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Betonkrebs : Wenn die Verkehrswege wegbröseln

Sieht stabil aus: Aber nicht alle Betonschwellen sind es wirklich. Bild: dpa

Beton ist nicht immer stabil. Das wissen Autofahrer. Und das bekommt auch die Deutsche Bahn zu spüren, die nach dem Zugunglück bei Garmisch nun noch mehr Bahnschwellen überprüft.

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          Beton ist ein komfortabler und preisgünstiger Baustoff – ein Baustoff, der das 20. Jahrhundert geprägt hat und den die Industrie gerne auch als Baustoff für das 21. Jahrhundert vermarktet. „Die Zeiten, als Beton noch ein einfaches Drei-Stoff-Gemisch aus Zement, Wasser und Zuschlag war, sind vorbei“, klärt etwa das „Informationszentrum Beton“ auf, eine Herstellerplattform im Internet. „High-Tech-Beton“ sei heutzutage vielmehr ein „Sechs-Stoff-System“ aus Zement, Gesteinskörnung, Wasser, Zusatzmitteln, Zusatzstoffen und Luft. Auch im Verkehr hat man die Vorteile jahrzehntelang zu schätzen gewusst. Beton bildet vielfach das Fundament der Infrastruktur, von Eisenbahnschwellen bis zu Autobahnen. Wie vieles im Leben kann aber auch ein Stoff mit so vielen Vorteilen durchaus seine Nachteile haben – das bekommt derzeit die Deutsche Bahn zu spüren.

          Thiemo Heeg
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Nach dem Zugunfall im Juni bei Garmisch-Partenkirchen mit fünf Toten und zahlreichen Verletzten keimte rasch ein Verdacht wegen der an der Strecke verwendeten Bauteile. Im Juli und August prüften Bahn-Fachleute rund 200 000 Betonschwellen eines bestimmten Bautyps und Herstellers. Es soll sich um das Münchener Unternehmen Leonhard Moll handeln, ein Anbieter mit langer Tradition. Seit 1937, so ist auf der Internetseite der Leonhard Moll Betonwerke zu lesen, stelle man Spannbetonschwellen her, und zwar mit stetiger technischer Weiterentwicklung. Die Volumina sind beachtlich: „Wir verfügen über eine Fertigungskapazität von über einer Million Spannbetonschwellen pro Jahr.“

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