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Bettina Wulff : Googles Probleme mit der Suchbox

Umstritten: die Google-Autovervollständigung

Umstritten: die Google-Autovervollständigung Bild: dapd

Bettina Wulff klagt dagegen, dass Google Websuchen nach ihrem Namen im Suchfeld automatisch ergänzt. Sie ist nicht die erste, die gegen diese Funktion vorgeht.

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          Für viele ist sie eine echt Recherchehilfe, für manche ein echtes Ärgernis: Die „Autovervollständigung“ der Internetsuchmaschine Google führt dazu, dass bei der Buchstabenfolge „Ang“ umgehend die Worte „Angela Merkel“ in der richtigen Schreibweise vorgeschlagen werden - zumindest an zweiter Stelle hinter dem Suchbegriff „angry birds“. Delikater wird die Buchstabenfolge „Be“, die als dritten Vorschlag automatisch den Namen der Frau des ehemaligen Bundespräsidenten, Bettina Wulff, in Zusammenhang mit ehrenrührigen Bezeichnungen hervorbringt. Dagegen hat Wulff nun Klage beim Landgericht Hamburg eingereicht.

          Corinna Budras
          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Google Inc. wendet dagegen ein, dass die angebotenen Wörter nur „ein algorithmisch erzeugtes Resultat“ der am häufigsten eingegebenen Suchbegriffe seien. Google schlage sie nicht selbst vor - sämtliche in Autovervollständigung angezeigten Begriffe seien zuvor von Google-Nutzern eingegeben worden.

          Nach Angaben von Google sind bislang alle Klagen abgewiesen worden

          In Deutschland ist Bettina Wulff damit nicht die erste, die gerichtlich gegen diese Autovervollständigung vorgeht. Auch andere haben sich schon dagegen gewehrt, dass ihr Name mit Suchbegriffen wie „Betrüger“ oder „Insolvenz“ in einem Atemzug genannt werden. Nach Angaben von Google sind alle Klagen abgewiesen worden - zumindest in Deutschland. In Frankreich wurde das amerikanische Internetunternehmen dagegen dazu verurteilt, einige Begriffe wie „Torrent“ oder „Rapidshare“ nicht mehr vorzuschlagen, wenn sie im Zusammenhang mit Künstlernamen auftauchen. Der Grund: In dieser Kombination führen die Begriffe in überwiegendem Maße zu illegalen Webangeboten. Die automatische Vervollständigung kann der Konzern also manipulieren, wenn es will - oder muss.

          Gerichtlich durchsetzbar dürfte eine solche Unterdrückung in Deutschland jedoch nur dann sein, wenn die Richter vom Landgericht Hamburg in der Abfolge der Worte „Bettina Wulff Prostituierte“ schon eine eigene Tatsachenbehauptung sehen und keine lose Zusammensetzung von Suchbegriffen, die von den Nutzern am häufigsten eingegeben wurden. Der Presserechtler Jan Hegemann von der Kanzlei Raue hält das nicht für ausgeschlossen, weil dadurch zumindest suggeriert werde, dass Bettina Wulf überhaupt etwas mit Prostitution zu tun habe.

          Folgen die Richter dieser Argumentation, könnten sie in der Vervollständigung eine „unerlaubte Handlung“ sehen, die die ehemalige „First Lady“ in ihrem grundgesetzlich geschützten Persönlichkeitsrecht verletzt. Damit könnte Google dazu gezwungen werden, dies künftig zu unterlassen und Schadensersatz zu zahlen (Paragraphen 823 und 1004 des Bürgerlichen Gesetzbuches). Auch das Strafrecht könnte hier eine Rolle spielen: Beleidigung, Verleumdung, üble Nachrede - das Strafgesetz verbietet Behauptungen, mit denen Mitmenschen herabgewürdigt werden, in unterschiedlichen Konstellationen. Besonders heikel könnte es werden, wenn das Gericht Google sogar eine Mittäterschaft im Bezug auf rechtswidrige Artikel unterstellt, in denen Bettina Wulff verunglimpft wird, warnt der Berliner Rechtsanwalt Hegemann.

          Der Freisinger IT-Anwalt Thomas Stadler sieht das anders: „Die Autovervollständigung führt vielmehr ganz ersichtlich primär dazu, den Zugang zu nicht rechtsverletzendem Content zu fördern“, betont er in seinem Blog „Internet-law“. Schließlich tauchten in der Suchliste ganz oben auch seriöse Artikel auf, die die Gerüchte um Bettina Wulff als unwahr bezeichneten.

          Die Funktion der Autovervollständigung hat die Suchmaschine schon 2008 eingeführt. Damit wird ein Suchbegriff vervollständigt mit den Vorschlägen, die auf den häufigsten Anfragen anderer Nutzer beruhen. Google argumentierte damals, das spare Zeit, verhindere Tippfehler und helfe manchmal auch, die Suchanfrage präziser zu formulieren.

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