https://www.faz.net/-gqe-8g62b

Gehalt der Aufsichtsräte : Und ewig lockt das Festgehalt

Paul Achleitner, Aufsichtsratsvorsitzender der Deutschen Bank, verdient von den Dax-Aufsichtsräten am besten. Bild: Wolfgang Eilmes

Die Bezüge der Aufsichtsratsvorsitzenden sind zuletzt zwar kaum noch gestiegen. Doch Deutschlands Chefkontrolleure profitieren auf eine andere Weise.

          2 Min.

          In der Bezahlung von Aufsichtsräten spielen Boni eine immer geringere Rolle. Stattdessen stellen etliche Unternehmen ihre Vergütungssysteme für die Aufseher auf reine Fixgehälter um. Zu den jüngsten Beispielen aus dieser Hauptversammlungssaison zählen Commerzbank, Infineon und Fresenius Medical Care. Durch diesen Trend sind die Festvergütungen seit dem Jahr 2006 jährlich um rund 10 Prozent gestiegen. Die Gesamtvergütung der Aufsichtsräte stieg dagegen im Mittel nur um 3,8 Prozent im Jahr.

          Julia Löhr
          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Alles in allem verdiente der Aufsichtsratsvorsitzende eines Dax-Konzerns im vergangenen Jahr im Schnitt 356.000 Euro, davon 223.000 Euro als feste Grundvergütung, wie die Beratungsgesellschaft HKP am Donnerstag in Frankfurt mitteilte. Die Bezüge der Chefaufseher sanken gegenüber dem Vorjahr um 9 Prozent. Diese Zahl ist jedoch mit Vorsicht zu sehen, weil im vergangenen Jahr VW-Chefkontrolleur Ferdinand Piëch mit seinem Salär von fast 1,5 Millionen Euro den Durchschnitt kräftig nach oben zog. In den aktuellen Zahlen ist VW dagegen noch nicht enthalten, die Veröffentlichung des Geschäftsberichts steht noch aus. Rechnet man diesen Sondereffekt heraus, sind die Bezüge nach Angaben der Berater auch im vergangenen Jahr gestiegen, um im Schnitt 2 Prozent.

          Kritische Ämterhäufung

          Spitzenverdiener unter den Aufsichtsratsvorsitzenden ist gegenwärtig Deutsche-Bank-Chefaufseher Paul Achleitner – er bekam fürs das vergangene Jahr 808.333 Euro. Auch die Aufsichtsratsvorsitzenden von Siemens und Henkel verdienen weit über dem Durchschnitt. Anders als Wolfgang Mayrhuber bei Infineon: Er bekam nur 147500 Euro und bildet damit das Schlusslicht. Wo sich die VW-Aufseher einsortieren – Piëch und sein Nachfolger Hans Dieter Pötsch –, hängt maßgeblich davon ab, ob der Autohersteller eine Dividende zahlt. Im Gegensatz zu den anderen Dax-Konzernen hat VW eine geringe Fixkomponente und einen hohen variablen Anteil.

          Gemessen an den gewachsenen Anforderungen an die Aufsichtsratsvorsitzenden halten die Berater das Vergütungsniveau in Deutschland nach wie vor für zu niedrig. Ein erfahrener Unternehmensberater bekomme Tagessätze von 6000 Euro und mehr, sagte Studienautor Joachim Kayser. Eine ähnliche Größenordnung hält er auch für die Chefaufseher für angemessen. Bei einem durchschnittlichen Arbeitsaufwand von etwa 100 Tagen im Jahr für einen Aufsichtsratsvorsitz wären das 600.000 Euro. Auch die Relation zu den Vorstandsvorsitzenden stimmt nach Ansicht der Berater nicht. Im Schnitt erhalten die Dax-Vorstandschefs derzeit das 14-Fache der Aufsichtsratschefs. Im Ausland ist der Abstand deutlich geringer, dort werden auch Aufsichtsratsvorsitze im mittleren Millionenbereich vergütet.

          Dort wird die Position jedoch auch eher als eine Vollzeitaufgabe wahrgenommen, während hierzulande etliche Kontrolleure mehrere Ämter zugleich haben. Werner Wenning etwa hat bei Bayer und Eon jeweils den Vorsitz inne, bei Siemens den stellvertretenden Vorsitz. Insgesamt kommt er damit laut HKP auf Bezüge von 1,2 Millionen Euro. Für Paul Achleitner, der neben dem Vorsitz bei der Deutschen Bank auch Mandate bei Daimler und Bayer hat, summieren sich die Bezüge auf 1,1 Millionen Euro. Die Berater sehen die Ämterhäufung kritisch. Ihrer Einschätzung nach beansprucht ein Aufsichtsratsvorsitz zwei bis drei Arbeitstage in der Woche, in Krisenzeiten auch mehr.

          Weitere Themen

          Russland will wieder zurück nach oben

          FAZ Plus Artikel: Raumfahrt : Russland will wieder zurück nach oben

          Während die Amerikaner privat ins All reisen können, ist von der ruhmreichen russischen Raumfahrt nicht mehr viel übrig – auch hier bekommen sie Sanktionen zu spüren. Um wieder groß zu werden, braucht es Unterstützung vom Nachbarn China.

          Der Promi-Pleitier

          Alfons Schuhbeck : Der Promi-Pleitier

          Starkoch Alfons Schuhbeck muss für sein Imperium Insolvenz anmelden. Corona sei schuld. Doch es ist nicht der erste wirtschaftliche Fehltritt des Unternehmers.

          Topmeldungen

          Ein Airbus der Lufthansa landet im November 2020 auf dem Berliner Flughafen Tegel.

          Klimaschutz : Rettet die Inlandsflüge

          Ein Verbot von Inlandsflügen, wie es zuletzt in Frankreich beschlossen wurde, ist der falsche Weg zum Klimaschutz. Es gibt andere, bessere Möglichkeiten.
          Wichtiger Wert: Wie viele Covid-Kranke auf  Intensivstationen liegen.

          Kennwerte der Corona-Pandemie : Neue Zahl, neues Glück?

          Die Zahl der Neuinfektionen bestimmte in den vergangenen Monaten den Alltag. Damit soll nun Schluss sein. Doch die neuen Pläne der Regierung gehen Wissenschaftlern nicht weit genug – denn Entscheidendes wurde in Deutschland versäumt.
          Am 18. Juni in Teheran: Ebrahim Raissi winkt den Medien zu, nachdem er seine Stimme in einem Wahllokal abgegeben hat. Die Wahl gewann er.

          Irans neuer Präsident : Schlächter und Schneeflocke

          Nächste Woche tritt Ebrahim Raissi sein Amt als iranischer Präsident an. Mit ihm zerbricht der Mythos vom reformfähigen Regime. Weiß der Westen, mit wem er es zu tun bekommt? Ein Gastbeitrag.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.