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Bilfinger-Chefin : „Kernenergie bringt Wachstum“

Riesenbaustelle Hinkley Point: Großbritannien baut mit Bilfingers Hilfe ein neues Atomkraftwerk. Bild: Bloomberg

Bilfinger-Chefin Christina Johansson über ihren Beitrag zu einer umweltfreundlicheren Welt, den mickrigen Börsenwert und ihren Vorgänger Roland Koch.

          6 Min.

          Frau Johansson, muss man etwas selbstquälerisch veranlagt sein, um zu so einem krisen- und skandalgeschüttelten Konzern wie Bilfinger zu wechseln?

          Daniel Mohr
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Ich bin ein sehr unternehmerisch denkender Mensch, ich komme aus einer Unternehmerfamilie und ich hatte das Gefühl, dass man aus der Bilfinger-Gruppe mehr machen könnte, als man in den letzten fünf bis zehn Jahren erlebt hat. Ich bin kein Verwalter, ich bin ein Macher. Und ich glaube, dass diese Herausforderung zu mir passt.

          Sie sind jetzt in die Chefrolle bei Bilfinger etwas plötzlich hineingeraten. Warum hat ihr Vorgänger Thomas Blades hingeschmissen?

          Das sind persönliche Gründe. In diesem Jahr wird er 65. Das muss man respektieren.

          Sie sagten, Sie sind keine Verwalterin, sondern eine Macherin. Warum wollen Sie nicht dauerhaft Chefin Ihrer 30.000 Mitarbeiter bleiben oder hat Sie Ihr Aufsichtsratsvorsitzender Eckhard Cordes nur noch nicht gefragt?

          Ich bin da ziemlich klar und authentisch. Ich bin eine Macherin als Finanzvorstand. Ich bin ein starker Co-Pilot. Aber ich sehe nicht, dass ich mit meinen Erfahrungen und Stärken der am besten geeignete CEO auf Dauer bei Bilfinger wäre. Ich glaube, da gibt es bessere Kandidaten.

          Wie ist der Zeitplan?

          Ich weiß nicht, wie lange diese Rolle bei mir interimistisch bleibt. Ich habe dem Aufsichtsrat zugesichert, dass ich bereit bin, die notwendige Zeit zu überbrücken und mein Bestes zu geben, die Rolle zu erfüllen.

          Für die Frauenstatistik in der Dax-Familie wäre es natürlich schön, Sie würden an der Spitze bleiben, aber das ist wahrscheinlich nicht das Hauptkriterium.

          Nein.

          Wenn ich es richtig verstanden habe, ist im Kern Ihre Aufgabe, den Wert des Unternehmens möglichst kurzfristig zu steigern, damit der Finanzinvestor Cevian, Ihr Großaktionär, sein verlustreiches Bilfinger-Desaster nach zehn Jahren endlich beenden kann und ein anderer Finanzinvestor dann das Unternehmen zerschlägt?

          Wir haben einen längeren Zeithorizont. Wir haben Pläne für dieses Jahr und auch mittelfristig. Ich sehe meine Aufgabe darin, nachhaltig den Wert zu erhöhen.

          Christina Johansson
          Christina Johansson : Bild: Bilfinger

          Warum sollte jemand Bilfinger kaufen wollen, was können Sie, was andere Unternehmen nicht können?

          Wir machen ja eine Transformationsreise. Wir haben 2014 das Baugeschäft veräußert und 2016 haben wir uns vom Facility-Management getrennt, auch wenn wir eine Finanzbeteiligung behalten hatten. Aber seit 2016 sind wir ganz klar als Industriedienstleister für die Prozessindustrie unterwegs. Das Wichtigste ist unsere Größe. Wir sind immer Nummer eins oder Nummer zwei in allen Ländern in Mittel- und Nordeuropa. Vor allem in der Chemie und Petrochemie, Energie und Versorgung und Öl und Gas.

          Wenn man sich ganz plastisch vorstellen will, was Sie genau machen, welches Bild sollte man da vor Augen haben?

          Es gibt mehrere Bilder. Wir haben relativ viele Facetten. Wir machen tägliche Instandhaltungsarbeiten auf Industrieanlagen, wo Mitarbeiter Ersatzteile auswechseln und sicherstellen, dass der Prozess der Anlage ungestört weitergefahren wird. Aber auch große Revisionen von Anlagen, bei denen wir ganze Fabriken abstellen. Oder aber auch Neubau.

          Zum Beispiel von Atomkraftwerken.

          Ja, wir arbeiten am Neubau des Kernkraftwerks Hinkley Point mit. Es ist eins unserer größeren Projekte momentan.

          Sie sprachen die Größe und Vielfältigkeit an. Manche meinen, eine Aufspaltung von Bilfinger wäre wertschaffend.

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