen, die den Ausschlag geben, ob eine Strecke ein gutes Geschäft ist oder nicht. Auch Eurowings - oder eine künftig neue  Lufthansa-Marke - buhlt um Fernreise-Urlauber.

          Mit Blick auf Geschäftsreisende haben sich Billig-Fernflüge als schwierig erwiesen. Arbeitgeber wünschen, dass ihre Mitarbeiter einsatzfähig statt erschöpft am Ziel ankommen. Deshalb gibt es die Bereitschaft, für Geschäftsreisen zu fernen Zielen höhere Ticketpreise zu zahlen. Die Strategie, mit knappem Sitzabstand und weniger Service niedrige Ticketpreise zu ermöglichen - ist im innereuropäischen Verkehr Alltag. Auf Interkontinentalstrecken geht sie nicht so leicht auf.  Die Gesellschaft Norwegian, europäischer Vorreiter im Billigfernflug, hält sich durch Streckenstreichungen und Finanzspritzen. Der Erfolg von günstigen Fernflügen dürfte vom Reiseziel abhängen. In die Karibik fliegen preisbewusste Pauschalurlauber, und das Flugangebot für sie wird zur Kampfzone der Branche.

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