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Nach 27 Jahren Ehe : Bill und Melinda Gates lassen sich scheiden

Melinda und Bill Gates bei der digitalen Veranstaltung „One World: Together at Home“ im April 2020 Bild: Reuters

Drei Kinder und 27 Jahre Ehe: Bill und Melinda Gates werden sich scheiden lassen, kündigen sie auf Twitter an. Das wirft Fragen nach der Zukunft der gemeinsamen Stiftung auf.

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          Bill und Melinda Gates lassen sich scheiden. Der Mitgründer des Softwarekonzerns Microsoft und seine Frau kündigten in einer gemeinsamen Stellungnahme auf Twitter an, sie hätten sich „nach reiflicher Überlegung und viel Arbeit an unserer Beziehung“ zu diesem Schritt entschlossen. Das Paar war 27 Jahre verheiratet. Die Trennung wirft unmittelbar Fragen nach der Zukunft der wohltätigen Stiftung auf, die der 65 Jahre alte Bill Gates und die 56 Jahre alte Melinda Gates als Ko-Vorsitzende gemeinsam und gleichberechtigt führen. In der Stellungnahme wird der Eindruck erweckt, es solle sich nicht allzu viel ändern.

          Roland Lindner
          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Beide glaubten weiter an die Mission der Stiftung und wollten dort weiter zusammenarbeiten. „Aber wir glauben nicht mehr daran, dass wir in dieser nächsten Phase unseres Lebens gemeinsam als Paar wachsen können“, hieß es weiter. Die Stiftung selbst wollte auf Anfrage keinen weiteren Kommentar abgeben.

          Die „Bill & Melinda Gates Foundation“ ist die größte Privatstiftung der Welt. Sie hat ein Vermögen von rund 50 Milliarden Dollar und hat seit ihrer Gründung im Jahr 2000 fast 55 Milliarden Dollar für wohltätige Zwecke ausgegeben. Ihre Projekte zielen in erster Linie auf Entwicklungsländer ab, wo sie zum Beispiel versucht, Krankheiten wie Malaria und Polio zu bekämpfen und Bauern zu besseren Ernten zu verhelfen. Sie hat sich auch in der Corona-Krise engagiert und viel Geld für die Entwicklung von Impfstoffen und Medikamenten versprochen. Gerade Bill Gates wurde aber im Zusammenhang damit auch zum Gegenstand vieler Verschwörungstheorien, etwa dass er Menschen im Zuge von Impfungen Mikrochips einpflanzen wolle.

          Bill Gates war lange der reichste Mensch auf der Welt, sein Reichtum gründete sich auf Microsoft. Heute ist er auf der „Forbes“-Liste der reichsten Personen auf der Welt auf dem vierten Rang, sein Vermögen wird auf rund 130 Milliarden Dollar beziffert. Vor ihm liegen unter anderen Jeff Bezos, der Gründer und Vorstandschef des Online-Händlers Amazon.com, und Elon Musk, der Vorstandschef des Elektroautoherstellers Tesla und des Raumfahrtunternehmens SpaceX. Amazon-Chef Bezos hat selbst vor etwas mehr als zwei Jahren seine Scheidung bekanntgegeben, ebenfalls auf Twitter. MacKenzie Bezos, die mittlerweile MacKenzie Scott heißt, bekam im Zuge der Scheidung ein Viertel der vorher gemeinsam von dem Paar gehaltenen Aktien. Sie hat sich mittlerweile selbst als Wohltäterin einen Namen gemacht und Milliardensummen gespendet.

          Gefragte Gesprächspartner auf der ganzen Welt

          Melinda Gates hat früher einmal selbst bei Microsoft gearbeitet. Sie fing dort 1987 an und arbeitete sich zielstrebig nach oben. Bill lernte sie kurz nach ihrem Einstieg kennen, als die beiden auf einer geschäftlichen Veranstaltung zufällig nebeneinandersaßen. Als wichtige Inspiration für ihre Stiftungsarbeit haben sie eine gemeinsame Reise nach Ostafrika kurz nach ihrer Verlobung 1993 beschrieben. Dies sei eigentlich als Spaßtrip mit Safaris gedacht gewesen, habe sie aber auch erstmals mit extremer Armut in Berührung gebracht. Bei einem Spaziergang am Strand von Sansibar habe das Paar entschieden, mit Bills Microsoft-Vermögen etwas dagegen zu tun. Die Stiftung wurde dann offiziell im Jahr 2000 gegründet, als Bill Gates anfing, bei Microsoft etwas kürzer zu treten. Melinda Gates hatte zu dem Zeitpunkt ihre eigenen Karriere im Unternehmen zugunsten der Familie hintangestellt.

          Bill Gates konzentriert sich seit 2008 fast vollständig auf seine Arbeit in der Stiftung. Mit dieser karitativen Arbeit hat sich das öffentliche Bild von ihm erheblich gewandelt. In seiner Zeit bei Microsoft war er eine kontroverse Figur und galt als gnadenloser Monopolist, der sich den Wettbewerb mit rabiaten Methoden vom Leib hält. In seiner Stiftungsarbeit wurden ihm zunächst niedere Motive wie Steuervorteile unterstellt, aber er hat sich mittlerweile Glaubwürdigkeit erworben. Bill und Melinda Gates sind heute gefragte Gesprächspartner für Politiker auf der ganzen Welt.

          Wie die beiden ihr Vermögen nach der Scheidung aufteilen werden, bleibt zunächst unklar. Beide haben aber oft gesagt, sie wollen die überwiegende Mehrheit ihres Geldes in ihre wohltätigen Aktivitäten fließen lassen und nur einen vergleichsweise kleinen Teil an ihre Kinder vererben. Das Paar hat drei Kinder, sie sind 18, 21 und 25 Jahre alt.

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