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Verstimmung mit Trump : Shinzo Abe zieht die Augenbraue hoch

Hinter den Kulissen rumort es gewaltig zwischen Donald Trump und Shinzo Abe (hier am Montag im Akasaka-Gästehaus in Tokio). Bild: AP

Der amerikanische Präsident Donald Trump macht Druck auf Japan, einem bilateralen Handelsvertrag zuzustimmen. Beim Staatsbesuch in Tokio kommt es zu Misstönen.

          Es sollte ein Besuch der Freundschaft und schönen Bilder werden, passend zum Beginn der neuen kaiserlichen Ära in Japan, die den Namen Reiwa oder „schöne Harmonie“ trägt. Doch hinter den Kulissen bedrängte Amerikas Präsident Donald Trump Japan, endlich einem bilateralen Handelsvertrag zuzustimmen. Deutlich wie nie wurde das in Tokio in einer Episode im Gästehaus des Staates, dem im neo-barocken Stil 1909 erbauten Akasaka-Palast im Herzen von Tokio.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Noch vor ihrem Gipfelgespräch richteten Trump und Ministerpräsident Shinzo Abe im Saal der aufgehenden Sonne einige schöne Worte an Journalisten. Zum Handel werde man etwas zum Vorteil beider Länder ankündigen, sagte Trump und fügte hinzu: „wahrscheinlich im August“. Es war der Moment, an dem Abes meist unbewegliches Gesicht sich rührte und der Ministerpräsident eine Augenbraue hob. Das war als Zeichen fehlender Zustimmung zu lesen. Aurora, die Göttin der Morgenröte, die in dem Saal das Deckengemälde schmückt, schien noch fern.

          Am Dienstag bestätigte die Regierung in Tokio, was Abe schon signalisiert hatte. Wirtschaftsminister Toshimitsu Motegi erklärte vor Journalisten, Trump habe „seine Hoffnung auf schnellen Fortschritt“ in den Handelsgesprächen ausgedrückt. Im Klartext heißt das: Es gibt keine Absprache zwischen beiden Regierungen über den Augusttermin. Die offizielle Formel, die auch Abe nach dem Gespräch mit Trump verwendet hatte, lautet, dass man sich darauf geeinigt habe, die Gespräche zu beschleunigen. Das lässt Spielraum.

          Amerika dringt in den Gesprächen darauf, dass Japan seinen Agrarmarkt weiter öffnet. Doch Washington blockt bei Japans Wunsch, dass die Vereinigten Staaten ihre Einfuhrzölle auf Autos und Autoteile abbaut.

          Dem amerikanischen Druck auf ein bilaterales Handelsabkommen war Japan zu Beginn der Präsidentschaft Trumps dadurch ausgewichen, das es sich auf einen gemeinsamen Wirtschaftsdialog einließ. Heraus kam dabei allerdings nicht viel.

          Für Japan dürfte zunehmend schwieriger werden, Amerika noch hinzuhalten. Trump macht vor der Präsidentschaftswahl 2020 Druck und will Ergebnisse sehen. Wie sehr Japan seine Geduld strapaziert, zeigte ein verbaler Ausbruch während der gemeinsamen Pressekonferenz mit Abe. „Ich habe mit TPP nichts zu tun. OK? Nichts zu tun“, polterte Trump los, obwohl Abe das Reizwort des transpazifischen Handelspakts gar nicht in den Mund genommen hatte.

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