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Bevölkerungsentwicklung : Die unsinnige Prognose des Club of Rome

Schon umstritten: Vorstellung des Berichts des Club of Rome in Rotterdam am 7. Mai Bild: AFP

Die Weltbevölkerung hört bald auf zu wachsen - das schätzt der Club of Rome in einem neuen Bericht. Doch viele Fachleute glauben das nicht. Der zuständige UN-Experte bezeichnet die Prognose als „kompletten Unsinn“.

          Die Organisation Club of Rome hat gut vierzig Jahre nach ihrem damals aufsehenerregenden Bericht „Die Grenzen des Wachstums“ einen neuen Band mit zum Teil äußerst pessimistischen Umweltprognosen bis zum Jahr 2052 herausgebracht. Unter anderem prognostiziert der Club eine drastische Verschlechterung der ökologischen Grundlagen, eine Klimakatastrophe und ein Ende des Wirtschaftswachstums.

          Philip Plickert

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Der Volkswirt“.

          Überraschenderweise erwartet der Club of Rome jedoch nur noch ein geringes Wachstum der Weltbevölkerung. Aktuell liegt die Weltbevölkerung bei 7 Milliarden Menschen. Nach der Projektion des Club of Rome werde sie flacher als allgemein erwartet zunehmen, 2040 bei 8 Milliarden einen Höhepunkt erreichen und danach sinken.

          In der Fachwelt stößt diese Berechnung jedoch auf extreme Skepsis. „Diese Bevölkerungsprognose des Club ist kompletter Unsinn“, sagte Gerhard Heilig, Chef der Abteilung Bevölkerungsschätzung und -Prognosen der Vereinten Nationen, dieser Zeitung. Ähnlich urteilte der Demograf Herwig Birg von der Universität Bielefeld.

          Nach seinen Berechnungen sei dieser Verlauf ausgeschlossen, denn er unterstelle, dass schon jetzt die Kinderzahl je Frau im Welt-Durchschnitt unter das bestandserhaltende Maß von etwas mehr als 2 gefallen sei. Auch der Bonner Professor Tilman Mayer, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Demografie hielt die Club-Prognose für „überraschend“. Wahrscheinlicher sei, dass die Weltbevölkerung eher in Richtung 10 Milliarden Menschen wachsen werde.

          Aber nicht allein die Gesamtbevölkerung ist wichtig, sondern die unterschiedliche Dynamik. In den westlichen Industriestaaten, aber auch einigen Schwellenländern sind die Geburtenraten seit Jahrzehnten drastisch gefallen. In Asien und besonders in Afrika wächst die Bevölkerung aber weiter. „Vor allem in West- und Ost-Afrika wird sie weiter stark steigen“, sagte der UN-Fachmann Heilig. In China liege die Kinderzahl je Frau inzwischen unter 2. Die Bevölkerungszahl stagniert deshalb.

          Indien werde die neue „demografische Supermacht“, betonte Mayer. Die Zahl der Inder werde von 1,3 Milliarden bis 2050 auf 1,7 Milliarden zunehmen und Asiens Gesamtbevölkerung auf gut 5 Milliarden steigen. „Und Afrika verdoppelt sein Volumen bis 2050 auf über 2 Milliarden Menschen“, gab Mayer eine gängige Schätzung wieder. Hingegen schrumpfen in fast allen westeuropäischen Ländern die Bevölkerungen in absehbarer Zeit. Dadurch steigt der Migrationsdruck aus Afrika nach Europa. „Entwarnung zu geben wäre absurd“, sagte Mayer.

          Das Modell der Siebziger? „Katastrophal schlecht“

          Die Bevölkerungsschätzung des Club of Rome überrascht die Demografie-Fachleute vor allem deshalb, weil sie im eklatanten Widerspruch zu früheren Prognosen steht. „In den siebziger Jahren hat der Club extreme Bevölkerungsexplosionsszenarien verbreitet, damals haben manche bis zu 15 Milliarden Menschen erwartet“, sagte Birg.

          Professor Herwig Birg: „Sehr seltsame“ Prognose

          Das Modell des Club sei aber „katastrophal schlecht gewesen“. Es sei erstaunlich, dass der Club nun ins Gegenteil verfalle und eine sehr geringe Bevölkerungsprognose präsentiere.

          Als Gründe für die sinkende Geburtenrate geben die Forscher des Club an, dass die Menschen auf der Welt zunehmend in Städten leben und mehr auf Familienplanung achteten. In entwickelten Ländern sind Kinder ein Kostenfaktor für Eltern, während sie in armen Ländern oftmals in der Landwirtschaft mithelfen.

          Zumindest mit seinen pessimistischen Aussagen über die ökologische Tragfähigkeit des Planeten bleiben sich die Forscher des Club of Rome treu.

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