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Freundschaft mit Epstein : Sponsoren distanzieren sich von Prinz Andrew

Prinz Andrew auf einem Bild von Anfang November Bild: AFP

Mit seinem BBC-Interview hat Prinz Andrew seine Lage nicht verbessert. Die Kritik an seiner Verbindung zum verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein wächst und nun reagieren auch Unternehmen.

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          Es läuft schlecht für Prinz Andrew. Nach dem verunglückten Fernsehinterview und der wachsenden Kritik an seiner langjährigen Beziehung zum verurteilten amerikanischen Sexualstraftäter und Pädophilen Jeffrey Epstein gehen nun mehrere Unternehmen auf Distanz zu Projekten des Herzogs von York. Sie fürchten offenbar um ihre Reputation, wenn sie mit Prinz Andrew in Verbindung gebracht werden. Der zweite Sohn der britischen Königin ist seit Jahren Schirmherr für Wirtschaftsinitiativen wie das „Pitch@Palace“-Netzwerk und den Unternehmerpreis Inspiring Digital Enterprise Award (iDEA). Beide Projekte haben Partner und Sponsoren, zu denen sowohl Universitäten wie auch bekannte Firmen aus Großbritannien bis China zählen.

          Philip Plickert

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

          Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG beendet ihr Engagement für „Pitch@Palace“ nun aber. KPMG entschied schon Ende Oktober, das langjährige Sponsoring nicht fortzusetzen, wie der Sender SkyNews meldete. Das Versicherungsunternehmen Aon bat den Palast, sein Logo von der Pitch@Palace-Internetseite zu entfernen. Die britische Großbank Barclays hat sich dagegen für eine Fortsetzung des Sponsorings entschieden, trotz der Kontroverse um den Prinzen. Die Studentenunion der Huddersfield Universität, deren Kanzler der Herzog seit 2015 ist und die den iDEA-Preis unterstützt, hat sich einem Aufruf zum Rücktritt von Prinz Andrew von seinem Uni-Posten angeschlossen.

          Ein Interview mit Folgen

          Der Herzog hat mit seinem am Wochenende in der BBC ausgestrahlten Interview nach Ansicht vieler Beobachter Öl ins Feuer gegossen. Nicht nur versäumte er es, wirkliches Bedauern für die Opfer des Sexualstraftäters Epstein zu äußern. Der Finanzier und Multimillionär hat wohl dutzendfach junge Mädchen missbraucht. Auch nach der Verurteilung und Haftstrafe Epsteins besuchte Prinz Andrew ihn abermals mehrere Tage in seinem luxuriösen New Yorker Apartment. Epstein kam im August in einem New Yorker Untersuchungsgefängnis zu Tode, laut offiziellem Obduktionsbericht war es Suizid. In Großbritannien sieht sich Prinz Andrew den Anschuldigungen der Amerikanerin Virginia Giuffre ausgesetzt.

          Die Vorwürfe, der Prinz Andrew habe sie als damals 17-Jährige mehrmals missbraucht in Epsteins Londoner Haus, konterte er in dem BBC-Interview mit der Behauptung, er sei am angeblichen Tattag, dem 10. März 2001, in einem Pizza Express in Woking, Surrey, essen gewesen. Daran erinnere es sich ganz genau, weil es „sehr ungewöhnlich“ für ihn sei, in ein solches Lokal zu gehen. Die Behauptung rief viel zweifelnde Reaktionen und Spott hervor. Das Restaurant der angeschlagenen Pizza-Express-Kette wurde im Internet mit satirischen Online-Besprechungen überschüttet, wonach sich Kunden „ganz genau“ daran erinnert, dort vor mehr als achtzehn Jahren vorzüglich gegessen zu haben.

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