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Produktwandel : In Japan ist Bier nicht mehr Bier

Asahi, die größte Bierbrauerei Japans, hat in den vergangenen Jahren mit der Konkurrenz sogenannter „dritter Biere“ zu kämpfen, die Zutaten wie Sojabohnen oder Liköre beimischen. Bild: Reuters

Zum ersten Mal seit 110 Jahren beschreibt Japan neu, was ein Bier ist. Die Verwaltung passt sich dem Kundengeschmack an, doch letztlich stehen steuerliche Gründe dahinter.

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          Was ist ein Bier? Die einfachste Antwort in Japan lautet: Asahi Super Dry, das allgegenwärtige Bier der Asahi Brauerei, dem größten Bierbrauer des Landes. Doch im vergangenen Jahr erlebte Asahi einen schmerzhaften Einschnitt. Erstmals seit 1989 verkaufte die Brauerei weniger als 100 Millionen Kästen des Erfolgsgetränks. Einer der Gründe dafür ist, dass der Bierkonsum in dem Land mit der schrumpfenden Bevölkerung schon seit vielen Jahren zurückgeht. Im vergangenen Jahr betrug das Minus des gesamten Bierabsatzes 2,6 Prozent.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Ein anderer Grund ist, dass der Geschmack der Konsumenten sich wandelt. Gerade jüngere Japaner bevorzugen alkoholhaltige Getränke, die mit Bier nur noch entfernt verwandt sind. „Happoshu“ ist eine dieser Abarten, übersetzt etwa sprudelige Alkoholika oder Quasi-Bier, mit einem geringeren Malzgehalt. So genannte „dritte Biere“ mischen auch Zutaten wie Sojabohnen oder Liköre hinein, um den herben Malzgeschmack zu dämpfen, oder verzichten ganz auf Malz.

          Die Frage, was ein Bier ist, stellt sich in Japan seit Beginn des Fiskaljahres am 1. April neu. Bier ist nun nicht mehr Bier, wie der Japaner es kannte. Die Definition des Getränks wurde geändert, zum ersten Mal seit 110 Jahren. Musste Bier bislang einen Malzgehalt von mindestens 67 Prozent aufweisen, sind es jetzt nur noch 50 Prozent.

          Auch wurde die Liste der erlaubten Zutaten erweitert. Durfte es bisher nur Getreide sein, sind jetzt auch Früchte, Gewürze und Kräuter, aber auch Algen oder Muscheln zulässig. Asahi etwa vermarktet schon ein neues Bier, das mit Limonengras versetzt ist, für einen leichteren und frischen Geschmack.

          Die Geldbörse bestimmt, was schmeckt

          Der Grund für die Neubeschreibung des Biers durch die Verwaltung ist weniger die neue Geschmacksvielfalt. Es geht um steuerliche Aspekte. Bier in der klassischen Definition, das einst in Japan ein Luxusgut für Ausländer war, wird stark besteuert. Nach Angaben des Japanischen Brauereiverbands liegt der Steuersatz mit 77 Yen (60 Cent) je Dose 19-mal höher als in Deutschland. Das klassische Bier wird auch weit stärker besteuert als Happoshu oder die dritten Biere, die mit 47 oder 28 Yen besteuert werden.

          Diese fiskalisch getriebene Preisdifferenz erklärt zu einem guten Teil die Vorliebe der jüngeren Japaner für die bierähnlichen Getränke, die billiger sind. Die Geldbörse bestimmt, was schmeckt. In einem Langzeitplan von 2020 bis 2026 wird das Finanzministerium nun die Steuersätze auf alkoholische Getränke angleichen. Bier wird künftig etwas weniger besteuert, Happoshu und dritte Biere deutlich mehr. Ob das hilft, Asahi Super Dry wieder zu alten Absatzhöhen zu verhelfen, ist offen. Gegen die Schrumpfung der Bevölkerung hilft auch die Steuerpolitik nicht.

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