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Betrunkener Butler James : Wie teuer ist das „Dinner for one“ wirklich?

Nicht ganz billig: Wie viel kostet es, was Butler James da Jahr für Jahr anrichtet? Bild: Imago

Beim „Dinner for One“ richtet Butler James alljährlich viel Unheil an. Doch wie hoch ist der Schaden tatsächlich? Die Allianz hat es einfach mal ausgerechnet. Zwei Dinge spielen dabei eine ganz wichtige Rolle.

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          „The same procedure as every year.“ Butler James serviert seiner Dienstherrin Miss Sophie nicht nur indisch gewürzte Suppe Mulligatawny, Schellfisch aus der Nordsee, Hühnchen und Obst. Er muss zur Feier ihres 90. Geburtstages auch in die Rolle der Freunde schlüpfen, die geladen, aber leider schon verstorben sind. Natürlich lässt es sich Miss Sophie nicht nehmen, mit Sir Toby, Admiral von Schneider, Mr. Pommeroy und Mr. Winterbottom einzeln anzustoßen; mit Sherry, Weißwein, Champagner, Portwein – und mit Wasser aus einer Blumenvase. Butler James hält sich tapfer, selbst nach 15 Gläsern, zumal Sir Toby zusätzlich eingeschenkt bekommen möchte.

          Rüdiger Köhn

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in München.

          Mit dem zunehmenden Kontrollverlust als Folge des beachtlichen Alkoholkonsums kann Butler James allerdings auf das Inventar nicht mehr viel Rücksicht nehmen. Die Tischdecke ist mit Rotwein- und Speiseflecken ruiniert, der Teppich ramponiert, das Hühnchen fliegt tief. Die seelischen und körperlichen Schäden des Butlers James mögen kaum ergründlich sein, auch wenn er bei jedem Toast mit Admiral von Schneider „Skål!“ ausrufen, vor allem aber die Hacken schmerzhaft zusammenschlagen muss. Der wirtschaftliche Schaden ist zu beziffern – mit 2120 Euro allerdings nicht gerade niedrig für einen Abend.

          Ein Wiederholungstäter!

          Und das wiederholt sich jedes Jahr, wenn wenige Stunden vor dem Jahreswechsel der 18 Minuten dauernde Schwarzweiß-Kultsketch „Dinner for One“, 1963 vom Norddeutschen Rundfunk mit Freddie Frinton als Butler James und May Warden als Miss Sophie produziert, die Nation in den Bann zieht. Der Versicherer Allianz hat sich der Angelegenheit mit nationaler Tragweite angenommen und in einer Schadenakte „Dinner for One“ die von James verursachten Schäden ermittelt. Kleinkram ist die Reinigung der Tischdecke (10 Euro) oder des Fußbodens mitsamt Teppich (100 Euro) oder das ungenießbar gewordene Hühnchen (10 Euro). Schwerer wiegt der Schaden des am Boden liegende Tigerfells. Elf Mal stolpert James schließlich über den Kopf. Dass der vom Butler gehaltene Zinnteller dabei gegen die Wand fliegt, geschenkt. Das muss der aushalten: 0 Euro. Aber die Kosten für neues Ausstopfen und gegebenenfalls einer Zahnregulierung würden mit 2000 Euro doch bei einem antiken Exponat wie diesem hoch ausfallen, meint die Allianz.

          Ist James angestellt, muss er für die Missgeschicke als Eigenschaden nicht haften; den trägt Miss Sophie. Würde er selbständig als Haushaltshilfe oder für einen Catering-Service arbeiten, könnten die Schäden über eine Betriebshaftpflichtversicherung abgesichert werden, wirbt Europas größter Versicherer für eine entsprechende Police.

          Wenn da nicht der alkoholisierte Zustand des Butlers wäre. „Hier handelt es sich um einen Wiederholungstäter“, sagt Allianz-Schadenspezialistin Mirjana Hasdorf-Achatz. „Da müssten wir aus versicherungsrechtlicher Sicht überlegen, zu welchen Konditionen wir ihn künftig versichern.“

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