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Bildung : Akademisierungswahn?

Studieren macht Spaß - und sollte allen sozialen Schichten gleichermaßen möglich sein Bild: Röth, Frank

Studieren lohnt sich mehr denn je - allen Unkenrufen zum Trotz. Denn Akademiker sind seltener arbeitslos und verdienen mehr Geld. Der wahre Skandal ist, dass zu wenig Bildungsferne an den Universitäten sind.

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          Nichts ist schädlicher als ein Universitätsstudium. Nehmen wir Mark Zuckerberg. Gerade einmal zwei Jahre hat er es in Harvard ausgehalten. Dann schmiss er hin, der zwanzigjährige Hochbegabte, und erfand Facebook. Heute ist er Milliardär mit einem geschätzten Vermögen von 17,5 Milliarden Dollar.

          Rainer Hank

          Freier Autor in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Bei Bill Gates lief die Sache genauso: Er quittierte Harvard, ging in die Garage und entwickelte Microsoft. Studienabbruch zahlt sich aus. Der mit Paypal reich gewordene und in Deutschland geborene Milliardär Peter Thiel hat aus solchen Erfahrungen Konsequenzen gezogen. Über eine Stiftung will er Stipendien an Studienabbrecher vergeben, die Unternehmer werden wollen. Statt eine Masterarbeit zu schreiben, sollen die jungen Menschen mit dem Stipendiengeld ihre revolutionären Ideen umsetzen können.

          Nicht nur das Einkommen spricht für das Studium

          Den wahrhaft Kreativen und Hochbegabten schadet ein Studium. Die Mehrheit der weniger Kreativen, die vom Schicksal nicht als Facebook-Gründer vorgesehen wurden, sollten wissen: Studieren zahlt sich aus. „Studenten sind die Besserverdiener von morgen“, sagt der Bildungsökonom Ludger Wößmann: Das durchschnittliche Einkommen von Personen mit einem Hochschulabschluss liegt um rund 70 Prozent höher als das von Menschen mit abgeschlossener Lehre und sogar doppelt so hoch wie das von Personen ohne Berufsausbildung.

          Der große Einkommensgewinn ist längst nicht alles, was für ein Studium spricht. Mit einer akademischen Ausbildung geht das Risiko, arbeitslos zu werden, deutlich zurück. Arbeit zu haben hat wesentlichen Einfluss darauf, wie zufrieden wir mit unserem Leben sind. Da geht es nicht nur um Geld, da geht es auch um Sinnerfahrung. Wer Spaß an der eigenen Neugierde gefunden hat, der hat auch die Erfahrung gemacht, dass sich Bildung nicht nur zur Einkommensmaximierung nutzen lässt, sondern auch zur besseren Welterkenntnis und -orientierung. Akademiker leben im Durchschnitt länger und gesünder.

          Die Unternehmen nutzen den „Akademisierungswahn“ als Werbemittel

          Angesichts solcher Erfahrungen nimmt es Wunder, dass sich in Deutschland derzeit unter der Überschrift „Akademisierungswahn“ eine etwas schrille Debatte über den Wert des Studiums abspielt, bei der sich Philosophen mit Handwerkspräsidenten und Arbeitsmarktökonomen mit Industriepolitikern zusammentun und für den Erhalt einer Ständegesellschaft plädieren. Der gemeinsame Nenner der Akademisierungsfeinde lautet: Nicht jeder gehört auf die Universität; ein Studium soll einer kleinen Elite vorbehalten bleiben. Die Mehrheit der jungen Menschen soll lieber eine berufliche Lehre machen.

          Was auffällt: Die Unternehmer nutzen die Drohungen vor einer Akademikerschwemme als Werbemittel gegen den Facharbeitermangel (anstatt mit höheren Löhnen zu locken). Das Ganze wird flankiert vom Statusgehabe einiger Elitenangehöriger, die von der wachsenden Zahl der Universitätsabsolventen eine Erniedrigung ihrer sozialen Höhenlage befürchten.

          Am Ende aber bleibt von der Warnung vor dem Akademisierungwahn nicht viel übrig. Der Verweis auf Spanien mit seiner hohen Jugendarbeitslosigkeit zerbröselt schnell. Auch dort ist selbst in der größten Euro-Krise das Risiko, als Akademiker arbeitslos zu werden, deutlich kleiner im Vergleich zu Jugendlichen mit anderen Abschlüssen. Mehr als dreißig Prozent aller Ungelernten sind ohne Job. Unter den Akademikern suchen „lediglich“ 14 Prozent eine Arbeit.

          Die Ursachen für die spanische Misere liegen ohnehin nicht in der „Überakademisierung“, sondern in einem zu starren Arbeitsmarkt, der Outsidern wenig Chancen gibt. Die Verächter des Universitätsstudiums präsentieren die „duale Ausbildung“ (betriebliche Lehre und Berufsschule), eine Stärke des deutschen Modells, als attraktive Alternative. Das ist zwar nicht falsch, doch sollte die deutsche Berufsausbildung auch nicht verklärt werden. Neue Untersuchungen des Münchner Ifo-Instituts kommen zu der Erkenntnis, dass die gelobte Praxisnähe leider im Alter den Nachteil geringerer Beschäftigungsmöglichkeiten mit sich bringt.

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