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Serie: Wie wir reich wurden (24) : Bill Gates revolutioniert die Computerwelt

Jung und gewitzt: Bill Gates 1981 im Alter von 26 Jahren mit Paul Allen, mit dem er Microsoft gründete
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          Als Bill Gates zwölf Jahre alt war, hatte seine Mutter genug von dem ständigen Streit ums Essen und Aufräumen: Zwar war kein anderes Kind so intelligent wie er, aber keines weigerte sich auch so beharrlich zu gehorchen. Also ging sie mit ihm zum Psychologen. „Ich streite mit meinen Eltern darüber, wer die Kontrolle hat“, erinnert sich Gates. Der Psychologe sprach die Kontrolle dem Sohn zu. Die Mutter solle sich lieber ihm anpassen - anders komme man mit Bill nicht klar.

          Patrick Bernau
          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Wert“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Diese Lektion mussten auch noch andere lernen, vor allem die Leute in der Computerwelt. Als Bill Gates älter wurde, gründete er zuerst Microsoft, machte dann Windows zum dominierenden Betriebssystem auf Computern - und zwang die anderen immer wieder dazu, sich ihm anzupassen. Für seine Konkurrenten war das unangenehm, der Rest der Welt allerdings profitierte auch immer wieder davon. Denn erst Bill Gates' riesige Macht verhalf den Computern zum Durchbruch in der breiten Masse.

          Von Kompatibilität keine Spur

          Dabei musste Gates gar nicht immer der schnellste Entwickler sein. Schon zu Anfang profitierte er von einer Erfindung anderer: dem Heimcomputer - der Idee, dass ein Computer nicht immer in einem großen Datenraum einer Firma stehen muss, sondern auch klein sein und zu Hause Platz finden kann. Gates gründete mit seinem Freund Paul Allen Microsoft, um Software für diese Computer zu entwickeln.

          Bald stieg auch der Computerriese IBM in den Markt für Heimcomputer ein. Nur ein Betriebssystem hatte IBM noch nicht. Gates hatte zwar auch keines, aber er kannte einen, der eines hatte. Er verkaufte IBM ein Betriebssystem namens „DOS“ - und kaufte es danach selbst bei einer anderen Firma ein.

          Dass Microsoft einmal so riesig werden würde, stand damals aber noch längst nicht fest. Damals konkurrierten viele unterschiedliche Computer. Nicht nur die von IBM mit Microsofts „DOS“, sondern auch andere. Sie hießen Atari, Amiga, Apple Macintosh oder C-64 - einige waren leichter zu bedienen als Microsofts System. Programme von einem Rechner liefen nicht auf dem anderen, ja, nicht mal Briefe und Bilder ließen sich ohne weiteres per Diskette von einem System zum anderen transportieren.

          Nischenprogramme lohnten sich einfach nicht

          Diese Vielfalt behinderte die Entwicklung der Computer - und zwar gleich aus mehreren Gründen: Erstens verunsicherte sie die Verbraucher. Keiner wusste, welches System er kaufen soll - schließlich musste jeder damit rechnen, dass das eine oder andere bald von der Entwicklung abgehängt war, und dann hätte es keine neuen Programme mehr gegeben. Zweitens war die Auswahl an Programmen kleiner. Denn die Entwickler mussten sich entweder auf eines der vielen Systeme konzentrieren und damit auf viele Nutzer verzichten - oder sie hatten enormen Aufwand, wenn sie für mehrere Systeme programmieren wollten. Viele Nischenprogramme lohnten sich einfach nicht.

          Mit der Zeit allerdings setzte sich ein System durch: die Kombination aus IBM-Computern und dem Windows-Betriebssystem. Erst wurden die Rechner zum Standard. Die hatten nämlich eine Besonderheit: Sie waren als einzige nur aus handelsüblichen Bauteilen zusammengesetzt. Konkurrenten konnten sie deshalb leicht nachbauen und billige „IBM-kompatible“ Computer anbieten. Damit war Microsofts Kampf allerdings noch nicht gewonnen, denn auch für die sogenannten „IBM-kompatiblen“ Computer gab es mehrere Betriebssysteme, selbst IBM programmierte noch ein eigenes.

          Gates setzte sich trotzdem durch. Denn er war schlau: Bei den ersten Verhandlungen hatte er IBM nicht das ganze Betriebssystem angeboten, sondern nur Lizenzen für die Nutzung. Jetzt konnte er sein Betriebssystem auch anderen Herstellern IBM-kompatibler Computer verkaufen. Um es noch weiter in den Markt zu drücken, gab er bald große Nachlässe für sein Betriebssystem, wenn es zusammen mit einem neuen Computer verkauft wurde - so wurde es für Computerhersteller attraktiv, das System von Microsoft zu verwenden. Mit der Zeit setzten sich DOS und sein Nachfolger Windows durch. 1995, als „Windows 95“ auf den Markt kam, hatte Microsoft einen Marktanteil von 90 Prozent.

          Dagegen kam niemand mehr an

          Jetzt gab es kein Zurück mehr: Die Massen kauften Computer - und fast jeder entschied sich für Windows. Das leuchtete selbst Computerlaien ein. Also wurde es für die Programmierer attraktiver, ihre Software für Windows zu entwickeln - und mit jedem zusätzlichen Programm wurde Windows für seine Nutzer wieder interessanter. Ökonomen erfanden einen Begriff für solche Produkte: Windows war eine „Plattform“.

          Dagegen kam niemand mehr an. Gates baute seine Dominanz aus: Microsoft entwickelte nicht nur Windows, sondern verdiente auch viel Geld mit der Bürosoftware Office, die besonders gut an Windows angepasst war. Gates konnte auch andere Software-Märkte einnehmen, indem er seine eigenen Programme zusammen mit Windows auslieferte: zum Beispiel solche, die Filme zeigen können und die den Nutzer ins Internet bringen. Doch jetzt wird der Elan von Microsoft gebremst: Die rasante Entwicklung des Internets und die Kartellbehörden setzen der Firma zu. Von Montag an muss sie ihren Nutzern die Wahl zwischen mehreren Internet-Zugangsprogrammen geben.

          Bill Gates selbst wurde trotzdem zum reichsten Menschen der Welt. Auf dem Höhepunkt seines Reichtums besaß er 1999 mehr als 100 Milliarden Dollar. Dann fiel der Microsoft-Aktienkurs, und Gates spendete über die Jahre mehr als 30 Milliarden an seine Stiftung. Seine Idee, eine Plattform zu bauen, haben sich viele andere Firmenchefs abgeguckt. Einer davon ist Gates' alter Rivale, der Apple-Chef Steve Jobs: Er versucht, seine iPhones und iPads zur Plattform für mobile Software zu machen.

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