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Bewerbung : "Warum sind Gullys rund?"

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Vor dem Gespräch - imitiert von Komiker Bastian Pastewka Bild: RTL

Nervosität und Kribbeln im Bauch - beim Bewerbungsgespräch möchte jeder eine gute Figur machen. Hier sind zehn Fangfragen der Bewerter und wie Sie richtig darauf reagieren.

          3 Min.

          Die Strategie für das Vorstellungsgespräch. Wer einen neuen Job will, muß überzeugen. Das persönliche Gespräch entscheidet. Oder das Assessment-Center. Die Fragen sind trickreich. Hier sind gute Antworten.

          1. Erzählen Sie doch mal ein bißchen von sich!

          Klingt locker, ist hochgefährlich und läßt mehrere Deutungen zu: Der Interviewer hat überhaupt keine Ahnung. Oder: Er will wissen, wie schlagfertig Kandidaten auf offene Fragen reagieren. Erste Regel für Bewerber: Zwei Minuten reichen für die Antwort. Also sich nicht in Details verlieren ("Mein Schwiegervater ist damals aus Schlesien geflüchtet"), sondern jene Stationen ansprechen, mit denen sich eine Beziehung zur ausgeschriebenen Stelle herstellen läßt. ("Ich war drei Jahre Prüfungsassistent bei einer WP-Gesellschaft und habe deshalb tiefen Einblick ins Controlling gewonnen. Deshalb wird es mir leichtfallen, mich in die vakante Position eines Controllers einzuarbeiten.")

          2. Warum wurden Sie vom letzten Arbeitgeber gefeuert?

          Jetzt ja nicht weinerlich werden! Es gibt gute Gründe, seine Stelle zu verlieren: die Sozialauswahl bei Entlassungen etwa, die junge Leistungsträger aussortiert und alte müde Hasen schont. Ein akzeptable Antwort ist auch: "Ein neuer Manager übernahm die Abteilung und brachte seine eigenen Leute für die Schlüsselpositionen mit." Unglaubwürdig wirkt es, wenn der Kandidat über die Perspektiven jubelt, die dank der Entlassung plötzlich vor ihm lagen. Glaubwürdiger ist die achselzuckende Haltung. ("So etwas kann den Besten passieren, aber ich habe daraus gelernt.") Die Bewerber sollten Antworten meiden, die negative Assoziationen wecken: "Ich habe mich mit meinem Chef nicht verstanden" läßt die Ahnung entstehen, einen Streithansel vor sich zu haben. Auch: "Ich hatte ein paar persönliche Probleme" klingt zwar ehrlich, aber unattraktiv. Und schließlich gilt: Nie, nie, nie schlecht über den alten Arbeitgeber reden.

          3. Gibt es etwas in Ihrem Job, was Sie überhaupt nicht mögen?

          Die dümmste Antwort, zumindest wenn es um eine Führungsposition geht: "Ich organisiere nicht so gerne." Am besten ist folgende Variante: "Ich habe keine speziellen Abneigungen. Ich habe mir angewöhnt, alles sofort zu erledigen, was irgendwie unangenehm ist. Dann habe ich den Kopf frei für alles, was mehr Spaß macht."

          4. In welcher Position sehen Sie sich in fünf Jahren?

          Für Menschen mit eingebautem Karriereplan ist die Antwort kein Problem. Grundsätzlich gilt: Mit der Antwort können Kandidaten beweisen, wieviel Initiative und Ehrgeiz sie mitbringen und wieviel Vorwissen sie über das Unternehmen aufgehäuft haben. "In fünf Jahren möchte ich verantwortlicher Key Account Manager für einen der drei Großkunden Ihrer Firma sein und eine Abteilung mit 20 Kundenberatern leiten" klingt zielstrebig, allerdings etwas eingeengt. Besser ist es, auch Alternativen aufzuzeigen ("Auslandsgeschäft aufbauen").

          5. Haben Sie schon einmal ein Projekt vertrödelt?

          Diese Aufforderung gehört in die Kategorie: "Schlagen Sie immer noch Ihre Frau?" Alles, was man antwortet, klingt nach Selbstbezichtigung, es sei denn, man kann ehrlich sagen: Ich habe immer rechtzeitig geliefert. Glaubwürdiger ist die Antwort: "Wie fast jede Führungskraft war auch ich schon spät dran mit dem einen oder anderen Projekt." Gleichzeitig sollte der Kandidat aber unter Beweis stellen, daß er Tag und Nacht daran gearbeitet hatte, seine Ergebnisse rechtzeitig zu liefern.

          6. Was halten Sie von Sonderschichten, Überstunden, Wochenendarbeit?

          Vorsicht: Wer seine hemmungslose Bereitschaft zu Selbstaufopferung zu erkennen gibt, gar mit Sonntagsarbeit protzt, macht Minuspunkte. Erstens sind Märtyrertypen unangenehme Zeitgenossen, die Lob nicht für Leistung, sondern für den Grad ihres Opfers erwarten. Und zum zweiten wecken sie den Verdacht, schlecht organisiert zu sein. Normalerweise sollte sich jede Aufgabe in 48 bis 50 Wochenstunden bewältigen lassen (Führungskräfte sollten besser nicht auf die 35-Stunden-Woche pochen). "Bisher habe ich meine Arbeit immer in angemessener Zeit geschafft. Wenn es brennt, dann wird halt durchgearbeitet", lautet eine mögliche Reaktion.

          7. Was halten Sie von Kritik?

          "Kritik finde ich ganz klasse, weil sie mich immer weiter bringt." Diese Antwort entlarvt den Bewerber als verlogenen Weichling. Die Wahrheit ist: Kritik ist unangenehm. Deshalb bietet sich diese Antwort: "Natürlich bin ich nicht begeistert, wenn ich kritisiert werde. Ich versuche trotzdem, konstruktiv damit umzugehen. Denn im Prinzip weiß ich, ich kann mich mit Kritik nur verbessern."

          8. Was war Ihre größte Leistung?

          Hier checkt der Arbeitgeber die persönlichen Prioritäten des Bewerbers ab. Die Rückfrage: "Meinen Sie jetzt privat oder beruflich?" ist schon ungeschickt. Der Arbeitgeber interessiert sich für berufliche Erfolge. Er will nicht wissen, ob sein künftiger Angestellter Schweinfurt 05 ins Pokalfinale geschossen hat. Auch die Tatsache, daß dieser eine liebe Frau gefunden und drei Söhne gezeugt hat, ist nur von sekundärem Interesse für den Interviewer. Der Interviewte sollte über Leistungen sprechen, die im unmittelbaren Zusammenhang mit seinem potentiellen Job liegen. Und dabei die Beiträge seines Teams nicht vernachlässigen.

          9. Wollen Sie demnächst schwanger werden, oder sind Sie es schon?

          Diese Frage ist grundsätzlich verboten, ebenso wie Fragen nach der Partei- oder Religionszugehörigkeit. Wer auf die Rechtslage pocht, hat gute Gründe und schlechte Karten. Fragen dieser Qualität verlangen nach einer Lüge.

          10. Was glauben Sie: Warum sind eigentlich Gullydeckel rund?

          Mit einer pfiffigen Antwort beweisen Kandidaten die Fähigkeit, Denkroutinen in Frage zu stellen und erforschen zu wollen, warum die Welt so ist, wie sie ist. Patentantworten gibt es nicht. Vielleicht eine mögliche Antwort: "Sie sollten rechteckig sein, dann wären sie vermutlich billiger zu produzieren und sie ließen sich wohl besser ins Straßen- oder Gehsteigpflaster einpassen."

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