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Bildungspolitik (12) : Bildung ist der wichtigste Rohstoff Europas

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Die Bildungspolitik ist ein Paradebeispiel dafür, daß die Europäische Union auch ohne ausdrückliche Kompetenzen enorme Aktivitäten entfalten kann. Daran dürfte sich mit der geplanten EU-Verfassung nichts ändern.

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          Die Bildungspolitik ist ein Paradebeispiel dafür, daß die Europäische Union auch ohne ausdrückliche Kompetenzen enorme Aktivitäten entfalten kann. Daran dürfte sich mit der geplanten EU-Verfassung nichts ändern. Im Gegenteil. Die EU-Partner verpflichten sich darin, strikt "die Verantwortung der Mitgliedstaaten für die Lehrinhalte und die Gestaltung des Bildungssystems" zu achten. Dennoch gilt als sicher, daß aus dem Gemeinschaftshaushalt auch in Zukunft jährlich rund zwei Milliarden Euro in EU-Aktionsprogramme und Modellvorhaben für die allgemeine und die berufliche Bildung fließen werden.

          Auch die neue Verfassung sieht eine Palette von Fördermaßnahmen vor, um die Bildungspolitik der Länder zu unterstützen und zu ergänzen sowie die grenzüberschreitende Zusammenarbeit zu verstärken (Artikel III-282). In diese Richtung geht auch der jüngst unterbreitete Vorschlag der Europäischen Kommission für die nächste Programmphase (2007 bis 2013). Für ein "integriertes Aktionsprogramm im Bereich des lebenslangen Lernens" fordert sie eine Verdreifachung der bisherigen finanziellen Mittel auf insgesamt 13,6 Milliarden Euro.

          Chance auf internationale Kontakte

          Hunderttausenden von Schülern, Studenten und Lehrkräften bietet sich damit Gelegenheit zu einem Auslandsaufenthalt, zur Teilnahme an Projekten oder zum Erfahrungsaustausch. Oft gebe eine EU-Beteiligung zwischen 250 und 1000 Euro an den Fahrkosten den Ausschlag dafür, daß sich andere nationale Stellen finanziell beteiligten, heißt es in der Kommission. Die Wirtschaftskammern, die in Deutschland eine zentrale Rolle bei der Berufsbildung spielen, loben die EU-Programme. Für die Unternehmen seien damit meist eine bessere Positionierung im internationalen Wettbewerb und höhere Qualifikationen der international tätigen Mitarbeiter verbunden. Hinzu kämen gesteigerte Mobilität und Flexibilität der Nachwuchskräfte sowie eine Kostenminderung durch internationale Erfahrung. "Durch internationale Kontakte können Unternehmen und Bildungsstätten von ausländischen Partnern leichter beste Praktiken und Benchmark-Werte übernehmen", sagt die EU-Berufsbildungsexpertin der Deutschen Industrie- und Handelskammern (DIHK), Barbara Fabian.

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          Für die Auszubildenden und Lehrkräfte verspreche eine Teilnahme höhere Fach- und Fremdsprachenkompetenz sowie größere Mobilität und Flexibilität. Die EU-Programme böten sich auch deshalb an, weil durch die geplante Novellierung des Berufsbildungsgesetzes eine Ausbildung im Ausland von bis zu sechs Monaten vollwertig anerkannt werde. Viele Teilnehmer an den EU-Mobilitätsprogrammen berichteten von positiven Auswirkungen auf die eigene Wertschätzung, Motivation und die beruflichen Chancen.

          Wenn nur die Verwaltung nicht wäre

          Eine wichtige Rolle spielen die nationalen Agenturen: Sie sind die Anlaufstelle zur Förderung der Mobilität von Schulen, Unternehmen und Einzelpersonen, für kleinere Partnerschaften zwischen Einrichtungen sowie Projekten für den Transfer neuer Ideen. Pionierarbeit durch die Förderung der internationalen Zusammenarbeit freier und gemeinnütziger Bildungsträger leistet auch der gemeinnützige Europäische Verband Beruflicher Bildungsträger (EVBB). Ihm gehören 34 Träger aus 18 europäischen Ländern an. "Wenn Wirtschaftsräume und Handelsbeziehungen globaler werden, muß auch die allgemeine Bildung und Berufsbildung globaler ausgerichtet werden", sagte EVBB-Vizepräsident Berthold Kuhn jüngst auf der Verbandstagung in Straßburg.

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