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Beschäftigungsrekord : Die Erfolgsformel der deutschen Industrie

Die Maschine läuft: In Deutschland wird immer noch viel produziert. Bild: Edgar Schoepal

Während die Industrie in anderen Ländern Anteile verloren hat, melden deutsche Unternehmen einen Beschäftigungsrekord. Warum ist die Industrie so robust?

          4 Min.

          Wenn die Statistiker aus Wiesbaden neue Zahlen zur deutschen Industrie veröffentlichen, klingt das meistens sehr nüchtern. „Anteil der Industrie am BIP seit zwanzig Jahren nahezu konstant“, verkündete das Statistische Bundesamt im Frühjahr. Und in der vergangenen Woche: „Beschäftigte im verarbeitenden Gewerbe im August 2015: plus 1 Prozent zum Vorjahresmonat.“

          Johannes Pennekamp
          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaftsberichterstattung, zuständig für „Die Lounge“.

          Dass sich hinter diesen Zahlen eine Erfolgsgeschichte verbirgt, wird erst bei genauerem Hinsehen deutlich. Denn mit knapp 5,4 Millionen Beschäftigten arbeiteten im August mehr Menschen im verarbeitenden Gewerbe als in jedem anderen Monat, seitdem die Statistiker im Januar 2005 begonnen haben, die Zahlen in dieser Abgrenzung zu erfassen. Dass der Anteil der Industrie am deutschen Bruttoinlandsprodukt 2014 noch immer mehr als 22 Prozent betragen hat, ist keineswegs selbstverständlich. In mehreren industrialisierten Volkswirtschaften ist der Anteil seit der Jahrtausendwende deutlich geschrumpft. „Deutschland hat ein nachhaltiges Talent für die Industrie“, sagt Martin Gornig, Wirtschaftsprofessor vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW).

          Ein starke Rolle der Industrie galt nicht immer als erfolgversprechend. Im Gegenteil: „In den Jahren vor der Finanzkrise galt eine hohe Quote eher als Manko“, sagt Gornig, „Länder, die zum Beispiel auf Finanzdienstleistungen gesetzt haben, wurden als moderner angesehen.“ Während der Finanzkrise hat sich diese Wahrnehmung gedreht, auch weil in der deutschen Industrie trotz Rezession viele Arbeitsplätze erhalten blieben.

          „Eine optimale Industriequote gibt es nicht“

          Anderswo ist die industrielle Basis seit der Jahrtausendwende hingegen deutlich geschrumpft. In Großbritannien ging der Industrieanteil von fast 20 Prozent im Jahr 2000 auf 9,4 Prozent 2014 zurück, melden die Statistiker aus Wiesbaden, in Frankreich im selben Zeitraum von mehr als 15 Prozent auf rund 11 Prozent. In den Vereinigten Staaten blieb der Anteil etwa konstant. „In den Vereinigten Staaten und in Großbritannien gab es zuletzt jedoch wieder höhere Investitionen“, sagt Forscher Gornig. In den Vereinigten Staaten erlebte die Industrie unter anderem wegen vergleichsweise niedriger Energiekosten und der Fördertechnologie Fracking zuletzt eine Renaissance.

          Die deutsche Industrie hat seit der Jahrtausendwende ihren Anteil am Weltmarkt bei etwa 10 Prozent gehalten – während sich die Gewichte ansonsten deutlich verschoben haben. Der Marktanteil der Vereinigten Staaten verringerte sich von mehr als 30 Prozent auf etwa 25 Prozent, China investierte im Rekordtempo in seine Industrie und konnte seinen Weltmarktanteil von etwa 10 Prozent im Jahr 2000 auf rund 23 Prozent im Jahr 2012 mehr als verdoppeln, schreibt der DIW-Forscher in einer aktuellen Studie. Allerdings ist ein hoher Industrieanteil keine Erfolgsgarantie. In Japan stammt zwar nach wie vor etwa ein Fünftel der Wertschöpfung aus der Industrie – dennoch hat das Land auf dem Weltmarkt sichtbar verloren.

          „Eine optimale Industriequote gibt es nicht“, sagt Oliver Holtemöller, Leiter der Makroökonomie-Abteilung des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH). Schwankungen seinen normal und hätten oft unterschiedliche Ursachen: Der Rückgang in Großbritannien habe vor allem mit der größeren Bedeutung der Finanzindustrie zu tun, der Rückgang in Frankreich mit geringerer Wettbewerbsfähigkeit.

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