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Bill Gates und Warren Buffett : Die großen Stifter

Bill Gates und Warren Buffett Bild: dpa

Bill Gates und sein Freund Warren Buffett schwingen sich zu Welt-Philantropen auf. Einen großen Teil ihrer Vermögen lassen sie in Gates' Stiftung fließen. Erfolgreich trommeln sie dafür, dass andere vermögende Menschen in Amerika es ihnen gleich tun.

          Bill Gates ist ein beeindruckender Mensch. Dabei ist Gates, geboren im Oktober 1955 im amerikanischen Seattle, ein unscheinbarer Typ. Er ist nicht groß. Er sieht nicht besonders gut aus, und seine Stimme es eher heiser als durchdringend. Wer ihm begegnet, ohne zu wissen, wer er ist, wird nicht sogleich fasziniert sein. Auch wer ihm eine Weile zuhört, hat den Eindruck, eher einem hellwachen Teenager gegenüberzusitzen, der mit großen Augen die Welt entdeckt, als dem für lange Zeit reichsten Menschen der Welt, dem Mitbegründer des weltgrößten Softwarekonzerns Microsoft. Gates gibt sich durch sein Verhalten nicht so einfach als der Mann zu erkennen, der durch Leistung, Glück und eisernen Willen einen Personalcomputer in beinahe jedes Haus gebracht hat – und lange davon ausgehen konnte, dass dieser mit einem Betriebssystem von Microsoft betrieben wurde.

          Carsten Knop

          Chefredakteur digitale Produkte.

          Als er für Microsoft noch aktiv geschäftlich tätig war (heute ist er Aufsichtsratsvorsitzender), hat er manchen unglücklichen Auftritt hingelegt. Seine zahlreichen Produktpräsentationen auf großer Bühne, die von technischen Aussetzern der gezeigten Software begleitet waren, sind Legende. Und unglaublich viel, was er gezeigt hat, wurde auf dem Markt ein Flop, stets kompensiert durch den unfassbaren Erfolg des Betriebssystems „Windows“ und der „Office“-Büroprogramme.

          Die Standardisierung, die diese Programme in die Computerwelt brachten, wurde und wird von vielen verdammt, aber einen großen Produktivitätsfortschritt brachte sie doch. Von dem Problem, den nächsten großen Erfolg für Microsoft zu finden, hat sich Gates spätestens 2006 verabschiedet, als er sich aus der Rolle des Chief Software Architect des Unternehmens zurückzog.

          Der Malaria den Garaus machen

          Seither gewinnt er an Statur, konzentriert er sich doch vor allem auf die Arbeit in seiner Stiftung, der Bill & Melinda Gates Foundation, die nach seiner Frau und ihm benannt ist. Auch die Arbeit der Stiftung ist, wie alles bei Gates, nicht unumstritten. Und doch bleibt es eine Tatsache, dass sich Gates früh entschieden hat, sich vom allergrößten Teil seines Vermögens, das derzeit auf 50 Milliarden Dollar geschätzt wird, zu trennen. Das Geld wird eingesetzt, um die Bildungssituation von Schülern in den Vereinigten Staaten zu verbessern, und um der Malaria den Garaus zu machen. Dafür reist Gates umtriebig um die Welt, sitzt auf Podien, hält Vorträge. Und spätestens dann werden die allermeisten Menschen sagen, dass Gates tatsächlich ein beeindruckender Mensch ist: vielleicht nicht optisch, aber ob seiner Lebensleistung gewiss. Dann tritt er auch überzeugend auf, belesen, immer an einer guten Diskussion interessiert.

          Und seit 2004 sitzt Gates im Verwaltungsrat eines Unternehmens, das einem Freund von ihm gehört, der ihm gut tut. Der sehr viel ältere Herr wurde im August 1930 in Omaha (Nebraska) geboren. Er heißt Warren Buffett, verfügt über ein Vermögen von geschätzten 47 Milliarden Dollar – und hat dies einem von ihm geprägten Unternehmen zu verdanken, das den in deutschen Ohren sperrigen Namen Berkshire Hathaway trägt.

          Berkshire legt Geld an, vor allem in Unternehmen wie Eisenbahnen oder Coca-Cola, aber auch in derivative Finanzinstrumente, von denen Buffett selbst einmal gesagt hat, sie hätten das Potential, „Massenvernichtungswaffen“ zu werden. In jedem Fall hat Warren seinem Freund Bill vor einiger Zeit versprochen, 99 Prozent seines Vermögens einem guten Zweck zur Verfügung zu stellen. Und die richtige Verwendung dieses Geldes traut er zum größten Teil der Bill & Melinda Gates Foundation zu. Gates und Buffett sind damit zu Star-Philanthropen geworden und trommeln immer erfolgreicher und publikumswirksamer dafür, dass andere vermögende Menschen in Amerika es ihnen gleich tun.

          Buffett und Gates ziehen die Spender ins öffentliche Licht

          Nun gehörte die Gründung einer Stiftung angesichts der horrenden Erbschaftssteuern in Amerika schon immer zum guten Ton. Aber vielleicht fällt das Spenden etwas früher an und großzügiger aus, wenn man so überzeugend angetrieben wird wie von Buffett und Gates. Jedenfalls schaffen die beiden es, die Spender ins Licht der Öffentlichkeit zu ziehen, um auch andere zum Gutmenschentum zu bewegen, mehr als 40 Superreiche an einem Tag.

          Schade ist nur, dass man am Tag der Berichterstattung über die noble Geste auch darüber lesen kann, wie groß die Wette ist, die Buffett und Berkshire Hathaway in den vergangenen Jahren mit ungedeckten Optionen auf steigende Aktienkurse eingegangen sind. Das spricht zwar für seinen ungezügelten Glauben an die Zukunft und ist insofern schon wieder sympathisch. Jetzt steht aber zum einen die Frage im Raum, ob diese Papiere nicht vielleicht doch sehr bald mit Vermögenswerten unterlegt werden sollten, um das Risiko für die Gegenparteien zu verkleinern. Zum anderen fragt man sich, ob Buffett nicht doch, trotz seiner scheinbar überragenden Analyse bei der Auswahl unterbewerteter Unternehmen, auch ein großer Zocker ist.

          Am Ende des vergangenen Jahres jedenfalls hatte Berkshire derivative Finanzinstrumente im Wert von 63,1 Milliarden Dollar in den Büchern, 38 Milliarden davon oder 60 Prozent waren Wetten auf Aktienindizes. Das klingt nach einer Spekulation, die auch im Licht seiner Spendenbereitschaft besser aufgehen sollte. Denn Buffetts Vermögen besteht zu 99 Prozent in seiner Beteiligung an Berkshire Hathaway.

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